Mit 30 Besuchern – 120 wären zulässig gewesen – ist die Bürgerwerkstatt in Hohen Neuendorf zum interkommunalen Verkehrskonzept „Niederbarnimer Fließlandschaft“ die bisher bestbesuchte in den vier S-Bahn-Gemeinden gewesen. Es gab zudem eine Forderung vom Bürgermeister an den Landkreis.
Der wohl am häufigsten geäußerte Wunsch der Bürgerschaft ist der nach einem 10-Minuten-Takt der S-Bahn. Gefolgt von sicheren Radwegen oder, wie im Fall der L171 zwischen Hohen Neuendorf und Stolpe, dem Wunsch nach überhaupt einem Radweg. Schmale Wege, schlechte Oberflächen und teils unsichere Radwegenden stellte Sylke Leonhardt vom beauftragten Büro Gertz Gutsche Rümenapp attraktiven Tourismusrouten und einem geringen Unfallaufkommen gegenüber.

Im Oktober werden Fahrgäste an den Bahnhöfen befragt

Beim ÖPNV wiegen sich Vorteile und Versäumnisse nicht ganz auf. Positiv sei die S-Bahn-Anbindung: Die zwei Linien, fünf Bahnhöfe und der 20-Minuten-Takt seien „das Rückgrat des Verkehrsangebots“, so Leonhardt. Regionalverkehr und die Buslinie 809 böten gute Anschlüsse. „Dass es Verbesserungsbedarf gibt, ist klar“, sagte sie. Anfang Oktober werden die am Konzept beteiligten Büros Fahrgastumfragen und Zählungen an den Bahnhöfen durchführen.
Auf der Negativseite des ÖPNV: Der Bus 822 fährt unregelmäßig, ein alle Stadtteile verbindender Stadtbus fehlt noch, sei aber in Planung, Park-&-Ride-Plätze gibt es nicht genug, das Wochenendangebot ist verbesserungswürdig und eine gemeindeübergreifende Buslinie „fast nicht vorhanden“.

Bürgermeister Apelt sieht den Landkreis in der Pflicht

Bürgermeister Steffen Apelt (CDU) sagte: „Das ist kein attraktiver ÖPNV.“ Er sieht den Landkreis als Träger in der Pflicht. „Wir zahlen jedes Jahr zwölf Millionen Euro Kreisumlage. Da darf ich vom Träger erwarten, dass er seiner Aufgabe nachkommt“, so Apelt. „Hier sind auch die Kreistagsabgeordneten gefordert.“
Auf Nachfrage aus dem Publikum, warum der ruhende Verkehr im Konzept nicht betrachtet wird, sagte Apelt, dass die Stellplatzsatzung nachjustiert werden könnte. Bisher klammert sie Ein- und Zweifamilienhäuser aus. Diese müssen keine Parkflächen auf den Grundstücken für sich bereit halten.

Nicht jede Stelle wird auf Barrierefreiheit geprüft

Nils Scheffler vom beteiligten Büro Urban Expert wies darauf hin, dass nicht jede Bushaltestelle, jeder Parkplatz und jede Abbiegung betrachtet werde. Es gehe um ein gemeindeübergreifendes, gesamtheitliches Konzept zur Verringerung des CO2-Ausstoßes. Max Bohnet vom Planungsbüro Gertz Gutsche Rümenapp machte deutlich, dass zudem nicht einzelne Stellen nach ihrer Barrierefreiheit untersucht werden.
Das bemängelte die Stadtverordnete Lydia Budiner (Grüne). Sie fragte zudem, warum Fußgänger im Konzept keine Rolle spielen. Steffen Apelt erinnerte an einen Antrag der Grünen für eine Fußverkehrsschau. Lydia Budiner hatten diesen Antrag zu seiner Zeit aufgrund der vielen Diskussionen zurückgezogen. „Aber ich bringe ihn noch einmal ein“, kündigte sie an.
Die nächste Bürgerwerkstatt findet am Montag, 21. September, in Glienicke statt. Beginn ist um 18 Uhr in der Mensa der Grundschule. Die Teilnehmerzahl ist auf 50 beschränkt. Wer online seinen Beitrag zum Verkehrskonzept leisten möchte, hat dazu noch bis zum 15. Oktober unter www.buergerbeteiligung.de/ivk Gelegenheit.
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