Wegen Verbreitung von Kinderpornografie im Internet in 46 Fällen ist am Donnerstag ein 56-Jähriger vom Amtsgericht Oranienburg zu einer Haftstrafe von 18 Monaten auf Bewährung (drei Jahre) verurteilt worden. Außerdem muss er sich einer Therapie unterziehen. Der Angeklagte will keine Rechtsmittel einlegen und erkennt das Urteil vorbehaltlos an. Der Angeklagte, der zum Tatzeitpunkt in Flatow lebte, hatte die Taten zugegeben. Als strafmildernd sah Amtsrichter Andreas Steiner an, dass der 56-Jährige nicht vorbestraft und geständig war.

Die Taten liegen Jahre zurück

Die Taten liegen bereits einige Jahre zurück. Im Jahr 2016 kam ihm das Landeskriminalamt Baden-Württemberg auf die Spur, weil sich seine Internetdaten auf einer einschlägigen Tauschbörse nachweisen ließen. Die Polizei besuchte ihn in Flatow und beschlagnahmte Computer, Handy, Kamera und MP3-Player. Die Beamten konnten gelöschte Daten wieder herstellen und sichern.
„Die meisten Bilder und Videos waren dabei eindeutig Kinder- und Jugendpornografie zuzuordnen“, sagte der Brandenburger LKA-Sachverständige am Donnerstag vor Gericht. Dem Angeklagten konnte dadurch die Verbreitung von kinderpornografischen Schriften in einem Zeitraum von Oktober 2014 bis Juli 2016 nachwiesen werden. Es handelte sich um etliche Bilder und Videos. Durch das Herunterladen auf seinen Laptop machte der Anklagte die Daten für andere nutzbar, weil er in einem freigegebenen Ordner auf seinem Laptop die kinderpornografischen Video- und Bilddateien gespeichert hatte. Mehrere Hunderte Male wurde die Daten von anderen Nutzern heruntergeladen.

Gezielt im Netz gesucht

Unklar blieb die Triebfeder des Angeklagten. „Ich habe mir das aus Neugierde angeschaut, das war es dann schon“, sagte er vor Gericht. Richter Andreas Steiner ließ das so nicht gelten. „Man kann sich drei, vier Bilder anschauen und sagen: Das ist Mist. Aber nicht Tausende.“ Er müsse sich doch Fragen gestellt haben, ob alles mit ihm in Ordnung sei. „Ich stehe nicht auf Kinder“, sagte der 56-Jährige. Auch die Staatsanwaltschaft ging am Donnerstag davon aus, dass der Angeklagte „gezielt im Netz gesucht hat“ und nicht nur das Wort „Kind“ in die Suchmaske eingegeben hat, wie der 56-Jährige angegeben hatte.

Begriffe eindeutig zuzuordnen

Die Auswertung der Daten durch das Landeskriminalamt zeichnet ebenfalls ein anderes Bild. „Von 19 wieder hergestellten Suchbegriffen sind 16 eindeutig kinderpornografisch“, sagte der LKA-Sachverständige dem Gericht. Diese Suchbegriffe würden zudem nur Insider kennen. Aus dem geständigen Angeklagten war wenig herauszuholen. Der Richter sprach ihm ins Gewissen. „Hinter jedem Bild steckt ein Kind!“ Auch der Staatsanwalt sah den „Missbrauch und die Schicksale“ der Kinder dahinter. Das müsse ihm doch klar gewesen sein? Die Frage blieb unbeantwortet.
Der 56-Jährige mit dem grauen Haar, seiner dunkelblauen Jacke und schwarzen Hose wirkt unscheinbar. Wenn er spricht, ist er kaum zu verstehen. Seit Jahren ist er arbeitslos und lebt von Hartz IV. Nachdem die Polizei ihn 2016 überführte, zog er nach Sachsen-Anhalt. Dort lebt er in einem Dorf in einem Haushalt mit drei kleinen Kindern. „Seitdem hat er die Finger davon gelassen und sich nicht mehr damit beschäftigt“, erklärte sein Anwalt Detlef Knoch.

Täter muss zur Therapie

Damit das so bleibt, sollen Psychologen klären, ob der Täter pädophil ist, oder es andere Ursachen für das Verbreiten und Anschauen von Kinderpornografie gibt. Auch der Staatsanwalt glaubt, dass sich der 56-Jährige „noch nicht wirklich mit dem Problem auseinandergesetzt hat“. Als Schlusswort sagte der Angeklagte: „Es tut mir leid. So etwas werde ich nie wieder machen.“