Der Autoverkehr ist weit entfernt, es geht vorbei an grünen Sträuchern und Bäumen, der Blick wandert über die Dächer der Einfamilienhäuser: Der Damm der ehemaligen Bahnstrecke Oranienburg–Kremmen ist ein seit langer Zeit ungenutzter Stadtraum. Bahnschwellen liegen noch, an der Havel und an der Walther-Bothe-Straße sind auch noch die Brücken vorhanden. Parallel zur Saarlandstraße hatten die Grünen vergebens eine Ersatzverbindung für Radfahrer und Fußgänger für die Zeit des Drope-Brückenneubaus gefordert. Jetzt wollen sie die komplette Strecke zwischen dem Oranienburger Zentrum und Germendorf zum Radschnellweg umwandeln.
"Wir halten das für eine ziemlich geniale Idee", sagt Thomas Hebestreit, Stadtverordneter und Kandidat im Wahlkreis 2. Eine kreuzungsfreie Ost-Verbindung würde den Fahrradverkehr attraktiver machen und beschleunigen. Zwischen Lehnitz und Eden könnte beispielsweise die Fahrtzeit halbiert werden, sagt Thomas Winkler, Kandidat im Wahlkreis 3 und für den Lehnitzer Ortsbeirat. Es müssten Anreize geschaffen werden, um aufs Fahrrad umzusteigen. Denn vielen Oranienburgern sei es noch zu gefährlich, um mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. "Aber es wollen immer mehr Leute mit dem Rad fahren", sagt Elisabeth Mandl-Behnke, Kandidatin im Wahlkreis 5.
Rampen statt Brücken
Zur Aktivierung des Radschnellwegs müssten die bestehenden Brücken wieder nutzbar gemacht werden. Dort, wo keine Brücken mehr vorhanden sind, könnten Rampen oder Schnecken zum Auf- und Abfahren entstehen, sagt Arnold Krämer, Kandidat im Wahlkreis 5. Natürlich sei das mit hohen Kosten verbunden. Doch im Vergleich zu den Kosten für den Straßenbau sei die Summer gering, sagt Hebestreit.
Bereits am 25. Februar 2013 hatten die Stadtverordneten einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 97 "Ehemalige Kremmener Bahn" gefasst. Damit sollte der Bahndamm als zusammenhängender Grünzug mit Rad- und Fußweg gesichert werden. Durch diese Sicherung soll langfristig auch eine Wiederaufnahme des Bahnverkehrs auf der Strecke möglich sein. Diese Forderung hatte zuletzt auch der Verkehrsclub Deutschland gestellt. Die Grünen sehen im Radschnellweg keine Behinderung dieser Pläne. Mit der Wiederaufnahme des Bahnbetriebs sei in den kommenden zehn Jahren nicht zu rechnen, sagt Thomas Winkler. Der Bahndamm werde aber gesichert. Ohnehin sind in Germendorf Streckenabschnitte bereits überbaut. Der geforderte Radweg soll beim Baumarkt in Germendorf starten und enden und bis zur Nordbahn führen. Die Ost-West-Route würde bestehende und geplante Nord-Süd-Verbindungen queren: den Radfernweg Berlin--Kopenhagen, die geplanten Radwege entlang des Oranienburger Kanals und von Germendorf nach Sommerswalde. Als nächstes realisiert wird ein Radweg als Verlängerung der Havelpromenade von der Walther-Bothe-Straße zur Saarlandstraße, dort ist eine Auf- und Abfahrt geplant.
Machbarkeitsstudie in Arbeit
Die Stadtverwaltung hatte den Grünen auf Anfrage mitgeteilt, dass angesichts aktueller Diskussionen zur Förderung des Radverkehrs auch die Realisierungsmöglichkeiten für einen Radschnellweg geprüft würden. Die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie und das weitere Vorgehen nach dem derzeitigen Planungsstand soll den Stadtverordneten nach der Kommunalwahl vorgelegt werden, teilte das Stadtplanungsamt mit.

Kremmener Bahn


1914 wurde die Bahnstrecke zwischen Oranienburg und Kremmen eröffnet. 1968 wurde der Personennahverkehr eingestellt. Bis 1993 waren noch Güterzüge auf dem Abschnitt unterwegs, auch einzelne Sonderzüge fuhren. Die letzte Bahn fuhr im September 2000. Für eine Sonderfahrt war ein als Ferkeltaxe bezeichneter Triebwagen der Deutschen Reichsbahn eingesetzt.

Als Kremmener Bahn bezeichnen Bahner die Bahnstrecke zwischen Wittenau und Kremmen. Dort ist heute auf dem Abschnitt bis Hennigsdorf nur noch die S-Bahn unterwegs. Über die Wiederaufnahme des Regionalzugverkehrs wird ebenfalls seit längerem diskutiert. kd