Prenzlau. Mehr als die Hälfte aller erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger der Uckermark sindnicht vermittelbar. Zu dieser erschütternden Einschätzung kommt das Jobcenter. Landrat Dietmar Schulze warnt vor einer sich weiter verfestigenden Arbeitslosigkeit durch immer weitere Kürzungen der Eingliederungsmittel des Bundes.
Was die Bundesregierung will, scheint auf den ersten Blick vernünftig. Sie fördert verstärkt den ersten Arbeitsmarkt und damit die Vermittlung von Arbeitslosen in freie Stellen der Wirtschaft. Doch gerade in Regionen mit hoher Erwerbslosigkeit wie der Uckermark scheint das dauerhaft nicht zu funktionieren. Es fehlt trotz Konjunktur und Fachkräftebedarf an geeigneten Stellen, um Menschen einen Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.
Bisher haben vor allem Arbeitsfördergesellschaften und Kommunen den sogenannten zweiten Arbeitsmarkt genutzt. Mit Ein-Euro-Jobs und sonstigen öffentlich geförderten Stellen sorgten sie – wenn auch mitunter kritisch betrachtet – für einfache Beschäftigung und damit für eine bessere Arbeitslosenstatistik. Doch damit ist es nun vorbei. Durch drastische Kürzungen der Bundesregierung bei Eingliederungsmitteln und weitere angekündigteEinsparungen stehen immer weniger Ein-Euro-Jobs zur Verfügung. Die bisher 29,1 Millionen Euro für die Uckermark schrumpfen in diesem Jahr auf 19,5 Millionen und im nächsten Jahr vermutlich auf 17,4 Millionen.
Dieser Einbruch hat die gesamte Struktur des zweiten Arbeitsmarktes im Landkreis verändert. Das Jobcenter geht davon aus, dass künftig das bisherige Mindestmaß von durchschnittlich 750 Ein-Euro-Jobs die Obergrenze bleiben wird. 2010 waren es noch 2300 Teilnehmer. Die Folge: Bereits zwei etablierte Arbeitsfördergesellschaften haben sich aufgelöst – der Förderverein für die Region Gartz (MOZ berichtete) und die Templiner Beschäftigungs- und Bildungsgesellschaft. Weitere Träger haben bereits finanzielle Probleme signalisiert. Ohne öffentliche Stellen keine Beschäftigungsprojekte.
Einschränkungen gibt es in allen Kommunen und bei vielen Vereinen. Was ?bislang nur mit Ein-Euro-Hilfe am Leben erhalten wurde, bricht jetzt unwiederbringlich zusammen. Betroffen sind Kultur, Sport, Jugendbereich und Sozialwesen.
Landrat Dietmar Schulze kritisiert die „zu schnelle“ Umstellung der Eingliederungspolitik zulasten der öffentlich geförderten Beschäftigung. „Auch bei anziehender Konjunktur sowie einer Diskussion um demografische Entwicklung und Fachkräftemangel bleibt der Arbeitsmarkt weiter gespalten“, so Schulze.
Einerseits gebe es auf dem schwierigen Arbeitsmarkt nur wenige offene Stellen, andererseits würden nur wenige sofort vermittelbare Menschen zur Verfügung stehen. Das Jobcenter geht davon aus, dass 55 Prozent der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger mittelfristig gar nicht vermittelbar sind. Damit verfestigt sich die Arbeitslosigkeit.
Künftig müsse man die Wirtschafts- und Kreisentwicklung stärker mit der Arbeitsmarktpolitik verzahnen, so Dietmar Schulze in seiner Rede gestern vor dem uckermärkischen Kreistag in Prenzlau.
Das Jobcenter soll nun dem Fachkräftebedarf durch Qualifizierung von Hilfebedürftigen begegnen. Die Behörde hat bereits ein Konzept für das Fallmanagement vorgelegt. Es wird momentan in der Angermünder Geschäftsstelle getestet.