Bis Montagfrüh beklagte der Landkreis Havelland 46 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona-Infektionen. Etwa die Hälfte der Menschen starb am Standort Nauen der Havelland-Kliniken. Noch hat das Unternehmen die Lage im Griff. Sollte sich das ändern, könnte das Grund zur Ausrufung eines Katastrophenfalls sein.
Die Havelland-Kliniken-Unternehmensgruppe, ein Tochterunternehmen des Landkreises, betreibt Krankenhäuser in der Kreisstadt Rathenow sowie in Nauen. Nur in Nauen werden Covid-Fälle versorgt. Im dortigen mehrfach erweiterten Isolierungsbereich stehen aktuell 58 Plätze zur Versorgung von Covid-19-Patienten zur Verfügung. Daher ist dieser Bereich weiterhin fast vollständig ausgelastet. Laut eigenen Angaben vom Freitag bereitet sich die Klinikleitung darauf vor, zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung zu stellen.

47 Mitarbeiter in Quarantäne

Freitags liefert das Unternehmen der Presse wöchentliche Lageberichte. Zum 8. Januar wurden im Nauener Krankenhaus 45 Covid-Fälle klinisch behandelt, davon wurden sechs Patienten beatmet. Seit Beginn der Pandemie starben 22 Covid-Patienten. Die personelle Gesamtlage im Unternehmensverbund bleibe leicht angespannt, wie es hieß. Denn am Freitag befanden sich 47 Mitarbeiter in Quarantäne.

Gründe zur Ausrufung des Katastrophenfalls

Sollte nicht mehr genug Personal zur Verfügung stehen, sollte das Patientenaufkommen die Kapazität des Isolierungsbereichs übersteigen, und sollte es kaum mehr Möglichkeiten geben, Covid-Fälle in Kliniken mit noch freien Kapazitäten zu befördern, wäre das eine geradezu katastrophale Situation. Das wären Gründe zur Ausrufung des Katastrophenfalls im Landkreis Havelland.

Großschadensereignis am 23. Dezember festgestellt

Die Vorstufe dazu, das Großschadensereignis in Form eines Massenanfalls von Erkrankten (MANV-E), hat der Landkreis bereits am 23. Dezember ausgerufen. Auch andere brandenburgische Landkreise hatten das getan. Bis zum Morgen des Tages vor Heiligabend war die havelländische Gesamtzahl aller labortechnisch registrierten Corona-Fälle (seit März) auf 2.055 gestiegen. Es gab bis dahin 30 Todesfälle. Bis Montagfrüh, 11. Januar, gab es 2.949 Fälle und 46 Tote. Die Zahl der aktiven Fälle belief sich auf 738.

Wann liegt Katastrophe vor?

Was kennzeichnet nun den Moment, in dem die Ausrufung eines Katastrophenfalls notwendig wird? Die Kreisverwaltung gibt auf Anfrage folgende Definition: „Gemäß Brand- und Katastrophenschutzgesetz liegt eine Katastrophe vor, wenn insbesondere durch Folgen schwerer Naturereignisse, einschließlich extremer Wettererscheinungen sowie anderer Schadens- und Unglücksfälle, ein solcher Gefahrenzustand hervorgerufen wird, dass Leben und Gesundheit zahlreicher Menschen sowie die lebensnotwendige Versorgung der Bevölkerung beziehungsweise erhebliche Sachwerte in so ungewöhnlichem Maße gefährdet oder beeinträchtigt sind und dabei zugleich erhebliche Störungen oder unmittelbare Gefährdungen der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung verursacht werden, dass zu ihrer Abwehr und Bekämpfung sowie zur Beseitigung von Folgeschäden der Einsatz von Einheiten und Einrichtungen des Katastrophenschutzes unter einheitlicher Leitung der Katastrophenschutzbehörde erforderlich ist.“

Krisenstab analysiert die Lage

Die Feststellung einer Katastrophe könne nur im konkreten Einzelfall unter Gesamtwürdigung aller tatsächlichen Gegebenheiten erfolgen. Der havelländische Corona-Krisenstab tage regelmäßig, um die aktuelle Lage zu analysieren und sich mit allen Beteiligten auszutauschen, wie es weiter heißt.

Heranziehung zur Hilfe

Sollte der Fall der Fälle eintreten, könnte „jeder Bürger aufgrund seiner eigenen Fähigkeiten, beruflichen Bildung etc. zur Hilfe durch die Katastrophenschutzbehörde herangezogen werden. Auch Firmen und Bürger mit ihrem Fuhrpark oder betrieblichen und privaten Einrichtungen und Grundstücken können verpflichtet werden zu helfen und diese zur Verfügung zu stellen. Zur Mitwirkung des Gesundheitswesens und Sozialwesens sowie der Angehörigen der Gesundheitsberufe kann ebenfalls verpflichtet werden.“
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