"Ich kann mich nicht erinnern, dass es für einen Haushalt jemals so eine große Zustimmung gab", zeigte sich Kreistagspräsident Karsten Peter Schröder (SPD) nach der Abstimmung beeindruckt. Beeindruckend war das Abstimmungsergebnis vor allem deshalb, weil es seit der Wende noch nie einen Etat im Landkreis gab, der auf so wackeligen Beinen stand. Mehr Geld musste der Landkreis vor allem für die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen einplanen. Allerdings weiß niemand, wie viele Asylbewerber Oberhavel im kommenden Jahr erreichen, wie viele bleiben, und in welchem Umfang Bund und Land dem Kreis Mittel zur Verfügung stellen. Schon aus Prinzip hatten Landrat Ludger Weskamp (SPD) und sein Kämmerer Jan-Christian Hübsch der Etatplanung die Annahme zu Grunde gelegt, dass die vom Bund bereits zugesagten Mittel komplett an den Kreis durchgereicht werden. Die optimistische Kalkulation sollte als politisches Signal verstanden werden, dass der Kreis auf Geld nicht verzichten könne.
Von den Politikern im Kreistag gab es dafür Unterstützung. SPD-Fraktionschef Andreas Noack sagte, Oberhavel sei bereit, die Integration von Flüchtlingen auch mit eigenen Mitteln zu unterstützen. "Leistungen, die aus dem Asylbewerberleistungsgesetz resultieren, müssen aber von oben durchfinanziert werden." Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende des Finanzausschusses, Nicole-Walter Mundt (CDU), im Kreistag: "Wir brauchen mehr Mittel von Bund und Land. Allein schaffen wir das auf Dauer nicht. Die Mehrbelastung darf nicht an den Kommunen hängen bleiben."
Kommt weniger Geld als erhofft, könnte das prognostizierte Haushaltsdefizit von fünf Millionen Euro noch höher ausfallen. Noch reicht die üppige Rücklage, um das Minus auszugleichen. Andreas Noack warnte daher davor, in Panik zu verfallen. "Die Botschaft an die Bürger lautet: Wir müssen nicht bei Investitionen sparen." Das gelte auch für die kommenden Jahre. Allein in Neu- und Umbau von Schulen will der Kreis mehr als 17 Millionen Euro stecken. Eine Million Euro gibt es für neue Rettungswachen, 600 000 Euro für die Sanierung von Kreisstraßen.
Die Opposition hielt sich ob der unsicheren Situation mit Kritik und Wünschen zurück, unterstützte das Zeichen der Geschlossenheit, das vor allem Handlungsfähigkeit demonstrieren sollte. "Es ist in der aktuellen Situation geradezu unmöglich, einen verlässlichen Haushalt aufzustellen. Aber der Landrat geht der Herausforderung nicht aus dem Weg", würdigte der Chef der Fraktion von Grünen und Piraten, Thomas von Gizycki, und sah von Änderungsanträgen ab. Ähnlich hielt es Christian Erhardt-Maciejewski (FDP). "Ich wollte eigentlich 17 Änderungsanträge einbringen, stelle sie aber zurück. Gemessen an der Situation, hat der Landrat einen ordentlichen Haushalt vorgelegt." Erhardt-Maciejewski betonte aber, dass das keinen "Freifahrtschein" bedeute. Die für 2017 angekündigte Erhöhung der Kreisumlage würden die Liberalen nicht mittragen. Die Linken zeigten sich sogar zufrieden. "Der Haushalt enthält viele linke Forderungen: sozialer Wohnungsbau, die Integration von Flüchtlingen und Investitionen in die Bildung", sagte Fraktionschefin Elke Bär.
SPD-Fraktionschef Noack lobte den Zusammenhalt: "Wir brauchen jetzt Macher und keine Verhinderer. Wir brauchen keine Bedenkenträger, sondern Leute, die uns voranbringen." Das Geld, das für die Unterbringung von Asylsuchenden ausgegeben werde, sei zudem nicht verloren. "Wir investieren in Grundstücke und Gebäude. Was heute ein Heim für Flüchtlinge ist, wird später ein Wohnhaus für alle. Wir haben die Lage im Griff."