Der Weg zur privaten Rösterei war für den 47-Jährigen ein durchaus langer, der allerdings auf Vorerfahrungen fußte. In Bad Belzig betrieb er ein Eiscafé direkt am Markt. Nach drei Jahren in Hennigsdorf, wo er für Deutsche Bahn arbeitete, zog es ihn und seine Familie (zwei sechs und zehn Jahre alte Kinder) vor zehn Jahren nach Marwitz. Zwischendurch: Barista-Ausbildung beim italienischen Kaffeeunternehmen Lavazza in Frankfurt am Main.
Zwei Jahre Geschmacksprobe
Der Weg zum eigenen Kaffee war geebnet. Im Mai 2016 gründete er seine Firma mit Sitz in Brieselang, wo er nach wie vor röstet. "Regionalen Kaffee gab es zu der Zeit noch nicht", erinnert sich Andreas an die Anfänge. Die Firma ist klein, alle duzen sich, ein entspannter Umgang steht im Vordergrund. "Je mehr Leute von Tchibo wegkommen, desto glücklicher bin ich."
Zwei Jahre probierte er verschiedene Bohnen aus diversen Anbaugebieten aus, verfeinerte Aromen, suchte seine geschmackliche Nische. "Mittlerweile sind wir seit Ende 2017 bei Edeka gelistet und in 27 Filialen in Berlin und Brandenburg zu finden." Das Geschäft soll organisch wachsen.
Mit dabei ist Kevin Miszewski. Im Hexenhaus in Falkensee arbeitete er bis zur Einstellung des Gastronomiebetriebs in diesem Jahr als Koch. "Andreas hat für uns eine eigene Sorte kreiert", erinnert er sich. Der Kontakt blieb. Kevin stieg ins Spreebohnen-Geschäft mit ein, ist fürs Vertriebsmarketing zuständig – und für den Geschmack. "Ein Koch schmeckt noch einmal anders als ein Röster." Beides ergänze sich. Kevin wünscht sich, dass mehr Menschen Kaffee wieder zu schätzen lernen – "Wie eine gute Flasche Wein" – und aufhören, wahllos nur Preise zu vergleichen. Er will mit seinem Netzwerk die Gastronomie überzeugen, ein paar Cent mehr pro Tasse zu bezahlen. Einige seien schon mit im Boot.
40 Variationen sind möglich
Bei ihren Bohnen setzen die Männer auf Brasilien, den größten Kaffeeproduzenten weltweit. Die Bohnen kommen von verschiedenen Farmen. "Uns hat die ständige Verfügbarkeit und die gleichbleibende Qualität überzeugt", so Andreas. Die Firma bietet zwei Espressi- und drei Kaffeesorten an. Durch verschiedene Mahlgrade und Größen seien 40 Variationen möglich. "Alles 100 Prozent Arabica-Kaffee." Individuelle Zusammenstellungen sind ebenso möglich. Für die Gastronomie kommt noch Robusta-Kaffee hinzu. Er ist etwas günstiger und damit für wirtschaftlich denkende Gastronomen auch etwas attraktiver. Für die bietet das kleine Unternehmen ein Mehrwegsystem an: Fässer mit Frischesiegel.
Als regionale Akteure wollen sich die Spreebohne-Macher etablieren. "Wir sind Single-Röster, wir verblenden nichts", sagt der Chef. Gemeint: Jede Packung Kaffee enthält nur Bohnen von einer Farm. Süße Zusätze gibt es nicht. "Wer Geschmacksrichtungen will, wie Karamellsirup, muss den selbst hinzufügen. Bei uns schmeckt Kaffee noch nach Kaffee", so der Marwitzer, der nachts am Röster steht und fast jede Bohne selbst überwacht. Sekunden in der Röstung können beim Kaffee und dessen Aroma entscheidend sein, wie bitter er am Ende ist und wie viel Säure er enthält. "Bei uns ist das alles noch Handarbeit." Zwei Tonnen können sie im Monat produzieren.
Momentan soll die Spreebohne aber erst einmal in Stellung gebracht werden. Ende Oktober geht der Online-Handel an den Start. Kontakte zu Prominenten sind geknüpft, weitere Ideen geschmiedet. Für Andreas und Kevin ist klar: Sie wollen, dass ihr brasilianischer Kaffee in Brandenburg Früchte trägt.

Ruhen wie ein Stück Fleisch


Kaffeerösten ist ein jahrhundertealtes Handwerk. Erst das Rösten der grünen Bohnen macht den Kaffee genießbar. Die Bohne dehnt sich dabei aus und wird mitunter doppelt so groß wie im ursprünglichen Zustand.

"Danach muss der Kaffee erst etwas ruhen, wie ein gutes Stück Fleisch, um sein Aroma zu entfalten", weiß Andreas Fierus von "Spreebohne."

Erhältlich sind seine Kaffeekreationen nicht nur bei Edeka, sondern auch im kleinen Café "Vier Jahreszeiten" in Brieselang, Wustermarker Allee 37. Direkt daneben liegt die Rösterei der Firma. Im Online-Shop soll es den Kaffee ab Ende Oktober geben. win