Stimmengewirr, zeitweise dichtes Gedränge und interessiertes Ausprobieren - es war viel los im Oranienwerk. Mehr als 40  Aussteller nutzten am Sonnabend die Gelegenheit, den Besuchern dort ihre Produkte oder alternativen Heilmethoden vorzustellen. Parallel dazu hielten 16 Aussteller Vorträge, unter Titeln wie "Wunderwerk Blutegel" oder "Die Heilkraft des Wassers".
Für Petra Michael war der Tag ein Erfolg. Die Inhaberin des Cafés "Kaffeetante" ist Organisatorin der Messe. "Es herrscht mehr Andrang als im letzten Jahr", sagte sie. Ein Blick in die "Kaffeetante" zeigte, dass ihre Mitarbeiter alle Hände voll zu tun hatten, die Wünsche ihrer Gäste - gern auch nach vegetarischen oder veganen Leckereien - zu erfüllen. Eine Etage höher gab es einen steten Besucherstrom zu den Ausstellern. Warum sie die Veranstaltung ins Oranienwerk geholt hat? "Man muss nicht immer mit Kanonen auf Spatzen schießen. Die Schulmedizin muss sein, aber daneben gibt es noch viele andere Heilmethoden. Das soll gezeigt werden." Weil Heilpraktikerin Christel Neubert-Thoms die Gesundheitsmesse nicht mehr durchführte, wollte Petra Michael dieses Angebot in Oranienburg nicht verlieren.
Die Messe soll in Zukunft zu einer etablierten Veranstaltung ausreifen, die jedes letzte Wochenende im Mai stattfindet. Mit Vorträgen und Ausstellern, wie auch dieses Jahr. "Wir haben von allem etwas dabei."
Tatsächlich hatten die Besucher viel zu sehen. Die traditionelle chinesische Zungen- und Pulsdiagnose wurde genauso vorgestellt wie eine amerikanische Chiropraktiktechnik. Räucherwerk, vegetarischer Brotaufstrich aus Hanfsamen sowie eine Creme, die als "galvanisches Wunder" die Haut wieder jugendlich erstrahlen lassen soll, waren einige der ausgestellten Produkte. Auffallend war, dass die Angebote sich von traditionellen alternativen Heilmethoden hin zu ausgeklügelten technikunterstützten Verfahren bewegten. Da gab es ein Gerät, das die Mikrozirkulation des Blutes anregen und so zu mehr Wohlbefinden führen soll. Selbst die Nasa arbeite damit, versicherte die Ausstellerin. Die Liegen, auf denen Interessierte das ausprobieren konnten, waren stets belegt.
Auch am Stand von Heilpraktikerin Gabriele Gruber bildeten sich Schlangen. Sie erstellte am Laptop Aura-Fotografien. Um das Foto einer Kundin erschienen auf dem Bildschirm farbige Kreise. Von Blau bis zu Weiß wurde das gesamte Farbspektrum abgedeckt. Doch ein roter Fleck sorgte für Aufmerksamkeit: "Da ist eine Blockade" urteilte Gabriele Gruber und griff der jungen Frau an den Rücken. Die Aura vermittele eine Zerrissenheit und schlechte Erfahrungen mit Männern. Die Kundin schaute erstaunt und bestätigte diese Aussage. Für eine Minute legte sie daraufhin ihre Hand auf eine Unterlage, über die sie spezielle Vibrationen erhielt, die ihre Aura wieder ausrichten sollten.
An einem anderen Stand probierte Kerstin Schnürle aus Göppingen bei Stuttgart eine computergestützte Methode aus, die mit Hilfe von rotem Licht muskuläre Verspannungen lösen soll. "Ich bin ja eine Skeptikerin", verkündete sie dabei. Und auch im Anschluss war sie nicht völlig überzeugt: "Ich glaube schon, dass es ein großes Ganzes gibt. Aber ich bin mir nicht so sicher, ob rotes Licht wirkt." Mit einem Lachen verabschiedete sie sich, nachdem sie alle Messestände begutachtet hatte.