Die Fallzahlen steigen, die Täter lauern im Netz. Es sind Erwachsene, die es auf Kinder und Jugendliche abgesehen haben. In Osnabrück wurde 2016 ein Mann gefasst, der in 122 Fällen Mädchen im Alter von zehn bis vierzehn Jahren über einen Online-Spiele-Chat kennengelernt und etliche sexuell missbraucht hat.
Auch in Brandenburg werden immer mehr Fälle von "Cyber-grooming" (siehe Hintergrund) zur Anzeige gebracht. Ihre Zahl hat sich seit 2013 verdreifacht, teilt der Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger vom Institut für Polizeiwissenschaften an Oranienburgs Fachhochschule mit. Von ihm und von der Linguistin Professorin Konstanze Marx vom Mannheimer Institut für Deutsche Sprache stammt die Idee zu dem bunten Aufklärungs-Animationsfilm.
In Fachkreisen sind ihre Arbeiten zum Phänomen "Cyber-grooming" bekannt, doch an den eigentlichen Adressaten gelangen ihre wissenschaftlichen Ergebnisse kaum. Daher haben sie den Clip produziert, um auf Youtube damit Kinder und Eltern anzusprechen.
"Online-Spiele sind die unterschätzteste Form der sozialen Medien", sagte am Mittwoch der Kriminologe Rüdiger. "Alle haben den Fokus auf Twitter und Facebook, aber nicht auf Kinder, die online spielen". Dabei seien Millionen von ihnen im Netz unterwegs. Nach einer Studie des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungsmedien (BIU) sollen drei Millionen Kinder bis neun Jahre zumindest gelegentlich Computer- und Videospiele spielen.
Problem: Dabei spielen Kinder ganz selbstverständlich auch mit Erwachsenen zusammen, "und das birgt erhebliche Risiken", so Thomas-Gabriel Rüdiger. "Das reicht von der Konfrontation mit extremistischen Meinungen, über Hatespeech bis hin zum Kontakt mit Sexualtätern, wie im Osnabrücker Fall".
Der dreiminütige Clip auf Youtube wurde an der Polizeifachhochschule produziert. Er thematisiert das digitale Spielen und das Chatten mit unbekannten Mitspielern. Im ersten Teil des Films wird gezeigt, dass Eltern und Kinder zu Recht sensibel sind, wenn auf einem Spielplatz unbekannte Erwachsene Kinder ansprechen. Im zweiten Teil wird dargestellt, dass diese Schutzmechanismen jedoch versagen, wenn Unbekannte in Onlinespielen mit den Kindern interagieren. "Das ist doch paradox. Ein Typ spricht Kinder auf dem Spielplatz an und alle rasten aus. Der selbe Typ ist wenig später online und nimmt Kontakt mit Kindern auf und nichts passiert." Dem Kriminologen ist wichtig, dass Eltern sich der Gefahr aus dem Netz bewusst werden. "Sie sollen mitspielen und sich nicht nur die Spiele von ihren Kindern zeigen lassen." Eltern sollten diese Spiele selbst eine Woche lang spielen und dann mit den Kindern auf Augenhöhe über die Risiken durchs Chatten reden.
Im abschließenden dritten Teil des Clips werden Tipps und Hinweise sowohl für Kinder als auch für die Eltern gegeben. Dabei tauchen Konstanze Marx und der Kriminologe Rüdiger auch selbst als Animationsfiguren auf. Am Mittwoch hatte der Clip auf Youtube knapp 1 600 Aufrufe.