Zu den Erstunterzeichnern des Briefs, der am Dienstag auf der Seite www.geschichte-wird-gemacht.de öffentlich gemacht wurde, gehören auch feste und freie Mitarbeiter der Gedenkstättenstiftung. Der Brief wurde Dienstag an die Bundeskulturbeauftragte Monika Grütters (CDU), Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) und Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) überreicht.
"Wir nehmen das zur Kenntnis", sagte Drecoll und verwies darauf, dass im Oktober 2019 die Tarife für freie Mitarbeiter um 20 Prozent erhöht worden seien. "Wir befinden uns damit im Bereich der oberen Grenze in Berlin und Brandenburg", sagte Stiftungssprecher Horst Seferens. Die Stiftung beschäftigt insgesamt 74 Freiberufler, davon sind 72 Guides. 69 dieser Guides machen Führungen in der Gedenkstätte Sachsenhausen. Dort hat sich die Besucheranzahl innerhalb der vergangenen zehn Jahre auf mehr als 700 000 jährlich verdoppelt.
Strukturell unterfinanziert
Das sei eine große quantitative und qualitative Herausforderung, sagte Drecoll. Seit seinem Amtsantritt Mitte 2018 sei die Stellenzahl in der Stiftung um zwei aufgestockt worden. Hinzu kommen drei Stellen, die von der Bundeskulturbeauftragten finanziert werden. Außerdem bemühe sich die Stiftung immer um Drittmittel zur Finanzierung neuer Angebote. Dennoch: "Wir haben eine strukturelle Unterfinanzierung und arbeiten bei sehr hohen Anforderungen ständig an der Grenze", sagte Drecoll. Zusätzliche Stellen seien aber nur in langwierigen Prozessen durchsetzbar.
Die Unterzeichner des Offenen Briefs, die in den Häusern der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, den Gedenkstätten sowie in nahezu allen namhaften Museen und Kulturinstitutionen Berlins tätig sind, verweisen auf ihre verantwortungs- und anspruchsvolle Arbeit bei der Vermittlung von Geschichte. Sie fordern unter anderem faire Honorare, Übernahme der Umsatzsteuerabgaben von Freiberuflern und Fortbildungsvergütungen.
"Viele Referentinnen und ein Teil des wissenschaftlichen Personals sind auf Basis von Werk- und Honorarverträgen für ein geringes Entgelt tätig", heißt es im Brief. Mitbestimmung über die Programmgestaltung sei jedoch nicht vorgesehen. Beim Honorarsatz würde die Vorbereitungszeit nicht berücksichtigt. Sozialabgaben würden nicht übernommen. Auch wenn Tarifverträge gelten, solle die Eingruppierung überprüft werden, heißt es in dem in Berlin, Potsdam, Oranienburg und Fürstenberg unterzeichneten Offenen Brief.