Schon als Kind stand sie im Rampenlicht der Bühnen und musizierte mit Hingabe. Seit sie erwachsen ist, tritt sie nicht nur auf, sondern unterrichtet auch Kinder im Geigenspiel. Die Rede ist von Kathrin Heinrich, geborene Spiegel. Als Ensemble-Geigerin hat sie es bis in die ZDF-Show "Musik liegt in der Luft" geschafft und viele Prominente live erlebt.
Wann sie geboren wurde, das weiß die Oranienburgerin ganz genau: Es war am 5. Mai 1962 um 5.45Uhr im Krankenhaus Oranienburg. "Ich hatte eine wunderbare Kindheit", schwärmt die 54-Jährige. "Meine Eltern waren immer für mich und meine Geschwister da, haben uns gefördert, wo sie nur konnten. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar."
Die Familie lebte im Lindenring und besaß ein Gartengrundstück hinter dem Schlosspark. Diese Jahre zählt Kathrin Heinrich mit zu ihren schönsten. "Als zu den Festtagen 800 Jahre Oranienburg das Haupttor zum Schlosspark wieder als Eingang geöffnet war, habe ich das genossen. Als Kind bin ich dort immer mit dem Fahrrad zu unserem Garten durch gefahren. Da wurden viele Erinnerungen wach."
Die junge Kathrin besuchte von der ersten Klasse an die Musikschule Oranienburg, lernte dort Geige und Klavier. Schon früh entwickelte sich in ihr der Berufswunsch, Musikerin zu werden. "Mein Vater arbeitete als Theatertischler an der Komischen Oper in Berlin und spielte in seiner Freizeit Posaune. Mein Opa spielte Cello und Klavier. Da war dieser Weg vorgegeben", blickt sie zurück. Auch Bruder und Schwester erlernten Instrumente, beide sind heute, wie Kathrin Heinrich, von Beruf Musiker.
Mit 14 Jahren wurde die Oranienburgerin in das Rundfunkmusikschulorchester aufgenommen und trat vielerorts öffentlich auf. Zusätzlich begann sie, Bratsche zu lernen. Durch die Musik kam sie viel herum, lernte Menschen und Orte in der ganzen DDR kennen. Sie genoss die regelmäßigen Treffen in der Familie mit dem Opa, der mit ihr immer Kaffeehausmusik spielte. "Da war ich in meinem Element."
Bereits Jahre, bevor sie ihr Studium an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin aufnahm, bekam sie einen Professor zur individuellen Förderung zugeteilt. "Davon habe ich später sehr profitiert." Noch als Studentin begann sie an der Musikschule Oranienburg zu unterrichten und spielte im Lehrerquartett mit.
Kathrin Spiegel, spätere Heinrich, wurde für viele Oranienburger zum Inbegriff der Orchester-Geigerin. Das Jahr 1984 war in vielerlei Hinsicht eine Zäsur: Im April zog sie mit ihrem Verlobten Ronny Heinrich in das Haus des Großvaters in Oranienburg-Süd. Im Mai legte sie ihr Staatsexamen ab. Im Juni kam Sohn Alexander zur Welt. Im August heiratet sie. "Ich war privat wie auch beruflich angekommen und glücklich." Die Glückssträhne hielt an: Kathrin Heinrich unterrichtete an der Musikschule Oranienburg, gab Konzerte, spielte Kaffeehausmusik in FDGB-Heimen und schenkte 1986 Tochter Juliane das Leben.
1989 folgte sie als Musiklehrerin Ehemann Ronny nach Hennigsdorf, der dort die städtische Musikschule aufbaute. Zugleich erhielt sie ein Engagement in der RIAS Bigband Berlin, das bis Ende der 1990er-Jahre dauerte. Regelmäßig war sie live in der ZDF-Show "Musik liegt in der Luft" zu erleben, lernte Prominente wie Udo Jürgens, Dieter Thomas Heck, Till Brönner oder Horst Jankowski kennen. Zu den Tausenden Zuschauern, die die Show live oder am Bildschirm verfolgten, zählten auch Ehemann Ronny und die Kinder. "Wenn die Kamera auf mich geschwenkt ist, habe ich mir immer unauffällig am Ohr gezupft. Das war das Zeichen für meine Familie, dass ich an sie denke."
Die schönsten Erinnerungen an diese Zeit verbindet sie mit der Deutschland-Tournee von Natalie Cole, die sie mit der RIAS Bigband musikalisch begleiten durfte. Beim Konzert mit der legendären Sängerin in der Philharmonie Berlin verbrachte sie ihren 30. Geburtstag, "unvergesslich und einmalig".
Die 1990er-Jahre waren auch aus
einem weiteren Grund ein besonderes Jahrzehnt in ihrem Leben: So gründete sie 1992 mit Ehemann Ronny die "Oranienburger Schloßmusik", die heute zu einem der populärsten Klassik-Ensembles in Oberhavel zählt. Während er die künstlerische Leitung inne hat, spielt sie die erste Geige - auch hinter den Kulissen. Kathrin Heinrich ist Konzertmeisterin. Sie kümmert sich um Organisation und Finanzen.
Dahinter steckt eine Menge Arbeit: Kostüme besorgen und reinigen, Noten heraussuchen, Musiker bestellen, Flyer entwerfen und verteilen. "Das ist manchmal Stress, aber positiver", sagt sie. "Denn ich lebe meinen Lebenstraum, und die Begeisterung der Zuschauer gibt mir Kraft." Dass sie bei jeder Probe für Kaffee und Kuchen sorgt, das hat schon fast Ritual-Charakter. "Wir sind wie eine große Familie", freut sich Kathrin Heinrich, die in diesem Kreis liebevoll "die Orchestermutti" genannt wird.
So faszinierend ihre Welt als Konzertmeisterin ist - ihrem Hauptberuf als Lehrerin ist die Oranienburgerin immer treu geblieben. An der Musikschule Hennigsdorf zählt sie zu den dienstältesten Lehrern und hat mittlerweile Hunderten Kindern das Geigenspiel beigebracht. Neben dem Unterricht kümmert sie sich um Auftrittsmöglichkeiten für den
künstlerischen Nach-wuchs. "Die Arbeit an der Musikschule bereitet mir sehr viel Freude. Mir ist dabei immer meine eigene Kinder- und Jugendzeit präsent." Beim Unterrichten treibt sie der Gedanke an, "den Kindern etwas fürs Leben mitzugeben". Viele begleitete sie die ganze Schulzeit über. Heute melden Schüler von einst ihre eigenen Kinder in der Musikschule an. "Das sind unbeschreiblich schöne Momente", freut sich Kathrin Heinrich.
Schöne Momente erlebt sie zudem oft, wenn sie in ihrer Heimatstadt Oranienburg unterwegs ist und auf bekannte Gesichter trifft. "Ich habe mich hier immer wohl gefühlt, wollte nie woanders leben." Selbst während des Studiums pendelte sie lieber regelmäßig zwischen Oranienburg und Berlin
Es erfüllt die Musikerin mit Stolz, Oranienburgerin zu sein. "Die Stadt hat sich einfach toll entwickelt."
Sie hofft, dass dieser Prozess anhält und sich ihr Lebenstraum weiter erfüllt: "Unsere Kinder hatten einen guten Start, stehen auf eigenen Beinen. Jetzt freuen wir uns auf Enkel."
Wer Kathrin Heinrich und die "Oranienburger Schloßmusik" demnächst live erleben möchte, sollte sich das Sommer Open Air Konzert im Ofen- und Keramikmuseum Velten am 3.September oder das Benefizkonzert der Bürgerstiftung Oranienburg am 9. Oktober in der Orangerie vormerken.
Die Serie "Oranienburger Originale" läuft in Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung Oranienburg. In loser Folge werden zum 800. Geburtstag Oranienburgs Einwohner vorgestellt.