Zwischen Schlafstätte und Familienhort, zwischen Kita-Neubau und Volkssolidarität, zwischen aktivem Vereinsleben und versteckten Problemen, zwischen Wald und Wiesen – irgendwo da liegt Zühlsdorf. In loser Folge stellen wir in den kommenden Wochen die Ortsvorsteher des Mühlenbecker Landes vor. Den Anfang machen Thomas Pump (parteilos) und ein Ort, in dem unter einer auf den ersten Blick gut ausgebauten Straße der künftige Ärger verborgen liegt.

Schöne Straße, schlechter Untergrund

Gemeint ist die Dorfstraße. „Vor der Kita haben wir Tempo 30“, sagt Thomas Pump. Der 52-Jährige würde die Geschwindigkeitsbegrenzung am liebsten im ganzen Ort ansetzen. „Doch da führt kein Weg hin.“ Dabei sehe die Straße lediglich schön aus. „Als das Abwasser vor Jahren neu verlegt wurde, bekam die Straße eine geschlossene Deckschicht.“
Das Problem: „Diese wurde auf Feldsteinen aufgetragen und ist damit nicht tragfähig.“ Es ist also nur eine Frage der Zeit bis erste Stolperstellen und Absenkungen oder Risse auftauchen. Tempo 30 könnte helfen, den Verschleiß zu verlangsamen. „Die Straßenbehörde sieht aber nur die schöne Straße.“

Erst Supermarkt, dann Schlecker, dann Leerstand

Viel politische Schlagkraft haben die Argumente des gelernten Elektrikers und Dreifachvaters nicht. Als Ortsvorsteher hat seine Meinung lediglich empfehlenden Charakter. Im Bauausschuss sitzt er zudem nur als sachkundiger Einwohner. „Für einen Sitz in der Gemeindevertretung haben die Stimmen nicht gereicht“, sagt er. Er stellte sich auf der Liste der Linken zur Wahl.
Thomas Pump löste 2012 seinen verstorbenen Vorgänger Klaus Flemming ab. Lange Zeit sei Zühlsdorf mit seinen sieben Siedlungen und aktuell rund 2.300 Einwohnern „als Dorf im Wald hinten runtergefallen“, was Finanzspritzen und Ausbaupläne angeht, so Pump. Wie so viele Brandenburgische Dörfer baute Zühlsdorf ab: aus dem Supermarkt wurde Schlecker wurde Leerstand, Post, Fleischer und Bäcker verschwanden.
Mittlerweile der Aufschwung: „Der Ort platzt aus allen Nähten“, so Thomas Pump. Die Kita Schneckenhaus mit 75 Plätzen ist auf Dauer zu klein und zudem sanierungsbedürftig. „Wir wirbeln gerade auf der Suche nach einem Standort für einen Neubau“, so Pump. In der neuen Kita sollen 160 Kinder Platz finden. Einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht.

Bauland, Bus und Bahn

Bauland gebe es jedoch ohne Ende. Wenn auch nicht für alle, die es wollen. Hier liegt die Vision für Zühlsdorf versteckt: Dorf und Siedlungsgemeinde bleiben. Ein bisschen Schlafstätte, aber mit guten Lebensbedingungen. „Wir brauchen kein neues Bauland, wir wollen das vorhandene Potential für Lückenschlüsse nutzen.“
Wachstum bleibt begrenzt. „Einige Einwohner waren beim Erstellen des Flächennutzungsplans natürlich sauer, weil sie ihr Land nicht als Baufläche ausweisen durften.“ Bürgerwünsche muss er öfter mal dämpfen. So sei der ÖPNV nach 18 Uhr kaum vorhanden. „Das ist eine Frage des Geldes. Der Rufbus, den wir probeweise hatten, wurde nicht angenommen.“ Immerhin die Bahn fahre bis 20 Uhr. „Wenigstens haben wir diesen Anschluss“, sagt Pump. 

Radweg an der L21 gefordert

Doch das Motto des Mühlenbecker Landes ist auch in Zühlsdorf präsent. „Wir sind in der glücklichen Lage, eine Ärztin und eine Zahnarztpraxis zu haben.“ Es gibt einen Friseur, den Heidekrug für Privatfeiern, das Bahnhofsstübchen zum Essengehen, einen Jugendclub und die Ortsgestaltungsgruppe, die sich für eine Gehwegsanierung stark machte, die bald starten soll. Glück versprechen laut Pump zudem die durchaus kritisch diskutierten Pläne des Gesundheitsbades am Rahmer See. „Das ist ein super Projekt.“ Die Unterlagen zur Genehmigung des öffentlich zugänglichen Bades mit Gastronomie und Wellnessangebot lägen derzeit in Potsdam zur Überprüfung.
Bis es soweit ist, könnten noch einige Jahre ins Land ziehen, noch einige Filme im Dorfkino über die Leinwand flimmern. Weniger Zeit sollte laut Thomas Pump vergehen, bis der Radweg an L21 bei Zühlgslake endlich hergestellt wird. „Wir hoffen, dass wir es auf die Prioritätenliste des Landes schaffen.“ Diesen Sonnabend wird für das Vorhaben erneut demonstriert.