Schulelternsprecher Vinzenz Hennig hat sich nicht nur in seiner Funktion, sondern auch als Vater mehrfach über das Essen in der Oranienburger Schule beschwert, ohne darauf erklärende Antworten zu bekommen. Von Seiten der Schule heißt es: "Wir sind da leider außen vor. Die Eltern haben einen Vertrag mit dem Essenanbieter. Wir können da gar nichts machen", so Vize-Schulleiter Lutz Riemschüssel. Auch der Landkreis als Schulträger soll Schul­elternsprecher Hennig nach seinen Angaben nur gesagt haben, er solle sich an den Essenslieferanten "Zuerbel und Lingk" (Neuruppin) wenden, der unter anderem auch das Oranienburger Runge-Gymnasium versorgt. "Ich komme nicht weiter. Jeder schiebt die Verantwortung weiter", sagt Hennig. Auch seine Tochter Seraphine, die Schülersprecherin ist, will sich mehrmals beschwert haben. "Oft ist das Essen entweder kalt oder zu heiß, sodass die Alu-Behälter gar nicht geöffnet werden können", sagt ihr Vater. Hinzu kommt, dass er von ihr hört: "Es hat mir nicht geschmeckt."
Als Problem vermutet Vinzenz Hennig, dass an der Förderschule zu wenige Schüler am Schulessen teilnehmen – um die zehn. "Wir sind offensichtlich die Letzten in der Lieferkette. So kommt das Gefühl auf, lediglich als Resterampe versorgt werden." Es sei "echt frustrierend" bei Thema Schulessen nicht weiterzukommen, ärgert sich der Schulelternsprecher.
Wie sich herausstellt, ist die Lindenschule tatsächlich am Ende der Lieferkette. Ihr Essen gelangt zudem nicht direkt von "Zuerbel und Lingk" an ihre Adresse, Bernauer Straße 55, sondern muss aus der Schulkantine des Runge-Gymnasiums am Bahnhof eigens abgeholt werden. Neben dem Gymnasium wird auch die Kantine in der Kreisverwaltung Oberhavel in Oranienburg von demselben Essenanbieter beliefert. Auch von dort ist zu hören, dass es Beschwerden über die Qualität der angebotenen Mahlzeiten gibt.
"Wir haben von den Problemen an der Lindenschule gehört", sagte auf Nachfrage unserer Zeitung Kreissprecherin Constanze Gatzke. Mittlerweile sei auch mit dem Neuruppiner Essenanbieter darüber gesprochen worden. "Ein Problem ist jedoch, dass der Anbieter erst ab 20 Portionen direkt anliefert", sagte Constanze Gatzke. Aber "Zuerbel und Lingk" hätten versprochen zu schauen, wie sie bei der Lindenschule "nachsteuern" können, so Gatzke. Was immer das auch heißt. Nachsteuern soll der Anbieter auch für die Kreis-Kantine. "Wir sind in Verhandlung", sagte dazu Thomas Lingk am Mittwoch.
Seraphines Vater glaubt an keine gute Lösung mehr. "Entweder die Schüler müssen direkt ins Runge-Gymnasium gehen, wenn sie essen wollen. Dann ist es zumindest nicht mehr kalt. Oder man muss sich einen neuen Essenanbieter suchen, was aber schwierig wird, weil nur so wenige Schüler daran teilnehmen. Oder es müssen mehr Esser an der Schule gefunden werden." Tatsächlich wäre das ein Ansatz, sagt Lehrer Lutz Riemschüssel. "Es würde sich alles erledigen, wenn wir 25 Esser hätten. Nur zehn, zwölf Portionen ist für den Anbieter keine Rechungsgröße."
Die Lindenschule selbst ist aber auch schon aktiv geworden und hat sich andere Anbieter angeschaut. Ergebnis laut Riemschüssel: "Nicht bezahlbar für die Eltern."