Lasse übernahm den Job von Torsten Lattke nur eine Schulstunde lang und musste sich die Aufgabe mit Ben aus der 3 b und Elisa aus der fünften Klasse teilen. Die Drei hatten sich mit kleinen Bewerbungsschreiben um den Chefsessel bemüht. Denn die Waldschule führt drei Projekttage zur Stärkung der Kinderrechte durch. Am Dienstag durften die Schüler daher in Jobs wechseln: als Schulsekretärin, Hausmeister oder Sportlehrer.
Ben Braun nutzte den Rollentausch, um Torsten Lattke auf einen Riss in der Wand seines Klassenzimmers aufmerksam zu machen. Er wusste auch, dass er als Rektor Dienstberatungen abhalten, viel telefonieren und Probleme lösen muss. Elisa wollte wissen, "wie es so ist, wenn man Verantwortung übernimmt". Sie sei ja auch schon Klassensprecherin gewesen.
Spielerisch sollen die Kinder über ihre Rechte aufgeklärt werden. Es gehe dabei zum Beispiel um das Recht auf Gesundheit und Familie, um Gleichbehandlung und das Recht spielen zu dürfen, sagt Schulsozialarbeiterin Carina Lübon. Um auf das Recht auf Kultur aufmerksam zu machen, wird getanzt und ein Schulsong einstudiert.
"Manchmal fehlt das Verständnis für die Rechte, das wollen wir vermitteln", sagt Torsten Lattke. Wie Kinderrechte gelebt werden können, hinge oft auch von den Arbeitszeiten der Eltern, vom verfügbaren Einkommen und kulturellen Unterschieden ab. Den Kindern sollen deshalb Handlungsmöglichkeiten vermittelt und bewusst gemacht werden, dass sie auch schon Verantwortung haben.
Alle 297 Schüler nehmen an einem der klassenübergreifenden Workshops zu Kinderrechten teil, sagte Hortleiterin Uta Linberg. Die Kinderrechte sollen aber nicht nur während der Aktionstage gestärkt werden. Auf dem Schulhof werden die Kinder daran gewöhnt, selbstverwaltet zu spielen. Und nach den Pausen dürfen sie allein zurück in ihre Klassen gehen.