Nach 50 Jahren Geschäftstätigkeit zog sich der gebürtige Berliner 2016 ins Privatleben zurück und verlegte seinen Wohnsitz nach Marienthal bei Zehdenick. Dort genießt er nach dem intensiven Arbeitsleben die neu gewonnene Freiheit und produziert Marienthaler Lustwein.
Dass er ausgerechnet nach Oberhavel zog, ist kein Zufall. "Der Norden Berlins war schon immer mein Favorit", erzählt der 73-Jährige. Bereits 1968 kaufte er ein Wochenendgrundstück in Oranienburg in der Klagenfurter Straße an der Havel. "Da war Natur pur, morgens liefen die Rebhühner über die Wiese." Als in der Gegend eine Plattenbausiedlung errichtet wurde, suchte er sich eine neue Bleibe zum Erholen und wurde in Marienthal fündig. Seit 1978 verbrachte er dort regelmäßig seine freien Wochenenden und entspannte vom stressigen Alltag. Ab und an konnte man ihn in den 1970er-Jahren auch in Friedrichsthal antreffen, wo sein Pferd stand, und er sich im Turnierreiten übte. In den 1980er-Jahren frönte er seiner Reitleidenschaft in der Zwischenbetrieblichen Einrichtung (ZBE) Wentow.
Die meiste Zeit seines Lebens widmete er jedoch seinem Beruf. Eigentlich hatte er Dekorateur werden wollen. Den Friseurberuf lernte er jedoch schnell schätzen und lieben. Denn mit ihm konnte er seine Kreativität ebenfalls ausleben. "Am liebsten frisierte ich langes Haar. Es geht darum, das Haar zu beherrschen und eine Frisur zu schaffen, die zu der Frau passt." Einen guten Friseur zeichne zuerst ein guter Blick aus, unterstreicht der Meister. "Der ist das A und O." Als nächstes brauche ein Friseur Fingerfertigkeit, erklärt er weiter. Aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung weiß er, dass "nur gut ein Viertel der Friseure" diese Eigenschaften besitze.
Das erste Geschäft von Michael Umlauf befand sich in der Pasteurstraße in Berlin Prenzlauer-Berg. Wer damals dort lebte, hat garantiert noch die Bilder mit der Warteschlange vor dem Salon vor Augen. "Ich habe tagsüber gearbeitet, die Abendstunden trainierte ich für Meisterschaften. Ich war sehr ehrgeizig." Unermüdlich experimentierte der ambitionierte Friseur an Modellköpfen und war oft bis 23 Uhr beschäftigt. Das brachte ihm Erfolg: Bis 1975 war er zwei Mal DDR-Meister, drei Mal Berliner Meister und drei Mal Gewinner des osteuropäischen Pokals der Freundschaft. 1975 stieg er als aktiver Teilnehmer aus, wurde stattdessen Trainer der DDR-Nationalmannschaft und Mitglied der Meisterschafts-Jury. Zudem wurde er ins Entwicklungsteam für Frisurenmode aufgenommen, dem er bis 1989 angehörte. Sein Wort hatte Gewicht, denn Michael Umlauf hatte "ein untrügliches Gespür für Trends". Von 1984 an fing obendrein an, die Aufnahmen für die Trendkataloge selbst zu fotografieren. Dabei bewies er auch ein geschicktes Händchen als Fotograf.
Tausende Frauen, aber nur zwei Männer hat Michael Umlauf im Laufe seines Berufslebens frisiert. Auf einen Termin beim Meister musste man wochenlang warten. Botschafterinnen und andere Diplomatinnen zählten ebenso zu seinen Gästen wie Künstlerinnen und andere Prominente. Michael Umlauf ist ausgesprochen diskret. Marketing in eigener Sache zu betreiben und von sich reden machen, lag ihm nie. Er lieferte weder Gesprächsstoff für die Presse, noch besuchte er ausschweifende Partys. Das änderte sich auch nach der Wende 1989 nicht.
Dafür änderte sich seine Geschäftstätigkeit. Mit der Mauer waren auch die Beschränkungen der sozialistischen Planwirtschaft verschwunden, und der Friseurmeister wurde mit 56 Jahren Unternehmer: Er eröffnete weitere Salons und expandierte in ganz Berlin. Zuletzt trugen 40 Salons den Namen Michael Umlauf. Alle Mitarbeiter holte er zwei Mal jährlich zum firmeneigenen Trendevent. Dort stellte der Meister die neuen Frisuren für Frühjahrs-, und Sommer- sowie die Herbst-/Winter-Saison höchstpersönlich vor: Er entwarf sie und frisierte vor Ort. Er wurde darüber hinaus Partner von Friseurartikel-Herstellern, arbeitete für L'Oreal, Wella und Schwarzkopf, bei denen er Seminare gab.
Mit seinem Arbeitsleben ist er zufrieden. Seit er sich 2016 aus seinem Unternehmen verabschiedet hat, hat er keine Frisur mehr kreiert. "Diese Lebensphase ist vorbei", ist der Wahl-Marienthaler da ganz konsequent. Sein Beruf hat ihn - aufgrund von Meisterschaften und Vorträgen - in viele europäische Länder geführt. Jetzt will er die Flecken der Erde bereisen, wo er noch nicht war. Vor allem aber will er sich "voll und ganz" seinem Weinanbau widmen. 2017 hat er 150 Flaschen Marienthaler Lustwein produziert, 2018 werden es 500. Abnehmer sind Restaurants aus der Region wie der "Alte Hafen" in Mildenberg oder die "Mühle Tornow". Was es mit dem Namen Lustwein auf sich hat? "Ganz einfach, mich hat ein Nachbar gefragt, warum ich mir das in meinem Alter noch antue. Ich habe ihm geantwortet: aus Lust."