Dem Volleyball bleibt Döring jedoch treu. "Ich wollte gern Trainer sein." Dass der VSV Havel Oranienburg einen neuen Übungsleiter suchte, habe er eher zufällig mitbekommen. "Ich habe mich daraufhin beim Verein gemeldet. Es passt für mich vom Zeitpunkt her, da ich eine neue Herausforderung wollte."
Der VSV Havel hat somit einen Nachfolger für Peter Schwarz gefunden, der sich künftig auf seine Arbeit beim Zweitligisten SV Lindow-Gransee konzentrieren will. Mit Döring präsentierte der Verein nicht zum ersten Mal einen Ex-Profi als Trainer. Vor sieben Jahren übernahm der zweimalige Deutsche Meister Ricardo Galandi zusammen mit Michael Bade das Amt an der Seitenlinie. Vereinschef Wolf-Dieter Alte betont, dass die Vita von Döring nicht den Ausschlag gegeben habe. "Der Name spielte keine Rolle. Das Wichtigste ist, wie er menschlich mit den Spielerinnen klar kommt."
Raphael Döring sieht in dieser Hinsicht keine Probleme. "Über die Frage, ob ich mit Frauen arbeiten kann, habe ich mir nicht lange Gedanken gemacht. Es ist Volleyball, da spielt das Geschlecht keine Rolle." Sicherlich sei die Struktur der Mannschaft eine andere. "Männer gehen anders miteinander um. Aber der Rest ist gleich. Sportler wollen gefördert werden, gewinnen und alles geben." Ist dem ehemaligen Profi eine leistungsorientierte Herangehensweise wichtig? "Was heißt leistungsorientiert? Du willst gewinnen. Das wäre selbst in der untersten Liga so." Am Ende des Tages sei wichtig, immer das Bestmögliche zu geben. Was am Ende dabei herum kommt, ist sekundär."
Bis zum ersten Saisonspiel in der 3. Liga Nord werden auch noch einige Woche vergehen. "Wir planen, dass wir im September in die Spiele einsteigen können", blickt Alte voraus. Bis dahin werde ganz normal trainiert. Der Auftakt wurde am Montag vollzogen. 15 Volleyballerinnen kamen zur ersten Einheit der Vorbereitung, darunter einige Probespielerinnen. "Der Stamm der Mannschaft blieb zusammen", freut sich der Vereinschef.
Mit Begeisterung vernahm dieser, dass sein neuer Trainer ein Auge auf den Nachwuchs richten will. "Raphael würde sich freuen, wenn die guten Nachwuchsspielerinnen im Training erste Erfahrungen sammeln. Dass er sich so für den Nachwuchs interessiert, ist für den Verein gut." Alte ist guter Hoffnung, dass der neue Übungsleiter nicht nur für eine Saison bleibt. "Er ist in der Region verwurzelt, da seine Schwiegereltern in Lehnitz wohnen."
In den kommenden Tagen und Wochen will Raphael Döring (der schon Trainer eines Männer-Viertligisten war) viele Gespräche führen. In seiner neuen Mannschaft kenne er bislang nur wenige Spielerinnen, räumt der 34-Jährige ein. Das sei nicht schlimm. "Ich weiß, dass viele eine gute Ausbildung genossen haben und sehr erfahren sind. Im Internet habe ich einiges gelesen. Aber ich bin ein Freund davon, mir selber ein Bild zu machen."
Auch die Liga sei für ihn Neuland. "Nach meiner aktiven Zeit habe ich für einige Zeit das Interesse am Volleyball verloren." Das sei sicherlich nicht ganz unnormal, da der Sport zuvor 24 Jahre lang das Leben bestimmte. "Nun fängt es aber wieder an, richtig zu kribbeln."

Zur Person


Raphael Döring wurde am 9. Oktober 1985 in Münster geboren.

Unter seinem Geburtsnamen Möllers begann er als Neunjähriger mit dem Volleyball. Diesem Sport blieb er als Aktiver 24 Jahre treu.

In der Bundesliga spielte der Außenangreifer für evivo Düren, die Wuppertal Titans und Volleys Bottrop und den VC Dresden.

Zweitliga-Spiele bestritt er für die TSG Solingen und den SV Warnemünde.

Erfahrungen im Ausland sammelte der 1,96-Meter-Hüne bei den finnischen Vereinen Lentopalloseura Etta Oulu und Lakkapää Rovaniemi.

Bei Lindow-Gransee II ließ Döring seine Laufbahn in der vergangenen Regionalliga-Saison ausklingen.

Zur neuen Saison übernimmt der 34-Jährige das Traineramt beim Frauen-Drittligisten VSV Havel. sz