"Dieses Jahr steht im Zeichen der gesellschaftlichen Veränderungen in der damaligen DDR, wie den einzigen und zugleich letzten demokratischen Wahlen zur Volkskammer im März 1990 und den Kommunalwahlen im Mai sowie der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober", so Tebling am Freitag. Eine Brücke zu eben diesen Ereignissen baute Katja Poschmann (SPD), 2019 zur Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung gewählt. Sie durfte einen besonderen Premnitzer ehren. "Zu den ersten freien und demokratischen Kommunalwahlen am 6. Mai 1990 wurde Dr. Joachim Aurich zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Mit dem Ausscheiden aus dem Amt im Jahr 2000 wurde er bis 2019 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung", zitierte Poschmann aus dem Eintrag im Ehrenbuch der Stadt. "Er hat die Entwicklung der Stadt in den Zeiten des politischen Umbruchs maßgeblich mitgestaltet und die Weichen für eine bis heute anhaltende erfolgreiche Entwicklung gestellt." Der erste Bürgermeister, der bei freien Wahlen von den Premnitzern ins Amt gehoben wurde, konnte sich am Freitag ins Ehrenbuch eintragen.
Nicht nur durch die Ehrung wurde auf dem Neujahrsempfang in Premnitz an die zurückliegenden 30 Jahre erinnert. In seiner Ansprache blickte der Bürgermeister auch auf die schwierige wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zurück. "Premnitz spiegelt die jüngste deutsche Geschichte wie in einem Brennglas wider. Unsere Entwicklung war und ist untrennbar mit der Industrialisierung verbunden. Es waren schwierige Jahre eines Neubeginns in einer uns unbekannten freien Marktwirtschaft", so Ralf Tebling. "Es begann mit dem Ende des volkseigenen Betriebes Friedrich Engels, mit mehr als 5.000 Beschäftigten." Der Verkauf des Werkes scheiterte 1993. Auch andere Neugründungen gingen in die Insolvenz. "Mit der Übernahme der Polyester-Sparte 2002 durch Glaeser Textil Ulm und Daun & Cie Rastede wurde die Märkische Faser GmbH gegründet – heute das größte Unternehmen am Standort. Die Tochterfirma Innovative Kunststoffveredelung erhielt im letzten Jahr den Wirtschaftsförderpreis des Landkreises."
Aber der Bürgermeister machte auch deutlich dass die Revitalisierung des Industriestandorts mit hohen Summen an Fördermitteln 2017 abgeschlossen werden konnte und alle Grundstücke, bis auf die der LEG und der Stadt, vermarktet sind.
"Gemeinsam Brücken zu bauen und zu verbinden.  Das ist unsere Premnitzer Art, die Dinge anzugehen, die ich als ehemalige Rathenowerin schätzen gelernt und für mich persönlich angenommen habe", knüpfte die Stadtverordnetenvorsitzende an die Worte des Bürgermeisters an. "Blickt man auf die ersten Jahre nach der Wende zurück, gab es viele Schwierigkeiten. Aber die Stadt hat allen gezeigt, dass mit Pragmatismus und Zusammenhalt, Dinge bewegt und gestaltet werden. Wir möchten mit Ihnen daran arbeiten, dass das auch in Zukunft so bleibt."
"Die sogenannten goldenen 1920er Jahre standen für Blütezeit und Wirtschaftsaufschwung", so Tebling. "Unsere Zukunft wird zeigen, ob Ähnliches über Premnitz geschrieben wird. Ich bin aber sicher, dass wir im Jahr 2025 mehr feiern können als unsere erste urkundliche Erwähnung als Prebenitz vor 650 Jahren."
Passend zum 30-jährigen Jubiläum der deutschen Wiedervereinigung spielte das Akkordeonensemble der Musikschule Fröhlich, unter Leitung von Martina Zander, Songs wie "Wind of change" (Scorpions) und populäre DDR-Hits  wie "Jugendliebe" (Ute Freudenberg), "Über sieben Brücken" (Karat) und "Alt wie ein Baum" (Puhdys).