Schon einmal war Constantin Ney drauf und dran, fest den Sprung ins Brandenburgliga-Aufgebot des TuS 1896 Sachsenhausen zu packen. Eine schwere Verletzung bremste dieses Vorhaben vor gut eineinhalb Jahren allerdings auf bittere Weise aus. Mittlerweile hat sich beim 22-Jährigen jedoch einiges getan. Der Saisonstart nach der Corona-Pause ist für ihn eine Art Neuanfang, endlich in der höchsten Spielklasse des Landes Fuß zu fassen. Sowohl im Pokalwettbewerb als auch in den zwei bisherigen Ligaspielen stand Constantin Ney in der Startelf des TuS.

Sie haben in den vergangenen Wochen und Monaten ein Wechselbad der Gefühle durchlebt. Ist es möglich, diese Achterbahnfahrt in wenigen Worten zu beschreiben?

Constantin Ney: Ich habe mir im Januar 2019 das Kreuzband gerissen. Danach habe ich mir ein Jahr und drei Monate Zeit gelassen, um das ganze abheilen zu lassen und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie weit ich gehen kann. Die Operation war wirklich super verlaufen. Ich bin dann wieder ins Training bei der zweiten Männermannschaft eingestiegen und habe da auch einige Spiele gemacht. Jetzt wurde mir die Möglichkeit eröffnet, die Vorbereitung bei der Ersten diesmal richtig durchzuziehen. Dann habe ich mich scheinbar ganz gut präsentiert und die Chance erhalten, die ersten Spiele in der Saison zu machen. Ich freue mich, dass ich das Vertrauen von den Trainern bekommen habe.

Für eine Verletzung gibt es nie den richtigen Zeitpunkt. Sie ist immer fehl am Platz. Was hat der Kreuzbandriss damals für Sie bedeutet?

Ich hatte unter Oliver Richter einmal in der Woche Training in der ersten Mannschaft und durfte auch bei den Hallenturnieren dabei sein. In Kremmen habe ich mir damals im Halbfinale gegen Hermsdorf den Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen. Diese Situation war für mich natürlich überhaupt nicht einfach, da ich mich erst wieder herankämpfen musste.

Das mit dem Herankämpfen scheint geklappt zu haben. Kommen für Sie die aktuellen Einsätze trotzdem schneller als erwartet?

Dass es so schnell geht, habe ich natürlich nicht erwartet. Dazu kommt aber auch, dass wir bisher im Zentrum mit Pascal Heidenreich und Edgar Kordecki leider zwei Ausfälle zu beklagen hatten. Es kamen also einige Komponenten zusammen, welche es mir ermöglicht haben, mich aktuell festzuspielen.

Dennoch mussten Sie diese Gelegenheit erst einmal nutzen. Haben Sie dabei Druck verspürt, weil Sie genau jetzt abliefern mussten?

Druck empfinde ich keinesfalls, auch wenn ich natürlich gute Leistungen abliefern möchte. Dadurch, dass ich das Vertrauen von den Trainern, von meinen Mitspielern und vom Verein allgemein bekomme, fühle ich mich aber sehr wohl. Ich bin einfach froh, dass ich der Mannschaft mit meiner Qualität irgendwie helfen kann. Ich will einfach etwas zurückgeben. Nervös bin ich aber logischerweise trotzdem vor den Spielen. Das ist aber, glaube ich, normal. Es ist jetzt meine erste richtige Saison im Brandenburgliga-Team. Ich versuche jetzt, mich weiter festzuspielen und hoffe, weitere Einsätze zu bekommen. Ich bin aber generell einfach sehr froh darüber, überhaupt im Kader zu sein und mich weiterzuentwickeln.

Warum hat sich Sachsenhausen nach einer eher durchwachsenen Vorbereitung zum Saisonstart scheinbar gefangen?

Der Spaß am Spiel ist in jedem Fall gegeben. Wir haben in den Trainingseinheiten noch einmal eine Schippe drauflegen können. Es ist zurzeit sehr intensiv. Ich bin mir auch sicher, dass das lange anhalten wird. Wir sind in einer guten Verfassung. Klar waren die Ergebnisse in der Vorbereitung nicht immer zufriedenstellend, recht ordentlich war die Phase vor dem Saisonstart aus meiner Sicht dennoch.

Worauf wird es für Sie in der Zukunft ankommen?

Dass Rückschläge kommen werden, dessen bin ich mir bewusst. Dann heißt es für mich einfach, weiterzumachen. Ich hoffe sehr, dass ich gesundheitlich weiter gut dabei bin und mich nicht noch einmal verletze. Solange das alles funktioniert, bin ich ganz guter Dinge. Klar gab es auch schon ein, zwei Momente, in denen ich mich hinterfragt habe, ob es für mich überhaupt reicht, auf diesem Niveau mitzuspielen. Doch durch den Zuspruch von allen Seiten bin ich gestärkt an die Sache herangegangen. Ich freue mich einfach darauf, was mir die Zukunft bringt.

Im Kader des TuS stehen reihenweise erfahrene Spieler, welche jahrelang in der Fußball-Brandenburgliga im Einsatz waren. Inwiefern hilft es jungen Spielern wie Ihnen, solche Jungs um sich herum zu haben?

Wenn ein Martin Pilz oder ein Kevin Höpfner hinter einem spielen, die auch viel Wert auf Kommunikation im Spiel legen, macht es das für einen Spieler wie mich, der vorher auf unterem Niveau gespielt hat und auch vom Alter her noch nicht so weit ist, auf jeden Fall leichter.

Was sagen Ihre ehemaligen Weggefährten aus Germendorf zu Ihrem Start in die Saison? Kamen bei Ihnen schon die ersten Glückwünsche an?

Germendorfer Spieler wie André Neukirch oder Heiko Fromm waren schon einige Male zuschauen. Das hat mich natürlich sehr gefreut. Sie haben mir dann auch persönlich gesagt, dass sie mir das sehr gönnen, und dass sie natürlich hoffen, mich auch weiterhin für Sachsenhausen auf dem Platz zu sehen.

Werden Sie denn auch mal wieder beim FSV Germendorf vorbeischauen?

Auf jeden Fall. Ich sehe ja auch, dass es in Germendorf ganz gut mit der Entwicklung läuft. Mit Deion Nassar als Trainer hat der FSV einen guten Fang gemacht. Ich hoffe natürlich, dass es für meine alte Mannschaft weiter hoch hinausgeht.

Sie sprechen von hoch hinaus. Höher geht es derzeit in der Brandenburgligatabelle für Sachsenhausen nicht. Natürlich ist die Saison noch extrem jung, doch was ist von Ihrem Team, dem aktuellen Spitzenreiter, noch zu erwarten?

Es wäre natürlich schön, wenn alles so weiter geht. Es war wichtig, dass wir das Auftaktspiel in Zehdenick mit 3:0 gewinnen und dann auch noch ein 2:0 gegen Werder nachlegen konnten. Die Brocken aus der Liga kommen aber erst noch. Natürlich ist es unser Ziel, dort oben zu bleiben. Man muss aber auch den Zeitpunkt beachten und dass noch sehr viele Spiele vor uns liegen. Ich kenne aber unsere Qualitäten und sehe daher die Chancen ganz gut, dass das klappen kann.

Auch Torsten Thiel, der die Mannschaft zur Rückrunde der vergangenen Saison übernommen hatte, peilt die vorderen Plätze an. Was ist er für ein Trainer?

Er ist ein sehr kommunikativer Trainer. Er geht sehr offen mit den Spielern um. Das schätze ich sehr. Wenn man beispielsweise auf der Bank sitzt, kann man jederzeit zu ihm hingehen und man bekommt immer eine ehrliche Antwort warum das so ist. Wir haben sehr viel Spaß im Training.