Der brandenburgische FSV Optik Rathenow empfängt an diesem Samstag, 23. Oktober 2021, den FC Carl-Zeiss Jena aus Thüringen. Es ist das Duell zwischen Vereinen aus renommierten Städten der optischen Industrie. Im 20. Jahrhundert waren die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Rathenow und Jena sehr eng.

Duncker und Zeiss: Pioniere der optischen Industrie

Johann Heinrich August Duncker (1767-1843) in Rathenow und Carl Zeiß (1816-1888) in Jena waren Pioniere der optischen Industrie in Deutschland. Auf beide gehen die Wirtschaftszweige in den Städten unmittelbar zurück. Nach  Ernst Abbe (1840-1905), der Ende des 19. Jahrhunderts zum Alleininhaber der Firma Carl Zeiss wurde, ist in Jena die Heimstätte des Fußballclubs benannt. Sollte es geschichtsinteressierte Carl-Zeiss-Fans geben, sollten sie in Rathenow unbedingt das Optik-Industrie-Museum besuchen.

Konkurrenz löste sich in Einvernehmen auf

Im Museum unter dem Dach des Kulturzentrums ragen zwei Firmennamen aus der städtischen Wirtschaftsgeschichte ab Mitte des 19. Jahrhunderts heraus. Das sind die Emil Busch AG und die Nitsche & Günther AG. Beide Unternehmen waren zunächst bedeutende Carl-Zeiss-Konkurrenten. Konflikte lösten sich in gegenseitigem Einvernehmen auf, als es Zeiss Ende der 1920er Jahre gelungen war, die Aktienmehrheit an der Emil Busch AG zu erlangen. Zudem war der Konzern mit Stammsitz in Jena durch eine strategische Allianz mit Nitsche & Günther verbunden.
Wie es im 2012 erschienenen Buch „Die ZEISS Punktal Story“ von Pit Schumacher  heißt, habe Zeiss erreicht, dass in Rathenow keine hochpreisigen Brillengläser mehr produziert wurden. „Im Gegenzug verzichtete Zeiss darauf, selbst Brillenfassungen herzustellen. Diese wurden von nun an aus Rathenow bezogen“, so die erläuternden Worte über die Allianz mit der Nitsche & Günther AG.

ROW  wurde dem VEB Carl  Zeiss Jena angegliedert

Wie in Jena und in allen Teilen der sowjetischen Besatzungszone kam es auch in Rathenow nach dem Zweiten Weltkrieg zu massiven Enteignungen.  Dort wurden die Nitsche & Günther AG sowie die Emil Busch AG zum Grundstock des Volkseigenen Betriebs (VEB) Rathenower Optische Werke (ROW). Carl Zeiss in Jena wurde auch zu einem VEB und darüber hinaus zum Stammbetrieb eines Kombinats. Diesem wurde Mitte der 1960er Jahre  das ROW angegliedert. Diese enge Wirtschaftsbeziehung hielt bis Ende 1989. Seither gehen Jena und Rathenow getrennte Wege. Heute ist die Fielmann AG der Brillen-Platzhirsch in der Havelstadt.