Der ehemalige Bürgermeisterreferent Gilbert Collé hat einen neuen Job. Collé leitet seit 1. Oktober ein neu geschaffenes IT-Amt, das die Digitalisierung der Verwaltung voranbringen soll. Künftig sollen beispielsweise Anträge oder Kita-Anmeldungen online möglich sein. Auch soll die Digitalisierung städtischer Einrichtungen und Gesellschaften vorangebracht werden, teilte die Stadtverwaltung am Mittwoch mit. Bisher war die IT im Hauptamt angesiedelt. In der Stadtverwaltung gab es aber Unzufriedenheit über die digitalen Fortschritte.
„Wir bündeln die strategische und operative IT an einer zentralen Stelle. Damit wollen wir der Digitalisierung in der Stadtverwaltung noch einmal neue Impulse geben und sie zügiger voranbringen“, sagte Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos).

Neue Aufgabe für Collé: Digitalisierung

Nun kümmert sich der Erziehungs-, Politikwissenschaftler und Soziologe Collé um die Digitalisierung im Schloss. Die Fraktionsvorsitzenden sollen der Personalie am Dienstag im Ältestenrat mit dem Bürgermeister zugestimmt haben. „Der digitale Wandel stellt die Verwaltung vor große Herausforderungen. Die Kommunen haben die anspruchsvolle Aufgaben, in den nächsten Jahren ihre Verwaltungsleistungen auch elektronisch anzubieten“, sagte Collé. „Ich freue mich, dass ich mich mit meinen beruflichen Kompetenzen in diesen wichtigen Bereich einbringen kann.“
Für den als Referent und Stadtsprecher entlassenen Collé musste eine neue Aufgabe gefunden werden, weil er 2018 einen unbefristeten Vertrag vom damals neuen Bürgermeister erhielt. Collé, der ehrenamtlicher SPD-Bezirksabgeordneter in Reinickendorf ist, ist in der Stadtverwaltung wie ein Amtsleiter eingestuft.

Wirbel um Versetzung zu den Stadtwerken

Die Personalie hatte im August für einigen Wirbel gesorgt. Zuerst wollte Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) die im Mai erfolgte Absetzung nicht öffentlich machen. Dann sorgte Collé selbst für Öffentlichkeit, als er Anfang August seinen neuen Job als kommunalpolitischer Referent bei den Stadtwerken auf Facebook bekannt gab.
In der darauffolgenden Stadtverordnetenversammlung geriet Laesicke in Erklärungsnot, konnte kaum eine plausible Erklärung liefern. Viele Fragen blieben unbeantwortet. Holding-Geschäftsführer Alireza Assadi hatte Laesicke das Angebot zur Weiterbeschäftigung Collés gemacht, Collé sollte aber weiter von der Stadt bezahlt werden. Die Stadtverordneten sollten den Wechsel nachträglich abnicken.

Weisung an die Stadtwerke war rechtswidrig

Doch die Weisung an die Stadtwerke zur Übernahme Collés war rechtswidrig. Das ergab eine von den Stadtverordneten angeregte Überprüfung durch das Rechtsamt.
„Für die Weisung wäre eine vorherige Abstimmung mit den Stadtverordneten notwendig gewesen. Diese war nicht erfolgt. Das ist ein bedauerlicher Fehler“, sagte Laesicke daraufhin. Er werde die Stadtverordneten „umfassend informieren“. Laesicke kündigte damals an, „mit dem Vorgang zusammenhängende Fragen noch einmal grundsätzlich zu überprüfen“. Stadtverordnetenvorsteher Dirk Blettermann (SPD) fühlte sich vom Bürgermeister übergangen. Er sprach von Dilettantismus im Schloss. Der Landtagsabgeordnete Heiner Klemp (Bündnis 90/Grüne) bezeichnete den Vorgang als „Chaosstory“, die nicht mehr auszuhalten sei. Stadtverordnete sagten erstmals öffentlich, dass Laesicke seinem Amt nicht gewachsen sei.

Neuer Stadtsprecher

Bürgermeister Laesicke hatte sich nach zwei Jahren von seinem bisherigen Referenten Gilbert Collé getrennt. Zur Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, die seit Mitte Juli vom ehemaligen Bildungsministeriumssprecher Ralph Kotsch geleitet wird, gehören neben Presseveröffentlichungen, der Erstellung des Stadtmagazins und die Verwaltung des Maerker-Portals auch die Bereiche Wirtschaftsförderung, Bürgerhaushalt und Städtepartnerschaften.