Wichtige Regionalkonferenz
Zugleich verwies Laesicke auf die vom Bundesverkehrsministerium in Oranienburg am Montag organisierte Regionalkonferenz  zu Nebenwasserstraßen, deren Ziel im kommenden Jahr ein Masterplan zur weiteren Entwicklung touristischer Wasserwege sein soll. Das könnte dann eventuell auch eine neue Chance für die alten Pläne der Wasserinitiative Nordbrandenburg (WIN) sein, mit der Reaktivierung der Schleusen Sachsenhausen und Malz eine Verbindung zum Oder-Havel-Kanal zu schaffen,  will Stadtentwicklungsdezernent Frank Oltersdorf (SPD) nicht ausschließen. Damit könnte der Sportbootverkehr auch die Schleuse Lehnitz umfahren, die dann allein dem Berufsschifffahrtsverkehr vorbehalten bliebe.
Es wäre ein Armutszeugnis, das Leuchtturmprojekt Schleuse Friedenthal ein Jahr vor Baubeginn abzuschreiben, betont Björn Lüttmann, der auch SPD-Landtagsabgeordneter ist.  "Es ist immerhin ein Vorhaben, das Bund und Land zu 90 Prozent finanzieren und das vielen Menschen die Möglichkeit eröffnet, Urlaub zu Hause zu machen, anstatt Flugreisen in ferne Länder zu unternehmen", lautet Lüttmanns Plädoyer für die Schleuse.
Er plädiere ebenfalls für den Wiederaufbau der Schleuse, sagt Ralph Bujok (Linke). Dabei sollte aber all das berücksichtigt werden, was die Lokale Agenda mit dem Projekt Fowaks zum Thema Wasser in Oranienburg erarbeitet habe. Für seine Fraktion kündigte Bujok einen Antrag an, mit dem der Bürgermeister beauftragt werden solle, ein Gesamtkonzept zu den Gewässern in Oranienburg und deren Nutzungsmöglichkeiten vorzulegen.
Ökologische Belastungen
Allein Thomas Hebestreit verteidigt für die Bündnisgrünen den Antrag, den Schleusenneubau auf den Prüfstand zu stellen. "Was nützt uns die schönste Schleuse, wenn sie wegen eines zu geringen Wasserstandes von Sportbooten nicht mehr genutzt werden kann? Die Folgen des Klimawandels dürfen wir doch nicht außer acht lassen", betont Hebestreit. Im Übrigen befürchte er auch ökologische Belastungen für die Oranienburger Havel, wenn dort laut Prognosen bis zu 10 000 Sportboote im Jahr durch die Stadt schippern werden. Der Antrag der Grünen fiel im Hauptausschuss durch. Nur Hebestreit sprach sich dafür aus, zehn Stadtverordnete stimmten dagegen, einer enthielt sich.
Sebastian Dosch, Sprecher des Wasserstraßen- und  Schifffahrtsamtes Eberswalde, sagte im Ausschuss, dass die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin einen Beirat bilden wollten, in dem in Zeiten extremer Trockenheit Absprachen zur Wasserhaltung in den Havelgewässern über Landesgrenzen hinweg getroffen werden sollen.
Dosch bestätigte, dass die Schleuse Pinnow mit Fertigstellung der Schleuse Friedenthal stillgelegt werde. Auf die Wasserhaltung im Oranienburger Kanal habe das aber keinen Einfluss, weil die Pegelstände über ein Wehr geregelt würden. Die Havel zwischen Schlosshafen und Schleuse Friedenthal werde für den Sportbootverkehr noch ertüchtigt. Neben der Kampfmittelsuche müsse die Havel dazu rund einen halben Meter tief ausgebaggert werden.
Auf der zirka 800 Meter langen Strecke würden allerdings keine Spundwände in den Boden gerammt, wie es von einigen Schleusengegnern befürchtet wird. Die Ufer sollen eine abgeschrägte Befestigung mit Steinen und damit möglichst natürlich erhalten werden, so Sebastian Dosch.

Zahlmeister Bund und Land


Rund 8,2 Millionen Euro soll der Neubau der Schleuse Friedenthal kosten. Davon übernehmen Bund und Land gut sieben Millionen Euro. Der Rest kommt von der Stadt.

Die Schleuse wird die Oranienburger Havel mit dem Oranienburger und dem Ruppiner Kanal verbinden. Auch eine Schleppe für muskelbetriebene Boote ist dort vorgesehen, ebenso eine Radwegebrücke. bren