Dank dieses Denkmals, bis auf das sogenannte Schwedenhaus in Böhne, auf der anderen Seite der Havel, hat Rathenow keine weiteren authentischen Objekte dieser Geschichte zu bieten, kommt die Stadt im 2013 erschienenen Buch "Der Große Kurfürst - Friedrich Wilhelm: Denkmale und Skulpturen" von René Du Bois mit einem eigenen Kapitel vor. Der Autor erklärt recht ausführlich, was der Befreiung voraus gegangen war. Während der Kurfürst Ende 1674 tief im Westen des Heiligen Römischen Reichs (Deutscher Nation) auf Seiten Hollands gegen Frankreich kämpfte, "fielen die Schweden mit 16.000 Soldaten in die Mark Brandenburg ein". Diese waren mit Frankreich verbündet. "Die Schweden wüteten grausam in der Mark Brandenburg. Sie verlangten hohe Abgaben zur Unterhaltung der Truppen, plünderten Dörfer, raubten den Bauern das Vieh, quälten Männer und Frauen bestialisch und brannten ganze Landstriche nieder", so der Buchautor.
Die Rückkehr des Großen Kurfürsten dürfte Kalkül für die damalige Supermacht Schweden dargestellt haben. Es lief wohl darauf hinaus, die Brandenburger zur Rückkehr zu provozieren. Um so mehr erstaunt es aber, dass die Besatzer offenbar nicht mitbekamen, wie der Kurfürst das Winterlager in Schweinfurt am 5. Juni 1675 (bzw. 26. Mai) gen Norden verließ. Sonst wäre die Sache vermutlich anders verlaufen. So aber gelangten die Brandenburger nach mehr als 250 Kilometer Marsch nach Magdeburg, von wo aus sich laut Angaben im Buch am 22. bzw. 12. Juni 5.000 Kürassiere (schwere Kavallerie), 800 Dragoner (berittene Infanterie) und 1.000 Infanteristen zu Fuß mit 14 Geschützen in Richtung Rathenow in Bewegung setzten. Angeführt vom Kurfürsten. Nochmals mehr als 50 Kilometer Marsch. Und wieder blieben die Truppen unentdeckt.
Rathenow bildete die Schwachstelle der schwedischen Linie von Havelberg bis Brandenburg an der Havel. In beiden Städten war weit mehr Militär stationiert als in Rathenow. Du Blois recherchierte sechs Kompanien schwedischer Dragoner für diese Stadt mit eigenem Havelübergang.
Am Abend des 24. bzw. 14. Juni 1675 erreichten die Brandenburger Böhne, wo der havelländische Landrat Jacob Friedrich von Briest wohnte. In seinem Haus, dem heutigen Schwedenhaus, das aktuell durch die Stadt zum Verkauf steht, schlief der Kurfürst, ehe nachts Rathenow im Sturm erobert wurde. Der Legende nach waren die Besatzer betrunken. Sie hatten sich mit Bier volllaufen lassen, das der Landrat spendierte...
Angemerkt: Im Gegensatz zu 1675 gilt heute der Gregorianische Kalender. Erst 1700 wurde in Brandenburg der vormalige Julianische Kalender abgelöst, indem auf den 18. Februar der 1. März folgte. Zehn Tage wurden sozusagen übersprungen. Die Befreiung Rathenows erfolgte demnach laut Julianischem Kalender am 15. Juni, laut gregorianischem Kalender am 25. Juni.