Wenn am Freitag in der Schulaula über Leukämie und die DKMS informiert wird, dann steht der Friedrichsthaler Nils Krechnyak mit seiner Klassenlehrerin Ines Lattke vorn. Er hat einen Vortrag vorbereitet. Ganz flüssig und selbstverständlich spricht der 13-Jährige über die Krankheit, Heilmethoden und Heilungschance. Seine eigene Schwester erkrankte vor zwei Jahren an Leukämie. Die kleine Ylvi war damals erst zwei Jahre alt. „Sie ist jetzt gesund, aber ob sie auch geheilt ist, wissen wir erst in drei Jahren“, sagt Nils. Er musste in den vergangen beiden Jahren oft zurückstecken, wenn die Eltern sich mehr um die kranke Schwester kümmerten oder wenn die Mutter monatelang täglich acht Stunden lang mit Ylvi in der Berliner Charité blieb. „Selbst am Neujahrstag wurden Knochenmarkpunktionen durchgeführt“, erinnert sich die Mutter, die sich oft nach einem normalen Leben sehnte. Es wäre schön gewesen, einfach mal lachen zu können, sagt sie.
Ihre kleine Tochter erhielt eine Chemotherapie und Tabletten, eine Stammzellenspende wurde bei ihr nicht notwendig. Nach Bestrahlungen in der Klinik ging die Therapie zu Hause weiter. Seit vergangenem Jahr darf Ylvi in die Kita, und zu Hause hat sich das Leben schrittweise normalisiert. Zur Blutentnahme muss Ylvi nur noch alle vier Wochen. „Dieses Jahr haben wir einen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer“, freut sich Nils. Im vergangenen Jahr musste der Baum noch auf der Terrasse bleiben. Mögliche Keime waren eine Gefahr für die geschwächte Ylvi. Im Haus gab es auch keine Zimmerpflanzen. Jeden Tag wurde Staub gewischt. Alle geöffneten Lebensmittelpackungen mussten innerhalb von 24 Stunden aufgebraucht werden.
Nils erzählt das alles ganz selbstverständlich. Dabei ist wohl nur Betroffenen bewusst, welche Belastungen bestimmte Erkrankungen für die gesamte Familie sein können. Und natürlich litt auch das kleine Kind an der Dauerbelastung von Therapien, Arztbesuchen und besonderen Vorkehrungen. Manches lernte sie später, anderes dafür besser. „Ylvi kann sehr gut malen“, sagt Nils. Seine Schwester habe in den vergangenen beiden Jahren schließlich viel Zeit dafür gehabt.
Nils will sein bisher erlangtes Wissen über Leukämie weitergeben und noch erweitern. Seinen Berufswunsch hat er schon geändert. Statt Profifußballer möchte er Onkologe werden. „Ich will Kindern helfen, die Krebs haben.“
Seine Klassenlehrerin Ines Lattke erinnert Nils freundlich daran, dass er seine Noten noch etwas verbessern müsse. Aber bis zum Abitur ist ja noch Zeit, und in den vergangenen Jahren stand zu Hause vieles Kopf. Das hat Nils’ Mutter in einem Brief an Bürgermeister Alexander Laesicke geschildert, den sie um Unterstützung für die Aktion bat.
Nach dem guten Heilungsverlauf von Ylvi will auch Anja Pamperin-Krechnyak etwas gegen die Krankheit tun, von der tausende Kinder und Erwachsene betroffen sind. Sie wolle helfen, neue Spender für die DKMS zu finden. „Wir sind sehr froh, dass wir bis jetzt keine Stammzellenspende für Ylvi brauchten. Aber ich habe auch immer im Hinterkopf, wie viele Menschen eine Spende zum Überleben brauchen, aber keine passende finden“, sagt Anja Pamperin-Krechnyak.
Die Stadt Oranienburg ruft zur Teilnahme am Freitag auf. Spenden können Schüler der zwölften Klasse. Und für jede Registrierung werden 35 Euro Laborkosten fällig. Nils’ Klasse verkauft deshalb Kaffee und Kuchen und sammelt seit einigen Wochen Spenden. „Wir wünschen uns, dass Jugendliche, Eltern und Großeltern darüber aufgeklärt werden, wie wichtig die DKMS ist“, sagt Anja Pamperin-Krechnyak. Gerade die Daten junger Menschen würden in der DKMS benötigt.

Spenden

■ In der Aula des Louise-Henriette-Gymnasiums wird am Freitag zwischen 9.30 Uhr und 12.30 Uhr über Leukämie und die Arbeit der DKMS informiert. Schüler bitten auch um Spenden für die Typisierungsaktion. Es gibt Kaffee und Kuchen.

■ Registrieren für die Spenderdatei lassen können sich Menschen zwischen 17 und 55 Jahren. Sie erhalten ein kleines Dankeschön. Die Schule hat dafür Spenden erhalten, unter anderem von Kaufland, Metro Gastro und dem Schulessenlieferanten WSG Wildau. (kd)