Das Gerüst ist gewandert: vom Kirchenschiff zum Turm. "Die äußere Hülle des Kirchenschiffes ist abgeschlossen", informiert Winfred Günther, Baubeauftragter des Kirchenkreises, auf Nachfrage. "Wir haben leider wesentlich mehr Schäden während der Bauphase gefunden, als uns lieb war und als wir vorher erkennen konnten." An mehreren Stellen gab es Hausschwamm, den die Unternehmen aber beseitigen konnten. Das Dach wurde neu gedeckt. Die alten Betonsteine mussten ab- und neue Biberschwänze aufgetragen werden.
Neue Farbgebung
Gleichzeitig wurde die Decke des Kirchenraumes neu gestaltet. "Sie war fast vollständig kaputt", so Günther. Absehbar sei das nicht gewesen, da die aufgetragene Farbe die Schäden überdeckt hätte. Ein Restaurator habe zudem festgestellt, dass die Farbgebung früher anders war. Kennen die meisten Kirchgänger die Decke in Blautönen, kam jetzt zutage, dass sie eigentlich in Braun-Nuancen gestrichen war, da das Holz lediglich einen Anstrich bekam. Das sei damals üblich gewesen. "Dieses Farbkonzept werden wir künftig umsetzen", so Günther. Die Resonanz auf die neue Farbgebung sei bisher positiv.
Aktuell wird am zweiten Bauabschnitt gearbeitet, also dem Turm. Wie beim Kirchenschiff werden Steine ausgewechselt, Fugen neu vermörtelt, Fenster und Türen ausgebaut und überarbeitet. Die Überraschung hierbei: Während der Arbeiten wurde festgestellt, dass das Turmdach völlig marode ist. Mit dem Denkmalschutz, dem Kirchlichen Bauamt, Unternehmern und dem Auftraggeber sei Günther aufs Dach gestiegen. "Wir haben festgestellt, dass die Schiefer mindestens schon ein- bis zweimal auf Gebäuden waren und nicht mehr zu gebrauchen sind." Jedes Flicken würde maximal fünf bis zehn Jahre halten. Deshalb wird das Dach neu gedeckt – mit Biberschwänzen. Ursprünglich sei die komplette Kirche mit einem Schieferdach versehen gewesen. "Das haben wir aber beim Kirchenschiff nicht gewusst", so Günther. Der Denkmalschutz zeigte sich verständig. "Auch sie wollen ein einheitliches Bild. Wir haben auf sachlicher Ebene eine Lösung gefunden." Nun wird die komplette Kirche mit Biberschwänzen gedeckt. Auch ein bisher überdecktes Traufgesims wird freigelegt, der Eingangsbereich überarbeitet. Zu Weihnachten sollen sämtliche Arbeiten abgeschlossen sein. "Alle geben viel Gas. Das ist zu schaffen", so Günther optimistisch.
Allerdings wäre dann nur die äußere Hülle der Kirche fertig. Deshalb wird in Kürze auch mit dem dritten Bauabschnitt, dem Innenraum, begonnen. Das Problem ist die Finanzierung. Gelder aus dem Staatskirchenvertrag gibt es für die Innensanierung nicht. "Das ist Sache der Gemeinden und des Kirchenkreises", so Günther. Dadurch, dass sich aber viele Schäden abzeichneten, sei eine Sanierung unverzichtbar. Also nimmt die Kirchengemeinde einen Kredit auf. "Mittlerweile ist das so üblich, wenn es keine Fördermittel gibt", sagt Günther. Die Kosten für Bauabschnitt drei könnten bei 100 000 Euro liegen. Das hänge von der Gestaltung ab. Für die ersten beiden Abschnitte wurden insgesamt 370 000 Euro ausgegeben.

Keine Schiebetüren aus Glas für die Winterkirche


120Gebäude gibt es im Kirchenkreis Kremmen. "Da muss man genau hingucken, welche man wie saniert und welche Mittel es gibt", so Winfred Günther. In der Regel bleibe die Innenraumsanierung auf der Strecke. Nicht so in Groß-Ziethen. Die Gespräche für die dafür notwendige Kreditaufnahme laufen.

Allerdings muss die Kirchengemeinde Abstriche zu den ambitionierten Anfangsplänen machen: "Wir wollten den Innenraum aufmachen, sodass die Seitenflügen wieder offen zum Kirchenraum sind", so Günther.

Ursprünglich hatte die Kirche zwei offene Seitenarme, die zugemauert wurden, um linker Hand eine Friedhofskapelle und rechts eine Winterkirche zu ermöglichen. Beide Wände sollten aufgebrochen werden, ein Falt-Schiebe-Element aus Glas hätte die Winterkirche vor Kälte geschützt.

Doch soweit kommt es nicht. "Wir kriegen das finanziell nicht hin", sagt Günther. win