Seit Jahren gibt es eine kassenärztliche Bereitschaftspraxis am Städtischen Klinikum in Brandenburg an der Havel. Im November 2020 wurde eine solche am Standort der Havelland-Kliniken in Nauen eröffnet. Seitdem fordern westhavelländische Landespolitiker eine Bereitschaftspraxis für die Kreisstadt Rathenow.

Für Görke nicht akzeptabel

Der Landtagsabgeordnete Christian Görke (Die Linke) hat seine Forderung nun wiederholt. Wie er verlautbarte, sei für ihn die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), im Westhavelland keine Bereitschaftsdienstpraxis zu eröffnen, nicht akzeptabel. 

KVBB soll Auffassung überprüfen

Er erwarte von den KVBB-Verantwortlichen, ihre bisherige Auffassung zu überprüfen und perspektivisch auch in Rathenow eine Bereitschaftspraxis vorzuhalten, „zumal dafür die Bereitschaft zur Zusammenarbeit seitens der Geschäftsführung der Havelland-Kliniken vorliegt“, so Görke. Den Klinikstandort in der Kreisstadt sieht er als gemeinsamen Anlaufpunkt für ambulante und stationäre Notfälle als bestens geeignet an.

Keine Veränderung an bisheriger Position

Indessen ließ die KVBB auf BRAWO-Anfrage durch Pressesprecher Christian Wehry kurz wissen, dass sich an der bisherigen Position nichts verändert hätte. „Aufgrund der Pandemie sind die Zahlen leider wenig aussagekräftig“, so Wehry. Gemeint sind Patientenzahlen aus den Monaten November und Dezember. Gegenüber der Landtagsabgeordneten Katja Poschmann (SPD) hatte die KVBB angekündigt, die Zahlen auswerten zu wollen, um eventuellen Bedarf daraus abzuleiten.

Gespräch zwischen Poschmann und KVBB am 19. Februar geplant

Wie das Büro der Politikerin nun mitteilte, soll es dazu am 19. Februar ein Gespräch mit KVBB-Vertretern geben. „Hier wird sich Frau Poschmann in Absprache mit der SPD Havelland klar für eine stabile Grundversorgung der Kreisstadt positionieren. Die medizinische Versorgung der Rathenowerinnen und Rathenower darf nicht grenzenlos den wirtschaftlichen Aspekten unterliegen.“ Nach wie vor sehe Poschmann den Bedarf für eine Bereitschaftspraxis in Rathenow. Die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sei eine der Grundvoraussetzungen für ein attraktives Leben.

Weite Patientenreisen nach Nauen und Brandenburg an der Havel

Westhavelländische Patienten mit nicht lebensbedrohlichen  Gesundheitsproblemen müssen in den Abend- und Nachtstunden sowie an Sonn- und Feiertagen weite Reisen antreten. Statt auf kurzem Wege in Rathenow gibt es kassenärztliche Bereitschaftsversorgung im mehr als 40 Kilometer entfernten Nauen und im mehr als 30 Kilometer entfernten Brandenburg an der Havel.