Am Anfang steht das Erzbistum Magdeburg, das im 10. Jahrhundert entstand. Sein weltlicher Besitz wird als Erzstift bezeichnet. Durch Schenkungen etwa in der Mitte des 12. Jahrhunderts erlangte das Erzbistum die Oberhoheit über Ländereien im Elb-Havel-Winkel. Die Erzbischöfe wurden auch dort zu weltlichen Herren. Nördlich der Elbe befand sich die Altmark, hinter der Havel die Mittelmark, zu der das Havelland gehörte. Nach endgültiger Eroberung der Havelburg Brandenburg wurde 1157 die gleichnamige Markgrafschaft begründet. Deshalb feierte das Land Brandenburg im Jahr 2007 seinen 850. Geburtstag.
Zunächst hatten Markgraf Albrecht der Bär aus dem Geschlecht der Askanier und Erzbischof Wichmann von Seeburg noch durch gemeinsames Agieren bei der Burgeroberung die Geburt der Mark in die Wege geleitet. Anschließend begann eine nimmer müde werdende Rivalität zwischen Magdeburgern und Brandenburgern. Zumal der Oberhirte im Westen ein Parteigänger des mächtigen Geschlechts der Wettiner war, das in der Folge von Osten und Südosten her mit den Askaniern rivalisierte.
Erzbischof der Herr
über die Burg Milow
Dem Erzbischof gehörte nunmehr die Burg in Milow. Ihre Ersterwähnung erfolgte in einer Urkunde, in der König Konrad III. am 31. Dezember 1144 die Schenkung der Elb-Havel-Ländereien an das Erzbistum bestätigte. Schon 1157, also zur Zeit der Gründung der Mark Brandenburg, hatte Wichmann von Seeburg Jüterbog erobert. Er fasste also auch südlich von Milow und dem Havelknick bei Plaue Fuß. Wohl als infrastrukturelle Maßnahme ist die 1159 erfolgte Gründung des Ortes Großwusterwitz (heute Wusterwitz) zu deuten. Denn der Warenstrom verlief bis dahin auf der Heerstraße, jene Ost-West-Achse von und nach Magdeburg über die Havelburgen Plaue, Brandenburg und Spandau.
Kurioses steht für das Jahr 1229 in den Annalen. Damals kam es vor den Toren der 1196 erstmals urkundlich erwähnten Neustadt Brandenburg zu einem Gefecht zwischen brandenburgischen und magdeburgischen Truppen. Die unterlegenen Brandenburger mit dem markgräflichen Brüderpaar Johann I. und Otto III. an der Spitze wollten hinter die Mauern der Neustadt fliehen. Doch die Bewohner öffneten nicht das Tor für die Askanier. Diese mussten sich bis nach Spandau zurückziehen. Offenbar reichte der lange Arm des Erzbischofs bis in die Neustadt, die eine sehr frühe Gründung der Askanier darstellt.
Während der Herrschaft der Brüder wuchs die Rivalität zu Kriegen gegen die wettinischen Nachbarn im Osten und Südosten und gegen den Erzbischof im Westen und Südwesten aus, genannt der Teltow-Krieg und der Magdeburger Krieg. Beide wurden zwischen 1239 und 1245 phasenweise gleichzeitig ausgefochten. 1244 ging die hölzerne Havelbrücke bei Plaue in Flammen auf, auf der sich die Magdeburger zurück gezogen hatten, nach dem ihr Angriff auf Brandenburg abgewehrt wurde.
Rathenow ein
askanischer Burgstandort
Zu der Zeit war Rathenow, 1216 erstmals urkundlich erwähnt, ein askanischer Burgstandort, in Milow übte der Erzbischof die Oberhoheit aus. Die Rivalität zwischen den Lagern konnte zumindest in diesem Bereich durch einen Vertrag befriedet werden. 1276 kam es zur Unterzeichnung. Damals war die Mark bereits geteilt, was auf die Brüder Johann I. und Otto III. zurück ging. Die Jonannische Linie übte auch die Herrschaft über das Havelland aus. Laut Vertrag sei das linke Havelufer zwischen Milow und Rathenow ausdrücklich dem Erzbistum unterstellt worden, wie es im Buch "Die Herrenhäuser des Havellandes" (Lukas-Verlag/2006) heißt. Herausgeber sind der in Rathenow am Jahngymnasium tätige Geschichtslehrer Udo Geiseler und Almut Andreae.
Offenbar war der so entstandene Friede für relativ lange Zeit kein wackeliger. Die Askanier, die 1319 ausstarben, hatten Rathenow 1295 das Stadtrecht verliehen. Auf ihre dortige Burg konnten die Landesherren allem Anschein nach verzichten, wenn sie sie den Rathenowern im Jahr der Stadtgründung zur Gewinnung von Baumaterial überfließen. Die Burg verschwand. Zwei Straßennamen in der Altstadt erinnern an sie. Derweil blieb Milow für den Erzbischof strategisch so wichtig, dass die dortige Burg weiter existierte.
"Um 1400 eskalierten die Kämpfe im brandenburgisch-magdeburgischen Grenzraum", wie im Herrenhäuser-Buch weiter zu lesen ist. Vor 1391, den genauen Zeitpunkt kennt die Geschichtsforschung anscheinend nicht, war Folgendes geschehen: "Märkische Adlige besetzten die Burg und fielen von dort aus plündernd ins Jerichower Land ein." Dem Erzbischof gelang die Rückeroberung der Burg. "Sie wurde niedergebrannt, später erneut aufgebaut und einige Jahre danach von märkischen Adligen unter Führung Lippold von Bredows wieder belagert." Das war in jenem Jahr 1391. Diese brandenburgisch-magdeburgische Fehde sollte für Rathenow noch schlimme Folgen haben.
Eroberung und Vertreibung
der Stadtbevölkerung
Lippold von Bredow, vom Landesherren zum brandenburgische Landeshauptmann ernannt, hatte sich wohl die Eroberung der Burg in Milow als ganz einfach vorgestellt. Denn er verfügte über eine gewaltige Kanone. Zu damaliger Zeit etwas ganz Neues. Wohl beim ersten Schuss flog aber ein Funken ins Pulverfass. Es gab eine mächtige Explosion, Lippold hatte sich sozusagen ein Eigentor "geschossen". Die Belagerten wurden plötzlich zu Angreifern. Lippold und mit ihm viele andere Brandenburger gerieten in Gefangenschaft der Magdeburger. Die Mark war nun kopflos.
Darüber hatte Moritz Wilhelm Heffter 1840 in seiner "Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg" geschrieben. Darin heißt es: "So ohne Oberhaupt war die Mark nun erst übel dran: Es erhoben sich der inneren und äußeren Feinde immer mehr." Er erwähnte einen Heerzug anhaltinischer Truppen, die das Land bei Ziesar (1393) heimsuchten. "Aber schlimmer noch erging es das Jahr darauf (1394) der Stadt Rathenow. Der Erzbischof von Magdeburg überrumpelte sie mit seinen Vasallen, plünderte sie und verübte die schmählichsten Untaten, verjagte auch den größten Teil der Einwohner."
Der Erzbischof betrachtete Rathenow als eine Eroberung. Erst ein durch den König vermittelter Frieden brachte Lippold von Bredow im Jahr 1396 die Freiheit. Und Rathenow musste der Erzbischof wieder an die Mark ausliefern. Von einer Schlacht zwischen erzbischöflichen Truppen und Brandenburgern, die im Jahr 1402 im Wernitz-Wald, irgendwo zwischen Bamme und Marzahne, ausgefochten wurde, berichtete der spätmittelalterliche Heimatchronist Engelbert Wusterwitz.
Letztlich ebbte die Rivalität im Laufe des 15. Jahrhunderts ab. Völlige Ruhe kehrte erst ein, nachdem es den Hohenzollern, die seit 1415 die Herrschaft über Brandenburg ausübten, gelungen war, einen Familienangehörigen zum Erzbischof von Magdeburg zu machen (1513). Das war Albrecht II., Bruder des damaligen brandenburgischen Kurfürsten. 1561 habe sich Erzbischof Sigismund von Hohenzollern zur Reformation bekannt. Ihm sei 1567 auch das Domkapitel des Erzbistums Magdeburg gefolgt, wie auf www.bistum-magdeburg.de berichtet wird.
Derweil bildete die Untere Havel weiter eine Grenze. Eine unter dem Eintrag "Erzstift Magdeburg" auf Wikipedia.de gezeigte Landkarte von 1645 zeigt den Grenzverlauf zwischen der Mündung in die Elbe und Plaue. Im Westfälischen Frieden nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) war das Erzstift dem Kurfürstentum Brandenburg als Anwartschaft zugesprochen worden. Es wurde zum erblichen Herzogtum Magdeburg, über das ab 1680 die Hohenzollern ganz offiziell herrschten.
1930 waren die katholischen Bistümer Havelberg und Brandenburg im neu geschaffenen Bistum Berlin aufgegangen, das 1994 vom Papst zum Erzbistum erhoben wurde. Ebenfalls vor 22 Jahren löste der Papst das Bistum Magdeburg aus dem Erzbistum Paderborn heraus und es ist seither wieder eigenständig. Bis heute trennt die Havel magdeburgische und brandenburgische Katholiken. Die Sternsinger aus der Steckelsdorfer Kuratie St. Josef gehören zum Dekanat Stendal, in der Tangermünder Pfarrerei St. Elisabeth im Bistum Magdeburg. Die Kinder von St. Georg in Rathenow gehören indes zum Dekanat Brandenburg im Erzbistum Berlin.