Seine Ära auf gehobenem Posten im Rathaus begann als Erster Beigeordneter und Stellvertreter  des damaligen Bürgermeisters. Das war Hans-Jürgen Lünser. 2002 erfolgte der Machtwechsel. Seeger ist demnach bereits seit  18 Jahren im Spitzenamt. Rekordverdächtig ist das längst noch nicht. Denn da gab es im 19. Jahrhundert einen Mann, der noch viel länger als Bürgermeister der Kommune seinen Stempel aufdrücken konnte.
Die Dienstzeit von Karl Große ist in einer Auflistung der Stadtoberhäupter auf www.rathenow.de zu finden. Er war demnach Bürgermeister von 1852 bis 1877. Das ist ein Vierteljahrhundert. Keine Straße, kein Weg und auch kein Platz ist nach ihm benannt. Erstaunlich auch, dass sich via Google kaum etwas über den Mann in Erfahrung bringen lässt.
Etwas Licht ins geschichtliche Dunkel bringt hier ein Beitrag im Rathenower Heimatkalender des Jahres 2016. Dr. Peter Dietze fasste unter der Überschrift "Die Freimaurerloge zu Rathenow" seine Erkenntnisse zum Thema zusammen. Ein Protagonist ist demnach jener Karl Große.
Dieser muss schon Freimaurer gewesen sein, als es noch gar keine Loge in der Stadt gab. Die Erstgründung von 1817 war bereits seit 1823/24 wieder aufgelöst. Große hatte sich an die zuständige Großloge mit dem Plan gewandt, in Rathenow eine Tochterloge gründen zu dürfen. Das war 1862. Große war also bereits zehn Jahre im Bürgermeisteramt. Die Eröffnung der Loge "Friedrich Wilhelm zur Wahrheit und Treue zu Rathenow" erfolgte im Oktober. Große wurde zu ihrem Meister ernannt. Die Mitgliederzahl stieg innerhalb von vier Jahren auf 32. Die Freimaurerei existierte in Rathenow bis zur Selbstauflösung im Jahr 1934.
Karl Große ist in Vergessenheit geraten. Einer seiner Nachfolger, Friedrich Lange, ist zwar Ehrenbürger geworden. Doch auch nach ihm ist nichts benannt in Rathenow. Bleibt sich die Stadt in dieser Hinsicht treu, wird im Laufe des 21./22. Jahrhunderts wohl kaum noch jemand an Hans-Jürgen Lünser und Ronald Seeger erinnert. Nur nach Nachkriegsbürgermeister Paul Szillat ist eine Straße benannt.