„Regional“ und „artgerecht“ sind Schlagworte, denen immer mehr Gewicht beigemessen wird. Ein hervorragendes Beispiel dafür, wo sich beide Begriffe treffen, ist in der Mitte des Havellands zu finden. Die dortigen Tiere haben diesbezüglich echt Schwein.

Von Stallhaltung bis Premium

Viele Discounter und Supermärkte kennzeichnen ihr Frischfleisch mit Siegeln für die jeweilige Haltungsform der Tiere. Vier solcher Siegel gibt es - von Stallhaltung (1) bis Premium (4). Bei letzterer etwa muss in der Schweinemast jedem Tier eine Mindestfläche von 1,5 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Das ist immerhin doppelt so viel wie in der Haltungsform 1.
Ferner muss ein „Premium-Schwein“ ständigen Zugang zu Auslauf an die frische Luft haben oder muss komplett unter freiem Himmel gehalten werden. Der Begriff „artgerecht“ kommt in den Vorgaben für die Haltungsformen nicht vor.

Freilandhaltung neben Landesstraße 99

Gemessen an der Schweine-Realitität im Landkreis Havelland würde die Tierhaltung auf dem Kieck (Gemeinde Märkisch-Luch) den Freiluft-Vorgaben für Haltungsform 4 entsprechen. Da Frischfleisch vom SinAlkol e.V. aber nicht in Kühltheken von Discountern und Supermärkten landet, wird es auch nicht gekennzeichnet.
Von der praktizierten Freilandhaltung durch den SinAlkol e.V kann sich jeder ein Bild machen, der auf der Landesstraße L 99 zwischen Barnewitz (Havelland) und Marzahne (Potsdam-Mittelmark) unterwegs ist.

Suhlen kühlt an heißen Tagen

Auf eingezäuntem Feld neben der Straße können die Freilandschweine mit ihren Rüsseln im Boden wühlen. Artgerecht ist auch, dass die Schweine eine Suhle haben. Der Schlamm kühlt. Das ist wichtig, gerade im Sommer. Denn Schweine haben nur am Rüssel Schweißdrüsen. Sie müssen überschüssige Körperwärme über Haut und Atmung abgeben. Den getrockneten Schlamm scheuern sich die Schweine auch in Kieck von der Haut. Das ist wie Peeling.

Eine tragende Sau

Momentan ist eine Sau tragend, sie wirft voraussichtlich Ende Juli. In den beiden Vorjahren brachte sie neun und elf Ferkel zur Welt. Aktuell hält der SinAlkol e.V 26 Freilandschweine. Produkte sind in der hofeigenen Cafeteria sowie in der Bio-Insel in Rathenow erhältlich.

Rund 31.000 Schweine in Massentierhaltung

Inklusive der Freilandschweine vom Kieck ergeht es nur rund 3.000 Schweinen bei der Haltung im Havelland besser als den Artgenossen in Massenställen. Die Zahl der Schweine, die in havelländischen Großbetrieben gemästet werden, beläuft sich auf rund 31.000.
Allein in Bützer (Gemeinde Milower Land) sind es etwa 20.000. Anfang Mai geriet der Betrieb in die Schlagzeilen, nachdem noch drei lebende Ferkel aus zwei Tonnen mit toten Artgenossen gerettet wurden. Der Betrieb ist auf Ferkelmast spezialisiert und verkauft Jungschweine zur Weitermast ins In- und Ausland.