Auf völliges Unverständnis stößt dabei die Tatsache, dass der Ersatzbusverkehr rund 100 Kilometer über Land und dann noch durch den dichten Berliner Stadtverkehr zum Hauptbahnhof geführt werden soll. Die Fahrzeiten verdoppeln sich dadurch. Manche Bahnfahrer fürchten, dass sie noch länger brauchen werden
Ursprünglich war geplant, den Bahnhof Oranienburg zum Dreh- und Angelpunkt des Ersatzverkehrs von und nach Neustrelitz zu machen. Davon habe man sich aber Anfang April verabschieden müssen, so DB Regio-Planer Renado Kropp – wegen der Kampfmittelsuche auf dem Bahnhof Oranienburg. Diese Begründung wird indes angezweifelt. Denn die S-Bahn darf wie gewohnt Oranienburg ansteuern. Wenigstens ein Gleis könnte doch trotz Bombensuche für die Regionalbahn freigehalten werden.
Diese Auffassung wird auch in der Stadtverwaltung Oranienburg und im Brandenburger Innenministerium geteilt. Weder das Land noch die Stadt hätten auf einer Totalsperrung des Bahnhofs bestanden. „Seitens des Landes haben wir dies weder gefordert noch zur Bedingung gemacht“, sagt Ingo Decker, Sprecher von Innenminister Dietmar Woidke (SPD). Ähnlich hatte sich zuvor schon Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) geäußert. „Aus den Protokollen des Lenkungskreises, in dem die Kampfmittelsuche auf dem Bahnhof abgestimmt wurde, geht das nicht hervor.“
Decker rät deshalb, dass sich die Fachleute der Bahn, des Landes, der Stadt und des Verkehrsverbundes noch einmal zusammensetzen, um die Frage zu klären, ob nicht doch Oranienburg für die Zeit der Trassenvollsperrung bisApril 2013 zum Drehpunkt des Schienenersatzverkehrs werden könnte. Diese Erkenntnis ist inzwischen auch bei der DB Regio angekommen. „Es ist zwar noch nichts entschieden, aber wir halten einen solchen Dialog zwischen den Fachleuten aller Beteiligten durchaus für hilfreich“, so Bahnsprecher Gisbert Gahler auf Nachfrage. Die Deutsche Bahn arbeite daran, das Ersatzkonzept zu optimieren. Kürzere Fahrzeiten könnten über die Bahnhöfe Birkenwerder oder Oranienburg erzielt werden.