Ehemalige Pension abgerissen
Das Areal dürfte kaum wiederzuerkennen sein. "Vorher stand hier ein Mehrfamilienhaus", sagt die stellvertretende Bürgermeisterin und Kämmerin Martina Schnur über das Objekt in der Berliner Straße 46. Sie präzisiert: "Ursprünglich war das Haus eine Pension, die Jahrzehnte als Wohnhaus genutzt wurde." Die Stadt ließ das Gebäude abreißen. Eine Sanierung wäre laut Schnur zu aufwendig und kostenintensiv gewesen. Zumal so ein zweites Problem gelöst werden konnte: Die schlechte Einsicht an der Kreuzung Berliner Straße Ecke Am Kiez, also direkt vor der Brücke, gehört so der Vergangenheit an. "Das war ein kritischer Verkehrspunkt", sagt Schnur.
Da die Nachfrage in Liebenwalde nach kostenfreien und zeitlich unbegrenzten Parkplätzen vorhanden war, stand schnell fest, was auf dem Grundstück errichtet werden könnte. "Die Infrastrukturmaßnahme soll die Parkplatzsituation an der Kreuzung Ernst-Thälmann-Straße und Zehdenicker Straße entspannen."
An den Tourismus gedacht
Wie Martina Schnur erklärt, steckt hinter dem Grundgedanken der 31 Parktaschen (zwei davon als Behindertenstellplätze ausgewiesen) und vier Parkbügel für Fahrräder auch ein touristischer: "200.Meter entfernt ist das Feuerwehrmuseum und zum Stadtkern ist es ein gemütlicher Spaziergang." Ein Info-Schild weist Besucher auf  mögliche Stationen hin. Da der Baumbestand im einstigen Hausgarten größtenteils erhalten werden konnte, könne zudem auf Bänken im Schatten gerastet werden.
256 000 Euro sollte das Projekt kosten. Zu 75 Prozent flossen Fördermittel der EU und des Landes Brandenburg in die Finanzierung ein. Doch das Geld reichte nicht. Der Bodenaustausch ließ die Kosten etwas in die Höhe schnellen; die Stadt musste noch einmal rund 25 000 Euro obendrauf packen. "Es gab unreinen Oberboden mit Schadstoffgehalten", erklärt Birgit Haase vom Planungsbüro Grün + Bunt aus Berlin. "Wir mussten gucken, wie wir sinnvoll aufbauen, um die Tragfähigkeit zu erhalten."
Birgit Haase war es auch, die mit ihrem E-Auto die neue, öffentliche Ladesäule testete – und gleich Kritik übt. Der QR-Code funktioniere nicht richtig. "Der Link läuft ins Leere." Mit ihrem aufgeladenen Auto kommt sie im Winter 100 Kilometer weit, im Sommer sind es rund 180. Laut Martina Schnur sei die Säule die erste im Norden Oberhavels. "Zumindest hat mir das die E.dis so gesagt." Vorige Woche wurde die grüne Station angeschlossen. Die Kosten liegen bei 12 800 Euro. "Es gab Fördermittel vom Bund", sagt Bau- und Ordnungsamtsleiter Hardy Henke, in Höhe von rund 4 900 Euro. "Es ist eine sehenswerte Anlage geworden, die das Stadtbild aufwertet", äußert sich Henke lobend zum neuen Objekt der Stadt.
Für die Stadt ist damit die größte Tiefbaumaßnahme dieses Jahres abgeschlossen. Weitere Investitionen in Parkplätze gebe es erst einmal nicht, sagt Martina Schnur. "Wir sind jetzt gut ausgestattet."
Dafür steht ein Riesenprojekt in den Startlöchern, diesmal im Hochbausektor: Die ehemalige Werner-Seelenbinder-Oberschule soll zu einer barrierefreien Grundschule umgebaut werden. Mehr als 6,5 Millionen lässt sich die Stadt das kosten.

Ausflugsstart für Radfahrer und Touristen


Das Projekt hatte einen recht kurzen Atem. Im vorigen Jahr wurden die Fördermittel beantragt und die Ausschreibungen auf den Weg gebracht.

Im Januar 2019 begannen die Arbeiten. Erst in etwas kleineren Schritten: Wie Bau- und Ordnungsamtsleiter Hardy Henke am Donnerstag mitteilte, wurden die vorhandenen Gehölze untersucht und notfalls gefällt. Zudem startete die vorbereitende Baufeldfreiräumung.

Im März legte die Baufirma – den Zuschlag erhielt die Zehdenicker Tief- und Verkehrsbau GmbH – richtig los. "Bei Frostfreiheit und ohne Probleme", so Henke.

Laut Martina Schnur soll die Anlage zudem als touristischer Ausflugsstart dienen. Autofahrer, die mit dem Rad im Gepäck anreisen, können vom Rastplatz aus direkt auf den Radweg Berlin-Kopenhagen und den Oder-Havel-Radweg fahren. Oder es sich am Hafen gemütlich machen. win