Die SPD-Fraktion verabschiedet sich von der Idee einer eigenen Schulküche für Oranienburg. Die Kosten dafür seinen einfach zu hoch und damit nicht vermittelbar, entschieden die SPD-Stadtverodneten nach langen Beratungen.
55 Seiten umfasst die "Untersuchung zur Betreibung eigener Schulküchen in städtischer Hand", die das Amt für Bildung und Soziales nach einem entsprechenden Prüfauftrag der Stadtverordneten im Oktober vorgelegt hatte. "Wir haben uns seitdem intensiv damit beschäftigt", sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Dirk Blettermann, der auch Mitglied im Bildungsausschuss ist. Die Fraktion sei zu dem Ergebnis gekommen, dass der Betrieb einer städtischen Küche für Kitas und Schulen zu teuer wäre, sagt seine Stellvertreterin Judith Brandt. Die Kosten seien angesichts vieler anderer wichtiger Ausgaben nicht vermittelbar. Einrichtung und Betrieb von Schulküchen wären freiwillige Leistungen der Stadt. Wie genau sich die SPD-Fraktion nun beim Thema Schulessen positionieren will, wird sie kommende Woche näher ausführen.
Seit dem bundesweiten Skandal um verschimmelte Erdbeeren im Schulessen des Großanbieters Sodexo, der nach wie vor auch Oranienburger Einrichtungen beliefert, vor mittlerweile mehr als fünf Jahren, wird über eine städtische Schulküche diskutiert. Weil die Verträge ausliefen, erfolgte zunächst eine weitere Ausschreibung für täglich 2 500 Essensportionen in den städtischen Kitas und Grundschulen. Bis Sommer 2020 sind die Kinder erst einmal versorgt.
Für die Zeit danach sollte das Essen für die Mädchen und Jungen in bis zu vier städtischen Küchen gekocht werden. In den geplanten Schulneubauten sollten entsprechend Küchen mitgeplant werden. All das sei machbar, sagt Anke Michelczak, Leiterin des Amts für Bildung und Soziales. Die Frage sei, was sich die Stadt leisten wolle. Darüber haben die Stadtverordneten zu entscheiden. Das Amt hat sich viel Mühe gemacht und jede einzelne Ausgabe aufgelistet: von den notwendigen Küchenausstattungen, über Lebensmittel- und Herstellungsausgaben bis zu Personalkosten. Vor allem wäre zunächst eine große Investition für den Bau der Küchen notwendig: 3,2 Millionen Euro für eine Zentralküche, 3,7 Millionen Euro für vier dezentrale Küchen. Hinzu kämen Anschaffungskosten für Lieferfahrzeuge sowie Folgekosten für Pflege und Erhalt der Küchen.
Gerade das Personal würde das Essen aus städtischer Herstellung verteuern. In den privaten Großküchen wird Küchenhilfen der Mindestlohn von derzeit neun Euro gezahlt. In der städtischen Küche würde der fast 50 Prozent höhere Tarif des öffentlichen Dienstes gelten, sagt Anke Michelczak. Schließlich, so heißt es ganz am Ende ihres Konzeptpapiers, sei "die für dieses Projekt notwendige Leistungsfähigkeit des Haushalts in der Gesamtbetrachtung aller kommunalen Aufgaben zu berücksichtigen."
Im Bürgermeister-Wahlkampf, die Kostenanalyse lag erst nach der Abstimmung vor, hatten sich alle Kandidaten noch für Schul- und Kitaessen aus eigener Produktion ausgesprochen. Das war wohl auch dem Druck vieler Eltern geschuldet. Unter anderem hatten sich 989 Unterzeichner in einer Online-Petition für eine städtische Schulküche ausgesprochen. Mit der Entscheidung der SPD-Fraktion wird darüber nun neu diskutiert. "Die Stadtverordnetenversammlung muss entscheiden", sagt Dirk Blettermann. Bis zum Sommer soll eine Entscheidung fallen. 
Zur Petition geht es hier entlang:

¦ Die Stadtverordnete Judith Brandt ist neue stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion. Die 33-Jährige übernimmt den Posten von Meike Kulgemeyer, die das Amt im Dezember aus persönlichen Gründen abgegeben hatte. Judith Brandt ist Mitglied im Bau- sowie im Bildungsausschuss.