Die durch die AWO und durch andere Asylbewerber betreuende Organisationen angesprochenen Leute würden über einen unterschiedlichen Aufenthaltsstatus verfügen und auch über unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen. „Zuvor absolvierten alle einen Deutsch-Kurs“, so Wolfgang Gall, Gesundheitsdezernent des Landkreises. „Mit diesem Projekt erhalten die Flüchtlinge aus Staaten mit geringer Aussicht auf positive Entscheidung ihres Asylverfahrens eine bessere Bleibeperspektive. Einerseits werden diese hier lebenden Asylbewerber so besser integriert und können durch ihren Abschluss gezielt den Arbeitskräftemangel im Bereich Pflege entspannen.“ Gall hatte kürzlich die Frauen und Männer besucht und ihnen Schultüten überreicht.
Laut des im März 2018 durch den Kreistag beschlossenen Pflegebedarfsplans für den Landkreis bis 2030/2032 wird die Zahl der Pflegebedürftigen vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung von derzeit rund 6.000 auf zirka 9.000 steigen. Demzufolge wurde, ausgehend von den Beschäftigtenzahlen des Jahres 2016 in Höhe von rund 1.950, ein zusätzlicher Bedarf von Beschäftigten im ambulanten und stationären Pflegebereich von mehr als 1.000 bis zum Jahr 2032 prognostiziert.
Die am 3. September gestartete Qualifizierung zum Altenpflegehelfer erfolgt über zwei Stufen. Bis Ende April 2019 werden die Kursteilnehmer durch Lehrer des IKW und der LEB im wochentäglichen Unterricht zum Hauptschulabschluss geführt. Danach erfolgt, mit Beginn des neuen Schuljahrs, die 200 Stunden umfassende fachliche Qualifizierung. „Der Kurs ist anspruchsvoll. Die Teilnehmer haben die Herausforderung angenommen und sind motiviert, und ich hoffe, dass so viele wie möglich durchhalten und den Abschluss erreichen“, so Ulf Hofmann, Koordinator des Unterrichts beim IKW. „Die Schüler werden mit täglicher Anwesenheitspflicht konfrontiert, müssen, unterstützt durch eine Sozialarbeiterin der AWO, Hausaufgaben erledigen und Prüfungen absolvieren.“
Die Asylbewerber kommen aus Staaten wie Kenia, Somalia, Afghanistan, Algerien und Tschetschenien. Einige wenige von ihnen verfügen bereits über berufliche Erfahrung im Pflegebereich. So wie die Kamerunerin Sylvie, die in ihrer Heimat sechs Jahre lang als Krankenhelferin arbeitete. Anders verlief der berufliche Weg bei Yunus, der aus Tschetschenien stammt. „Nach dem Abitur habe ich in meiner Heimat zwei Jahre Ökonomie studiert“, erzählte der junge Mann. „Nach meiner Flucht nach Deutschland habe ich eine Ausbildung zum Erzieher im OSZ in Friesack begonnen und habe schon ein Praktikum in einem Kinderferienlager absolviert. Aber mir fehlten die Sprachkenntnisse. Nach dieser Qualifizierung möchte ich meine Ausbildung zum Sozialpädagogen weiterführen.“