Mehrfacher schwerer Bandendiebstahl: Das Landgericht Potsdam sprach am Freitag langjährige Gefängnisstrafen aus. Ein Berliner muss für viereinhalb Jahre hinter Gitter, nachdem er frühzeitig bei der Polizei ausgepackt und Aufklärungshilfe geleistet hatte. Härter erwischte es seine beiden havelländischen Komplizen aus Paulinenaue und Nauen; sie müssen für jeweils sechs Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Einbrüche in Rathenow Teil einer Serie

 Die drei kriminellen Besuche in der havelländischen Kreisstadt waren eingebettet in eine seit April 2019 laufende  Serie von Einbrüchen in Schnellrestaurant-Filialen in Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Zu zweit oder (seltener) zu dritt versuchten sie 21 Mal meist erfolgreich, den Tresor zu knacken und Geld zu erbeuten. Das gaben sie in der mehrmonatigen Verhandlung vor den Landgericht zu.

Polizei hörte Telefone ab

Nicht immer machten sie große Beute: Weil sich die Einbrecher in Halle (Saale) gestört fühlten, brachen sie die Tresoröffnung ab – und griffen stattdessen die Spendenkasse für das Kinderhilfswerk.
Ab März 2020 verlegten sie sich auf den Aufbruch von Geldautomaten im Bundesgebiet - da aber überwachte die Polizei schon ihre Telefone, ehe sie im Mai 2020 verhaftet wurden. Ihre letzte Tat zielte auf einen Tabak- und Lotto-Laden in Brandenburg an der Havel, dort nahmen sie Tabakwaren mit.

Drei schuldengeplagte Familienväter

Das Potsdamer Gericht befand über insgesamt 27 Einbrüche, zwischen 15 und 20 einzelne Taten konnte es jedem der zwischen 30 und 40 Jahre alten, schuldengeplagten Familienväter zuordnen. Neben den drei Haupttätern erhielt ein Berliner wegen Beihilfe bei zwei Taten ein Jahr auf Bewährung.

„Keine Einbrechertruppe auf Selbstfindungstour“

Die drei Haupttäter seien von Anfang an als Bande aktiv gewesen, so das Gericht, auch wenn sie oft nur zu zweit zuschlugen. Als „hochprofessionell“ und „keine Einbrechertruppe auf Selbstfindungstour“ charakterisierte der Vorsitzende Richter, Axel Gerlach, deren Vorgehen, es wirkte vom ersten Tag an eingeübt und einstudiert.
Die Richter ordneten außerdem die Einziehung von knapp 400.000 Euro Tatbeute sowie eines Autos, eines Quads, von Tabakwaren, Silberbarren, mehreren Spreizern, Burger-King-Gutscheinen und vielen weiteren Dingen an. Der darüber hinaus entstandene Sachschaden durch die Einbrüche beläuft sich auf rund 250.000 Euro.

Familienmitglieder beschimpften und bezichtigten sich gegenseitig

 Zu heftigen Wortgefechten bei Angeklagten und deren Angehörigen kam es am Ende der einstündigen Urteilsverkündung. Noch im Gerichtssaal beschimpften sich Mitglieder der drei Familien und bezichtigten sich gegenseitig, selbst Dreck am Stecken zu haben. Unmittelbar vor diesem Streit hatte das Gericht den Berliner mit der deutlich niedrigsten Strafe von viereinhalb Jahren als einzigen der drei Haupttäter aus der Untersuchungshaft entlassen.
Richter Gerlach hatte das unter anderem damit begründet, dass dessen Umfeld nicht so kriminogen sei. Darauhin eskalierte die Situation. Dass Partner der Angeklagten beim Verkauf von Diebesgut mitgeholfen haben könnten, war bereits während der Urteilsbegründung zur Sprache gekommen.