"Oberhavel Mobil 2040" ist das rund 200 Seiten starke Konzept überschrieben, das der Kreistag im Juni beschließen soll, das bislang aber so gut wie gar nicht öffentlich diskutiert wurde. Das wollten die Oberhavel-Grünen mit der  Videokonferenz ändern. Immerhin mehr als 20 Leute aus dem Nord- und dem Südkreis nahmen daran teil und informierten sich über die Pläne und Visionen für die Entwicklung des Verkehrs in den nächsten 20 Jahren.
Der Diskussionsbedarf war groß und zahlreiche Fragen offen. Etwa die, ob der RE 5 wirklich erst dann mit sechs Wagen fahren darf, wenn die Bahnsteige in Dannenwalde und Löwenberg auf entsprechender Länge ausgebaut sind. "Anderswo funktioniert es auch. Es gibt eine Ansage, dass nur in den ersten Wagen ausgestiegen werden kann", sind sich Ingrid Hüchtker und Henning Schluß einig. Die Verlängerung der beiden Bahnsteige ist ebenso wie der Bau der Seilbahn eine von 59 konkreten Handlungsempfehlungen, die im Mobilitätskonzept stehen, durchnummeriert von H1 bis H59, sortiert nach Modulen wie "Straßennetz", "Schienennetz", "Rad- und Fußverkehr" und "Elektromobilität". Jede Empfehlung wird unter anderem danach bewertet, wie viel CO2 und wie viel motorisierter Individualverkehr eingespart wird.
"Gewinner, was die Einsparung angeht, ist der Radverkehr und hier besonders der geplante Bau von Radschnellwegen auf vier Achsen in Richtung Berlin", erläutert Klemp. Mit deren Bau solle jedoch frühestens 2026 begonnen werden. 23,7 Millionen mit dem Auto gefahrene Kilometer ließen sich so einsparen. "Diese Schnellverbindungen sind gut und wichtig, aber deren Realisierung dauert viel zu lange", kritisiert Andreas Blaschke vom ADFC Birkenwerder. "Wir brauchen alltagstaugliche Radverkehrsnetze und eine gerechtere Verteilung vorhandener Verkehrsflächen. Kein Wort dazu steht im Konzept", so Blaschke.
Dem stimmt Kathrin Willemsen mit Blick auf den Nordkreis und die jüngsten Verkehrsteilnehmer zu. "Wer von Grüneberg nach Löwenberg sicher mit dem Fahrrad zur Schule fahren will, muss drei bis vier Kilometer Umweg in Kauf nehmen, da die kürzeste Verbindung zu gefährlich ist." Ein Kritikpunkt am Mobilitätskonzept: Statt auf die Alltagsverbindungen richtet es den Fokus beim Radverkehr auf die touristischen Strecken. "Die werden gefördert, da Tourismus die Wirtschaft stärkt", erklärt Klemp. "Hier andere Förderprogramme zu entwickeln, ist ein Thema fürs Land. Das nehme ich mit", so der Landtagsabgeordnete.
"Die Öffentlichkeit wird bislang durch den Landkreis so gut wie gar nicht beteiligt. Das ist nicht zufriedenstellend", kritisiert Julia Schmidt, Fraktionschefin der Grünen im Kreistag. Umso erfreulicher sei das große Interesse an der Videokonferenz, die sie moderierte. "Dieses Format hat den Vorteil, dass wir mit einer Veranstaltung Menschen im ganzen Kreis erreichen können. Das hat super funktioniert."
Nach nur einem Wort gefragt, was ihnen zum Mobilitätskonzept einfällt, war "enttäuschend" übrigens die häufigste Antwort der Teilnehmenden. Dennoch: "Im Vergleich zum Status Quo im Kreis Oberhavel ist das Konzept ein großer Schritt nach vorne", ist  Klemp überzeugt. Nun gelte es dafür zu sorgen, dass das OHV-Mobilitätskonzept nach Beschluss nicht in einer Schublade verschwindet, sondern die positiven Aspekte aufgegriffen und zügig umgesetzt werden. "Wir nehmen viele Anregungen aus der Diskussion mit und lassen sie in unsere politische Arbeit auf Kreis- und Landesebene einfließen", versichern Julia Schmidt und Heiner Klemp.

Verringerung der CO2-Emissionen


Der Kreistag Oberhavel beauftragte den Landrat bereits im Juli 2018, ein Mobilitätskonzept für Oberhavel zur Verringerung der CO2-Emissionen erstellen zu lassen.

Vor einem Jahr fand zum Auftakt von "Oberhavel - Mobil 2040" die 1. Mobilitätskonferenz statt. Ihr folgten zwei öffentliche Workshops in Oranienburg und Gransee.

Die EU bewilligte für die Erarbeitung des Mobilitätskonzeptes Fördermittel in Höhe von rund 27 000 Euro. Sie kommen aus dem Fonds für regionale Entwicklung. bren