"Ich habe so entscheiden müssen, weil die Hilfsfristen in dem Rettungsdienstbereich nicht gut waren", erklärt der zuständige Dezernent Matthias Rink. Das lasse sich auch während einer solchen Testphase nicht rechtfertigen. Seit dem 24. Januar steht ein Rettungswagen tagsüber an der Feuerwache in Kremmen, ein zweiter durchgängig in der Rettungswache Staffelde.
Für die Lokalpolitiker im Sommerfelder Ortsbeirat war das in dieser Woche neue Information. Unbefriedigend findet Ortsvorsteher Jürgen Kurth (UWG/LGU) die aktuelle Situation trotzdem: "Im Sommer kann der Wagen nicht im Freien stehen, weil die Medikamente gekühlt werden müssen." Entgegengesetzte Probleme gebe es im Winter, sodass die Rettungsmannschaften oft nicht nur nachts von Staffelde aus anrücken müssten. "Von da aus ist der Weg in unsere Richtung noch weiter", beklagt Kurth.
Entsprechend emotionsgeladen nahm er die Stimmung im Ortsbeirat wahr. Feuerwehrkameraden berichteten von ihrer Hilflosigkeit, wenn sie für Verletzte nichts tun können. Und Bürger erzählten von einem Fall, in dem der nächste Krankenwagen aus Herzberg kam - nach zwanzig Minuten. Mehr als fünfzehn sollen es eigentlich nicht sein, zumindest nicht in mehr als fünf Prozent der Fälle. Das ist auch Ziel des Rettungsdienstbereichsplans, den der Kreistag im Juli fortschreiben will.
Bis dahin wird es bei der aktuellen Zwischenlösung bleiben, sagt Dezernent Rink. Sommerfelds eigene Rettungswache wieder in Betrieb zu nehmen, kam zumindest im Rahmen der Testphase nicht in Betracht. "Wenn eine Liegenschaft einmal vom Netz genommen ist, gelten neue Bedingungen", so Rink. "Wir hätten sie vor Inbetriebnahme wieder ertüchtigen müssen."
Jürgen Kurth ist von dieser Auskunft zwar "ein bisschen befremdet". Aber er kennt ähnliche Fälle aus anderen Bereichen: "Wenn eine Kneipe schließt, und sechs Wochen später will der Wirt sie wieder aufmachen, hat er auch ein Problem mit den Hygienestandards."
Wie die Rettungswachen im Rahmen des neuen Plans verteilt werden, sei derzeit noch völlig offen, betont Matthias Rink. Möglich seien auch ganz andere Standorte oder ein neuer Zuschnitt der Rettungsdienstbereiche. All das muss ein Gutachten ergeben, das die Daten aus dem gesamten Kreis nach der Testphase auswertet. Bis zum 31. März hat Rink diese verlängert, um ein ganzes Jahr auswerten zu können.
Wie auch immer das Ergebnis aussieht: "Die Sommerfelder haben das gleiche Recht auf die gleiche Qualität des Rettungsdienstes wie jeder Oberhaveler", betont der Dezernent. Das hänge allerdings nicht unbedingt am Standort. "Es ist ein Trugschluss zu glauben, weil die Rettungswache direkt nebenan ist, würde ich schneller gerettet als andere."