Laut der am Donnerstag in Neuruppin bekanntgegebenen Kriminalitätsstatistik wurden in den Landkreisen Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin und Prignitz insgesamt 29 521 Straftaten registriert, auf Oberhavel entfielen 15 323, knapp 770 mehr als 2012.
Bei der Aufklärungsquote lag Oberhavel allerdings im Bereich der Polizeidirektion Nord an letzter Stelle. Während in Ostprignitz-Ruppin in 58,9 Prozent der Ermittlungen Täter überführt wurden, lag die Quote in der Prignitz bei 56,4 Prozent und in Oberhavel bei 54,5 Prozent. Damit liegt der Kreis aber immer noch 0,2 Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt.
Angesprochen auf die Spekulationen um geschönte Kriminalitätsstatistiken, betonte der Leiter der Polizeidirektion Nord, Bernd Halle, dass seine Zahlen korrekt sind. Am Mittwochabend hatte ein Brandenburger Fernsehsender über vermeintlich geschönte Zahlen berichtet. Unter anderem hieß es da, dass einem ertappten Fahrraddieb sämtliche Diebstähle am Tatort im Jahr zugeordnet wurden und die Erfolgsquote für viele Fälle auf 100 Prozent schnellte. "Wenn wir einen Dieseldieb enttarnen, rechnen wir ihm nicht plötzlich alle Diebstähle an der einen Raststätte zu", stellte Halle klar, dass das nicht Praxis sei.
Besonders drastisch stieg die Zahl der Einbrüche in Häuser und Wohnungen (siehe Infokasten). Die Zahl bereitet, auch angesichts der Folgen für die Opfer, der Polizei Sorgen. Für Polizeichef Bernd Halle ist das Sicherheitsbedürfnis der Häuslebauer noch nicht hoch genug: "Da werden Wohngebäude hingestellt für mehrere 100000 Euro" und noch 5000 Euro mehr für die Sicherheit zu investieren, sei dann oft nicht mehr drin. Noch immer lassen sich zu viele Tüten und Fenster mit Bohrern und Hebeln knacken. Dabei lohnt es sich, den Einbrecher vor knifflige Aufgaben zu stellen, betont Halle: "Wer es nicht mindestens in zwei Minuten ins Haus geschafft hat, bricht alles ab und versucht es beim Nächsten", sagt er. Besonders wichtig bei der Vorbeugung bei Einbruchsdiebstahl findet er auch Absprachen zwischen Nachbarn. Die Polizei begrüße es grundsätzlich, wenn sie sich in Gemeinschaften zusammenfinden. "Der berühmte Blick über den Gartenzaun macht schon viel aus", so Halle.
Besonders weil die Aufklärungsquote bei Diebstählen - um 39 Prozent der angezeigten Taten - trotz aller Erfolge immer noch sehr gering. Bernd Halle hatte dabei vor allem die Opfer im Sinn. "Zwei Drittel der erbeuteten Sachen werden damit für immer verschwunden sein." Denn die Betroffenen stünden vor einer Vielzahl von Problemen: Schock und Behörden-Rennerei wegen des verschwundenen Autos; nachhaltiges Unbehagen, weil Einbrecher die Wohnung herumgewühlt haben - sei auch eine oft hoch erscheinende Aufklärungsquote noch nicht genug.
Tatsächlich sind es vor allem Diebstähle, die die Polizeidirektion Nord umtreibt. Während die Zahl der Autodiebstähle in Oberhavel vergangenes Jahr gesunken ist (siehe Info), schlugen die Dieseldiebe im Bereich der Polizeidirektion Nord deutlich häufiger zu als im Jahresvergleich. So mussten 419 Fälle untersucht werden - zweieinhalb mal mehr als 2009.
Umso mehr freut sich die Polizei, wenn ihnen dicke Fische ins Netz gehen - so wie im Januar 2013 in Gransee. Ein Mann hatte mehrfach Autos, insbesondere der Marken Audi und BMW, gestohlen, auseinander genommen und die Teile im Internet verhökert.
Laut Kriminaloberrätin Kirsten Pasedag war es damit gelungen, sogar Fälle im gesamten Bundesgebiet aufzuklären. Auch spektakuläre Kupferkabeldiebstähle aus Windkraftanlagen konnten aufgeklärt und gestoppt werden. Nachdem im April die Täter aufflogen, gab es keine neuen Fälle mehr.