Sebastian Steineke (CDU) schon seit Wochen, zuletzt Tobias Bank (Die Linke): Beide haben die Nominierungen für die 2021 anstehenden Bundestagswahlen bereits in der Tasche und werden in ihren Wahlkreisen um das Direktmandat ringen.
Steinekes Wahlkreis 56 umfasst die Prignitz und Ostprignitz-Ruppin sowie die havelländischen Ämter Rhinow, Friesack und Nennhausen. Ferner gehört die Stadt Nauen dazu. Insgesamt bestehen 299 Wahlkreise in Deutschland. Dass sich daran bis zum nächsten Urnengang nichts ändert, haben CDU/CSU und SPD kürzlich so beschlossen. Stichwort: Wahlrechtsreform.

299 Wahlsieger bei den Erststimmen

Neben 298 anderen wurde Sebastian Steineke 2017 direkt ins deutsche Parlament gewählt. Im Land Brandenburg wäre der CDU beinahe ein Durchmarsch gelungen. In neun von zehn Wahlkreisen waren Christdemokraten die Sieger. Das Ergebnis resultiert aus den Erststimmen auf den Wahlscheinen. Hier geht es sozusagen nach Nase. Mit den Zweitstimmen bestimmen die Wähler, welche Partei im Bundestag den Ton angeben soll. Es handelt sich demnach um die bedeutendere Stimme. Denn die erlangten prozentualen Anteile der Parteien bedingen die Sitzverteilung im Bundestag.

Spitzenkandidaten ganz oben auf den Landeslisten

Jede Partei beschließt im Vorfeld der Wahlen sogenannte Landeslisten. Auf Platz 1 steht der jeweilige Spitzenkandidat, dahinter folgen in der Regel zunächst weitere prominente Parteimitglieder. Etwa auf der 2017er CDU-Liste des Landes Mecklenburg-Vorpommern stand Angela Merkel ganz oben. Bei der CDU in Brandenburg wurde Sebastian Steineke auf Platz 7 von insgesamt 13 Plätzen gesetzt.
Sofern eine Partei die 5-Prozent-Hürde nimmt und im Bundestag eine Fraktion bilden kann, sind die Ersten auf den Landeslisten ziemlich sicher mit dabei. Auch wenn sie kein Direktmandat errangen. Über die Listen gelangen so viele Politiker in den Bundestag, wie ihrer jeweiligen Partei laut Zweitstimmenergebnis zustehe

111 Mitglieder zu viel

Regulär hat der Bundestag 598 Sitze. Seit 2017 ist er mit 709 Mitgliedern enorm aufgebläht. Schuld daran hat das insgesamt sehr gute Abschneiden der CDU bei den Erststimmen, was das eigentliche Ergebnis erheblich verzerrte. 185 von 299 möglichen Direktmandaten waren an Christdemokraten gegangen.
Aus diesem Erfolg bei den Erststimmen (61,9 Prozent), der weit größer war als der bei den  Zweitstimmen (26,8 Prozent), resultieren im Grunde die 36 Überhangmandate. Kurz gesagt entstehen diese, wenn eine Partei mehr Direktmandate über die Erststimmen erhält, als ihr Sitze im Bundestag gemäß der Anzahl der Zweitstimmen zustehen. Die Unionsschwesterpartei CSU erhielt 7, die SPD drei Überhangmandate. Ausgleichsmandate für die anderen Parteien korrigieren das Stimmenverhältnis mit der Folge, dass das Parlament aufgebläht wird.

Neuregelungen im Bundestag beschlossen

Die von der Schwarz-Roten Regierungskoalition am 8. Oktober beschlossene Reform beinhaltet zwei wesentliche Maßnahmen, die schon zur Bundestagswahl 2021 gelten. Demnach sollen Überhangmandate einer Partei mit ihren Listenmandaten teilweise verrechnet werden. Zudem sollen Überhangmandate nicht mehr ab dem ersten, sondern erst nach dem dritten durch Ausgleichsmandate für andere Parteien kompensiert werden.

Wissenschaftlicher Dienst berechnete mögliche Reformeffekte

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hatte vor der Abstimmung am 8. Oktober allerhand Berechnungen unternommen, um mögliche Reformeffekte darstellen zu können. Die Wissenschaftler nahmen dafür den Ausgang der 2017er Wahlen und errechneten anhand der nun geltenden Reform, wie viele Sitze es weniger im Bundestag geben würde. Im Ergebnis steht eine Ersparnis von gerade mal bis zu 27 Abgeordneten. Das am 6. Oktober veröffentlichte Dokument ist hier verfügbar. Derweil soll sich laut Reformbeschluss erst zur Wahl 2025 die Zahl der Wahlkreise von aktuell 299 auf dann 280 reduzieren.