Bürgermeister Klaus-Jürgen Sasse (SPD) fand sich am Mittwochabend bei der außerordentlichen Versammlung der Stadtverordneten im Rathaus in einer unangenehmen Situation wieder. Im April beanstandete die Kommunalaufsicht des Landkreises Oberhavel das Vergabeverfahren für den Bau der geplanten Asylunterkunft. Es geht um eine Bauleistung im Wert von 2,4 Millionen Euro, welche die Kaatzsch Bau GmbH ausführen soll. Der Vorwurf: Die Neuruppiner Firma wurde bei der Ausschreibung bevorteiligt. Das kritisierten zuvor schon eine Gruppe von Kremmener Abgeordnete. Später räumte auch Sasse ein, dass bei der Vergabe Fehler gemacht wurden.
Am Mittwoch verlas der Bürgermeister eine vorgeschriebene Erklärung, in der er Konsequenzen aus dem Debakel ankündigte. "Ich leite die Verwaltung und trage Verantwortung für begangene Fehler", so Sasse. Unter anderem erklärte er, dass die Mitarbeiter der Stadtverwaltung weitere Schulungen im Vergaberecht erhalten werden. "Kritischen Vergaben" sollen künftig zudem von einem Fachanwalt überprüft und mit dem Landkreis beraten werden.
Die Stadtverordneten nahmen diese Worte kritisch auf. Frank Bommert (CDU) gehörte zu den Abgeordneten, die schon im Februar die Vergabe des Bauvorhabens kritisierten. "Wir können nur hoffen, dass die Kommunalaufsicht Milde vor Recht walten lässt, keinen Baustopp verhängt und das Ganze nicht neu ausschreiben lässt", so Bommert. "Wir sind hier knapp an einer halben Millionen Euro Schaden vorbeigeschlittert." Es ärgere ihn, dass die damaligen Einwände gegen den Bau der Unterkunft als "populistisch" gebrandmarkt wurden. Sich direkt an Bürgermeister Sasse wendend fragte er: "Welche Konsequenzen werden gezogen? Auch für dich?"
Kremmens Ortsvorsteher Eckhard Koop (parteilos) sagte: "Das Schreiben der Kommunalaufsicht war butterweich formuliert. Die Rechtsverstöße, die hier passiert sind, kann man nicht einfach so beiseite wischen." Er kritisierte zudem die Wortwahl des Bürgermeisters als dieser sagte, in dem Konflikt zwischen Stadt und Kommunalaufsicht herrsche eine "unterschiedliche Rechtsauffassung". Koop wandte ein, dass es nur eine Auffassung geben könnte - nämlich die des Vergaberechts. Sasse kommentierte: "Dann hätten wir jetzt keinen Rechtsstreit mit den Anwälten."
Die Beschlussvorlage des Tages kam vom Abgeordneten Reiner Tietz (Die Linke). In ihr wurde die Arbeit des Bürgermeisters missbilligt - aber auch Unterstützung für dessen Verbesserungsvorschläge bekundet. Der Antrag bekam die Mehrheit der Stimmen bei zwei Enthaltungen. Sogar Sasse stimmte dafür.