"Mir blutet das Herz, wenn die Fahrzeuge hier ankommen, sie aber noch lange nichts für die Schrottpresse sind", sagt Markus Hußner bei einem Betriebsbesuch des SPD-Landtagsabgeordneten Björn Lüttmann. Es müssten doch keine Werte, die mit viel Energie geschaffen wurden, gleich auf dem Müll landen, wenn sie noch funktionieren, ist der 32-Jährige überzeugt. Der gelernte Kfz-Mechatroniker ist neben Elke Ernst und ihrem Sohn Patrik (35) seit einem Jahr Geschäftsführer des Familienunternehmens, aus dem sich Firmengründer Jürgen Ernst nach und nach zurückzieht.
Neues Standbein geschaffen
Der Verkauf von Altautos, für den es sehr wohl einen Markt gebe, ist also ein weiteres Standbein von Ernst Recycling. Auch Containerdienste und Baustoffrecycling bietet das Unternehmen an, das inzwischen auf 30 Mitarbeiter angewachsen ist. Tatsächlich ist eine Menge Handarbeit in den Hallen auf dem Werksgelände in der Straße Am Biotop gefragt. "Denn in jedem Unfall- oder Schrottauto stecken doch noch eine Menge brauchbarer  Teile", sagt Markus Hußner. Das können zum Beispiel ganze Motoren und Getriebe oder einzelne Teile davon sein. Einen breiten Katalog von gebrauchten Autoteilen bietet die Firma Ernst online für jeden Schrauber an.
Bevor Schrottautos zum Schreddern nach Brandenburg oder Eberswalde abgeholt werden, sind sie bei Ernst Recycling, einem der größten Altautoverwerter in Berlin und Brandenburg, ausgeschlachtet worden. Felgen werden von den Reifen getrennt. Letztere werden beim Oranienburger Reifen-Recycler Genan weiter verarbeitet. Zum Beispiel zu Kunststofflaufbahnen für Sportplätze. Der Metallschrott wird über einen Großhändler an die Riva-Stahlwerke Hennigsdort und Brandenburg verkauft. Rund 1 000 Tonnen werden bei Ernst Recycling im Monat davon umgeschlagen.
NE-Metalle, wie zum Beispiel Aluminium und Kupfer, werden ebenfalls in einer Halle separiert, gesammelt und über den Handel an Betriebe verkauft, die sie einschmelzen und dem Wirtschaftskreislauf wieder zuführen. An einer Tafel stehen die Preise, die Lieferanten etwa für ein Kilo Kupferkabel derzeit bekommen – 4,50 Euro. Die Tafel sei wie ein Spiegelbild der Weltkonjunktur sagt Markus Hußner, der ehrenamtlicher Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren Oberhavel ist. An der Tafel  lasse sich immer gut ablesen, wofür eine große Nachfrage bestehe und wofür nicht.
Angebot und Nachfrage bestimmen die Preise auch für Schrottautos. "Über viele Jahre konnten wir den Einlieferern Preise von 100 Euro und mehr pro Fahrzeug bieten", sagt Elke Ernst. Doch derzeit ließen sich mit gebrauchten Autoteilen keine vernünftigen Erlöse mehr erzielen, weil der Markt sie nicht so stark nachfrage. Deshalb würden gegenwärtig nur noch 65 Euro pro Schrottfahrzeug gezahlt.  Immerhin rund 3 000 Schrottautos werden jährlich von Ernst Recycling ausgeschlachtet, in externen Anlagen geschreddert und damit dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt.
Elke und Jürgen Ernst sind froh, dass sie mit ihrem Sohn Patrik, der sich vor allem um den NE-Metall- und Schrottbereich kümmert, und mit Markus Hußner, der das Altautorecycling und den Fahrzeugverkauf verantwortet, zwei engagierte und vom Wiederverwertungsgedanken überzeugte junge Geschäftsführer gefunden haben.

Firmengeschichtebeginnt mit Sero

Mit einer Sero-Annahmestelle in der André-Pican-Straße begannen Elke und Jürgen Ernst ihre Selbstständigkeit im Oktober 1984.

Schwierig wurde es nach der Wende, weil Sero in der Bundesrepublik nicht übernommen wurde. Die harten Zeiten überstand das Unternehmen, weil es sich auf Schrott- und Altautorecyling umstellte.

Der Grundgedanke von Sero, möglichst viele Stoffe wegen des Ressourcenschutzes wieder zu verwerten, wird bei Ernst Recycling gelebt. bren