Wenn in der MBS Arena Oranienburg ein Ball des VSV-Havel hoch übers Netz geht, könnte er von Ben Steppath aufgeschlagen worden sein. Er ist 1,92 Meter groß und aktiver Volleyballer in der Turm Erlebniscity. Am Wochenende finden hier unter anderem Punktspiele gegen andere Vereine aus Oberhavel oder auch Potsdam statt.
Der Hobbysportler sei mit Sport aufgewachsen, erzählt er. Drei Jahre lang habe er beim RC Oberhavel Henningsdorf gerudert. Die ganze Familie spiele schon immer zusammen Volleyball, seine Mutter sogar Vereins-Fußball, sagt der 18-Jährige. Das habe natürlich auf ihn und seinen zwei Jahre jüngeren Bruder abgefärbt. Vom leiblichen Vater konnte er hingegen „viel über Literatur, Sprachen, Kunst und Kultur lernen“.
„Ich mag es nicht zu Hause rumzusitzen“, sagt der junge Mann. Wie gut, dass der Leegebrucher zweimal in der Woche  trainiert, Mitglied in einer Jugendtheatergruppe ist, viel mit Kunst und Kultur macht und sich in seiner Freizeit auch noch für Tierrechte einsetzt. In Ben Steppaths Leben passiert vieles, aber nichts davon ist beiläufig. „Ich brauche das Gefühl, etwas zu schaffen, was Sinn ergibt“, sagt er.
Junges, modernes Theater, das Ben seit vier Jahren beim Deutschen Theater in Berlin spielt und für das er Texte mit erarbeitet hat, habe auch viel mit Politik zu tun, erläutert er. Seine Laienspielgruppe reagiere auf politische Trends und greife Themen auf, die alle Menschen bewegen.
Er sei schon immer sehr kreativ gewesen, sagt Ben über sich selbst. Wie bei fast allen Kindern änderte sich sein Berufswunsch mit den Jahren deutlich: Als Kind wollte er noch Busfahrer werden, dann Handpuppenspieler oder Lehrer. Heute fände er es „am schönsten, einen Beruf zu machen, der das Kreative mit dem Politischen verbindet“ – das könne am Theater, aber auch in einem Lehrposten an der Universität sein. Deutsche Philologie und Philosophie wären in ein paar Jahren mögliche Studienfächer.
Gerade hat Ben Steppath die 12. Klasse auf dem Hedwig-Bollhagen-Gymnasium in Velten beendet und geht schon die nächste Herausforderung an. Gleich nach seinem Abschluss ist der Vorzeige-Abiturient aber erst einmal mit Einser-Zeugnis in der Tasche nach Kiew gereist, um in einem Kurs seine russischen Sprachkenntnisse aufzufrischen.
Er hat seit der 7. Klasse Russisch gelernt. Für einen geplanten, längeren Aufenthalt in Russland seien seine bisher erworbenen Fähigkeiten aber nicht gut genug, findet er selbst. Ben möchte deshalb sein Sprachverständnis weiter ausbauen und die fremde Kultur näher kennen lernen. Für die nahe Zukunft sind bereits große Pläne im Ausland geschmiedet.
Nach einem Austauschjahr, das er Schon während seiner Schulzeit verbrachte er 2015 bis 2016 ein Austauschjahr in Irland. Nun möchte er zwölf Monate lang freiwillig in Moskau mit Unterstützung der Organisation Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) arbeiten. Hier wird er ab September leben.
„Moskau ist für mich eine einzigartige und spannende Stadt.“ Ob später dort auch ein Studium infrage käme, lässt sich für ihn derzeit nicht beantworten – natürlich habe er die Hoffnung, nach einem Jahr fließend Russisch zu sprechen. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er sich das aber noch nicht vorstellen, meint der Leegebrucher.
Ben hat sich sein Vorhaben selbst ausgesucht und vieles allein organisiert, sagt er. Seine Ziele haben die Eltern „bisher sehr moralisch unterstützt.“ Die Idee, ins Ausland zu gehen, stammt ursprünglich von seiner Mutter. Sie schlug ihm vor, nach der 10. Klasse an einem Austauschprogramm in Irland teilzunehmen, erzählt Ben. Ein Jahr lang die Schule in der Grafschaft Tipperary zu besuchen sowie fremde Menschen, deren Sprache und Kultur kennenzulernen, empfand er damals schon als sehr aufregend und bereichernd.
Am liebsten wäre der Schüler nach seiner Rückkehr gleich wieder zurück ins Ausland gegangen. „Wenn man einmal so ein Erlebnis hatte, ist es erst mal schwer, wieder da zu sein.“ Ben plante, „nach dem Abitur direkt wieder ins Ausland zu gehen“. Diesmal sollte es aber „nicht nur Auszeit, sondern etwas sein, dass einen politischen oder gemeinnützigen sozialen Hintergrund hat“, betont der 18-Jährige.
Nach ersten Recherchen hatte sich Ben die ASF als Vermittler für Bildungs- und Forschungsarbeit im Ausland ausgewählt. Die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste stellt Themen wie Rassismus und Ausgrenzung voran. Gerade heute sei politisches Engagement wichtig – sich gegen rechte politische Tendenzen stark machen, sei eines seiner großen Ziele. Kultur und Sport mache er ja schon viel in seiner Freizeit, betont Ben. Wenn er sich aber in Russland aktiv für „Memorial“, eine der ältesten und größten Menschenrechtsorganisationen, einsetzen und deren Arbeit unterstützen könne, helfe er damit auch anderen, argumentiert der Leegebrucher. In Kombination mit seinem Sprachinteresse möchte Ben in Russland die historische Aufarbeitung des Stalinismus mit vorantreiben.
„Memorial“ leistet den Überlebenden und Familienangehörigen der Stalin-Diktatur juristischen, materiellen und medizinischen Beistand. Diese Reichweite ist Ben Steppath sehr wichtig, sie greife in den Alltag der Menschen hinein und trage zur differenzierten Aufarbeitung russischer Vergangenheit bei. In Moskau wird der Freiwillige vielseitige Aufgaben erledigen und mit Einheimischen in Kontakt kommen. Von Kurierdiensten, Übersetzungsarbeiten, Dokumentenarchivierung bis hin zur Vor- und Nachbereitung von Ausstellungen oder Konferenzen hat er viel zu tun.
„Ich bin schon aufgeregt“, sagt der 18-Jährige wenige Wochen vor seiner Abreise. Er freue sich auf viele neue Erfahrungen und seine persönliche Weiterentwicklung. Die Familie sei natürlich auch ein wenig traurig, wenn er für so lange Zeit weg sein wird, resümiert Ben. Und seine Freunde werde er vermissen. Er mache sich dennoch weniger Gedanken darüber, was er zurücklasse, als darüber, was ihn in der Ferne erwarte. Nach dem Abitur gehe jeder seiner Freunde sowieso eigene Wege, erzählt er. Einige hätten schon fest zugesagt, ihn in Moskau zu besuchen.
Bevor es aber endlich losgeht, muss Ben für sein Projekt genug Unterstützer und Paten finden. Der gemeinnützige Verein ASF stellt für soziale und politische Projekte bis zu 180 Plätze in 13 verschiedenen Ländern zur Verfügung, muss sich allerdings über Spenden finanzieren. Damit die Freiwilligen ihren Eigenbetrag so gering wie möglich halten können, sind sie während ihres Friedensdienstes auf verbindliche Unterstützer  angewiesen.
Ben braucht mindestens fünfzehn Paten, die sein Freiwilligenjahr mit einer monatlichen Spende von 15 Euro fördern, um die Aufwendungen für seinen Friedensdienst in Moskau zu decken. Das können Privatpersonen, Vereine oder auch Institutionen sein. Als Gegenleistung erhalten Interessierte von ihm eine Spendenbescheinigung, zwei ausführliche Berichte über seine Arbeit und die vierteljährlich erscheinende ASF-Zeitschrift „zeichen“.
Ben Steppath hat sich lange vorher über alles informiert, und in Moskau wird er zur Untermiete wohnen – soviel steht fest. Was ihn darüber hinaus erwartet, ist dagegen relativ unklar. Von seiner neuen Heimat auf Zeit habe er viele Vorstellungen, wüsste aber, „dass die nicht alle stimmen“, sagt der 18-Jährige. Vor der Sprache, den Menschen und der großen, fremden Stadt hat Ben „schon Respekt“.
Wer Pate für Ben werden möchte, schreibt ihm am besten per Email: ben.steppath@web.de