Voraus gegangen waren zweieinhalbstündige Gespräche mit der für die Unterbringung von Asylbewerbern zuständigen Kreisverwaltung. Landrat Burkhard Schröder (SPD) lobte die Einrichtung der Koordinierungsstelle. Ein Ansprechpartner in der Landesregierung sei von den Kreisen und kreisfreien Städten lange gefordert worden. Laut Sozialministerium soll die Koordinierungsstelle bei der Unterbringung von Flüchtlingen zusätzlich unterstützen.
Die Staatssekretärin sprach vor Pressevertretern von 14.582 Menschen, die einer aktuellen Prognose zufolge im Jahr 2015 nach Brandenburg gelangen werden. Das Havelland hat für 2015 ein Aufnahmesoll von 952 Asylbewerbern. Sozialamtsleiterin Elke Franke meinte, dass mit Stand Dienstag bereits 444 Menschen angekommen sind. Erfahrungsgemäß kämen erst im Sommer die meisten Menschen. Gegenwärtig würden 690 Asylbewerber (Stand: 30. Juni) im Havelland leben, davon 86 aus 14 Staaten im Grünauer Weg. Die in Modulbauweise errichtete und im März 2015 in Betrieb genommene Gemeinschaftsunterkunft ist voll belegt. Der Landkreis ist zehn Jahre lang Mieter. Danach darf er entscheiden, ob er das Objekt kaufen oder für fünf weitere Jahre mieten will. Der Landrat rechnet damit, dass sich Vermieter bei kommenden Projekten kaum mehr auf längerfristige Bindungen einlassen werden.
Schröder bezifferte die havelländischen Ausgaben für Asylbewerber im Jahr 2014 mit rund 4,2 Millionen Euro, wovon drei Viertel durch Landes- und Bundesmittel finanziert wurden. Ein Drittel musste aus der Kreiskasse bezahlt werden: "Das wird bestimmt nicht weniger unter den gegebenen Finanzierungsvoraussetzungen."
Von den 690 Asylbewerbern wohnen 267 in 60 Wohnungen, größtenteils Familien bzw. Frauen mit Kindern. Neben den 86 Asylbewerbern am Grünauer Weg leben 165 am Birkenweg in Rathenow, 83 in Premnitz, 100 in Friesack und 67 in Falkensee I, wo noch Platz für etwa 20 weitere Menschen ist. Die Sporthalle des Oberstufenzentrums in Nauen wird voraussichtlich bis Dezember zwischenzeitige Bleibe für etwa 100 Menschen. Die Dauer dieser Unterbringungsmethode hängt auch davon ab, ob eine Gemeinschaftsunterkunft in Schönwalde/Glien (Kapazität: 400), wie vom Landkreis geplant, gebaut und Anfang nächsten Jahres bezogen werden kann. Aber mit dieser Gemeinde sowie mit Wustermark und Brieselang sei man derzeit noch in Standortverhandlungen, so Schröder.
Klar ist indessen, dass im Frühling Nauen I (230 Menschen) und Falkensee II (160) in Betrieb genommen werden. "Danach ist Pumpe!", so Schröder. "Weitere Objekte oder Standorte haben wir nicht in der Schublade."
Sozialamtsleiterin Elke Franke rechnet derweil für 2016 mit noch mehr zu versorgenden Asylbewerbern. Sie folgt dabei schlichtweg der Wachstumskurve seit 2008. Damals gab es 94 asylsuchende Menschen im Havelland, 2013 waren es 253, im Jahr darauf 370, und jetzt sind es schon fast 700.
Gegenwärtig dauert es im Havelland durchschnittlich bis zu fünf Monate, ehe aus einem Asylbewerber ein anerkannter Flüchtling bzw. Migrant wird. Sodann darf er den Wohnort frei wählen und sein Geld selbst verdienen darf.