Corona-Impfzentren und Terminvergaben: Der Bürgermeister von Premnitz (Landkreis Havelland) findet dazu klare Worte: „Die derzeit geübte Praxis wird nicht dazu führen, dass die besonders zu schützende Gruppe der Hochbetagten außerhalb von Einrichtungen zeitnah und umfassend geimpft wird“, so Ralf Tebling (SPD) in einem Schreiben an Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne), das er auch dem Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), Peter Noack, zukommen ließ.

1.079 über 80-Jährige in der kleinen Stadt Premnitz

Wie Tebling am 7. Januar schriftlich darlegte, habe Premnitz 8.491 Einwohner, davon 1.070 über 80 Jahre. 66 Personen würden in Pflegeeinrichtungen leben. „Naturgemäß wohnen viele in Einzelhaushalten. Ein großer Teil hat keine Angehörigen, zumindest nicht in Wohnsitznähe“, so der Bürgermeister, der auch Vorsitzender der Kreisarbeitsgemeinschaft (KAG) Havelland des Städte- und Gemeindebundes ist. „Praktisch stellt sich also die Frage, wie diese Personen selbst bei erfolgreicher Terminvergabe in ein Impfzentrum gelangen können.“

Dilemma bei der Impfstrategie

Eine Befragung der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, deren Ergebnis Tebling aufgrund seiner praktischen Erfahrungen vor Ort teilt, lege das Dilemma offen: „Zwar möchten sich wohl über 70 Prozent der Hochbetagten gerne impfen lassen, die Mehrzahl von ihnen auch möglichst schnell. Aber nur etwa jeder Vierte von ihnen gibt an, dass er den Weg oder den Transport zum Impfzentrum selbst organisieren kann. Und jeder Zweite sagt, allein ginge die Organisation des Transports nicht. Außerdem bedarf es zweier Impfungen und damit zweier Impfzentrumsbesuche im Abstand von drei Wochen.“

Sammeltransporte bedürfen anderer Terminkoordination

Wegen der besonderen demografischen und ländlichen Situation in Brandenburg hält Tebling es für sinnvoll, Sammeltransporte zu organisieren, die dann späterhin die Impfzentren anfahren und meint: „Dies bedarf aber einer anderen als der derzeit vorgesehenen individuellen Terminkoordination mit den im Aufbau befindlichen Impfzentren.“ Alternativ könnten in kommunalen Einrichtungen vor Ort, die ohnehin für eine Verwendung bei Massenanfällen von Erkrankten geeignet und bereits vorhanden sind, genutzt werden.

Zu Gruppenimpfungen in der Lage

„Ich möchte Ihnen versichern, dass wir als Stadt in der Lage wären, gemeinsam mit anderen Verantwortlichen eine solche Gruppenimpfung organisatorisch vorzubereiten. Gerne stellen wir uns auch als Modellkommune zur Verfügung“, so Tebling in seinem Schreiben vom 7. Januar.

Andere Möglichkeiten werden geprüft

In der am 15. Januar zugeleiteten zweiseitigen Antwort aus dem Gesundheitsministerium steht der Kernsatz: „Es wird derzeit geprüft, ob für die Menschen, die nicht allein oder mit Hilfe von Angehörigen die Impfzentren aufsuchen können, noch andere Möglichkeiten für die Impfung geschaffen werden können.“
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