Denn in der weltweiten Datenbank für Knochenmark- und Stammzellenspender gibt es keinen Menschen, der geeignet ist, ihr das Leben zu retten. Doch die junge Frau gibt die Hoffnung nicht auf. "Ich habe noch nie gedacht, die Sache geht schlecht aus. Ich habe nicht vor zu sterben", sagt sie und lacht zuversichtlich in die Welt.
Vor fast zwei Jahren erhielt sie die niederschmetternde Diagnose: Blutkrebs! Die damals 19-Jährige stand kurz vor dem Abitur. "Ich fühlte mich schlapp und kraftlos", beschreibt sie ihre Symptome. Dreimal sei sie damals innerhalb weniger Tage umgekippt. Tessa führte das auf den Stress vor den Prüfungen, eventuell auch auf eine Erkältung zurück. Als sie zu schwach war, um die Abi-Klausuren zu schreiben, ging sie für ein Attest zu ihrer Hausärztin. Die hat gleich gemerkt, dass bei Tessa etwas nicht in Ordnung ist, und sie ins Hennigsdorfer Krankenhaus geschickt. Dort kam erstmals der Verdacht Blutkrebs auf. Im Berliner Virchow-Krankenhaus gab es dann einen Tag später die Bestätigung. "Mein erster Gedanke war: Wie schaffe ich die Abiturprüfungen. Dann wurde mir schnell klar, dass ich meinen Lebensplan ändern muss." Das in Australien geplante Auslandsjahr wurde gestrichen, das Abitur auf später verschoben. "Ich habe mich nie gefragt: Warum ich? Das bringt nichts, und kostet nur Zeit und Nerven." Tessa brauchte ab sofort ihre ganze Kraft, um die anstrengenden Chemo-Therapien zu überstehen. Sieben Wochen verbrachte sie nach der Diagnose im Krankenhaus. "Das war unspaßig", spielt sie die durchlittenen Qualen herunter. Ihre Schleimhäute verätzten, sie konnte weder essen noch trinken, musste künstlich ernährt werden. Ihre Haare fielen in den nächsten Monaten mehrmals komplett aus. Eine Perücke setzte sie aber nur einmal auf, als sie zu einer Hochzeit eingeladen war. "Das sieht sonst so blöd aus auf den Fotos", erklärt sie die Ausnahme. Ansonsten zeigte sie ihre Glatze. "Warum sollte ich so tun, als ob ich nichts habe?", fragt sie. Das wäre in ihren Augen unsinnig. "Es weiß doch im Freundes- und Familienkreis jeder, dass ich Krebs habe." Anderseits verurteilt sie Krebskranke nicht, wenn sie eine Perücke tragen. "Zu mir gehört das aber nicht. Außerdem juckt es fürchterlich." Ihren Humor hat sich nicht verloren. Wohl aber ihre gesunde Gesichtsfarbe. Blass schaut sie mit wachen Augen in eine ungewisse Zukunft. Ihr Stimme ist leise, kling etwas kraftlos.
Nach mehr als einjähriger Behandlung stellte sich im September 2016 heraus, dass der Krebs immer noch in Tessas Körper sitzt. Jetzt kann nur noch eine Stammzellen-Transplantation helfen. "Ich gehe davon aus, dass es irgendwo einen Spender gibt - und dass er gefunden wird", zeigt sich Tessa zuversichtlich. Wie viel Zeit ihr bleibt, weiß sie nicht. Wenn die Krankheit das Endstadium erreicht, sind es vielleicht noch drei Monate. Das kann jederzeit passieren.
Tessa ist dankbar, dass ihre Familie und ihre Freunde stets an ihrer Seite sind - und die Krankheit nicht immer zum Thema machen. "Der Krebs ist mein täglicher Begleiter, aber nicht mein Bestimmer", beschreibt sie ihren alltäglichen Umgang mit dem Blutkrebs. Am liebsten würde sie jetzt in Urlaub fahren und einfach mal abtauchen, vielleicht in Ägypten. Ihren Tauchschein hat sie in der elften Klasse in Neuseeland gemacht. "Das war traumhaft schön", sagt sie mit leuchtenden Augen. Doch ihr Allgemeinzustand und eine Kanüle im linken Arm verhindern die Auszeit in südlichen Gefilden. Von heute an bekommt sie für 28 Tage eine Antikörper-Infusion. Die Beutel mit der flüssigen Arznei trägt sie in einem Rucksack bei sich. "So bleibe ich wenigstens mobil." Tessa hofft, dass sie die Behandlung gut verträgt. "Wenn es mir gut geht, bin ich am 25. Februar in meiner Schule." Dann findet die Typisierung unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Stephan Zimniok statt.
Infos zur Typisierung:
Wer als möglicher Stammzellspender helfen will: Die Typisierungs-Aktion findet am 25. Februar von 10 Uhr bis 15  Uhr in der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule an der Hubertusstraße 30 in Birkenwerder statt. Bei der Typisierung wird etwas Blut abgenommen, damit die Kennzeichen der Stammzellen aus dem Knochenmark des potenziellen Spenders registriert werden können. Jeder zwischen 17 und 55  Jahren kann sich registrieren lassen.  Die Kosten für eine Registrierung (40 Euro) finanziert die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) über Spendengelder. Wer an diesem Termin nicht teilnehmen kann, kann sich auch online bei der DKMS registrieren und erhält ein Testset zugeschickt. Im Web: https://www.dkms.de