Der Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow könnte Mitte der 2020er Jahre weitestgehend vollendet sein, wenn das Land Brandenburg nun die Kostenhälfte von 3,75 Millionen Euro trägt. Zuletzt wurden hier und dort Zweifel laut, ob das überhaupt jemals der Fall sein wird. Die andere Hälfte steuert der Bund definitiv bei, sobald die Co-Finanzierung geklärt ist. Der Ball liegt diesbezüglich seit Ende 2018 bei der Landesregierung in Potsdam.

Katja Poschmann erläutert weitere Verfahrensweise

„Das Land hat die Co-Finanzierung in Höhe von 3,75 Millionen Euro in den Haushalt 2021 durch die Kultusministerin Dr. Manja Schüle eingestellt“, erklärt die westhavelländische Landtagsabgeordnete Katja Poschmann (SPD). Die Auszahlung soll in vier Jahresraten erfolgen, sofern der Haushaltsentwurf im Landtag beschlossen wird.  In den nächsten Wochen folgen diesbezüglich drei Lesungen zum Entwurf, so Poschmann weiter. Die Beschlussfassung erfolge im Dezember-Plenum.

Dagmar Ziegler half auf Bundesebene

Es deutet demnach einiges darauf hin, dass die rot-schwarz-grüne Koalition den Geldhahn nun tatsächlich öffnet. Vor zwei Jahren hatte es auf Bundesebene einen Paukenschlag für das Wiederaufbauprojekt in Rathenow gegeben. Auf Initiative der SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Ziegler  und Johannes Kahrs, der im Mai sein Mandat niederlegte, hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags  in seiner sogenannten „Bereinigungssitzung“ am 8. November 2018 beschlossen, dass die Sanierung der Bauwerks in Höhe von 50 Prozent der Gesamtkosten durch den Bund gefördert wird.

Jahrelanges Engagement zum Erfolg führen

„Die Kirche ist eines der bedeutendsten Baudenkmäler unseres schönen Havellands. Sie ist eine wahre Heimstätte von Geschichte und eine Bereicherung für die Region, die es zu bewahren gilt. Ich habe mich sehr gerne für die Sanierung eingesetzt und geholfen, das jahrelange, beeindruckende Engagement des Fördervereins zum Erfolg zu führen“, so äußerte sich seinerzeit die Parlamentarierin aus dem Wahlkreis 56, die auf Vorschlag ihrer Fraktion demnächst Vize-Bundestagspräsidentin werden soll. Der Wahlkreis umfasst die Landkreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppin sowie im Havelland die Ämter Rhinow, Friesack und Nennhausen und die Stadt Nauen.

Turm 2001 wieder aufgebaut

Die Sankt-Marien-Andreas-Kirche in der havelländischen Kreisstadt war in den letzten Kriegstagen zu großen Teilen zerstört worden. In der Folge verfiel das Gotteshaus zur Ruine. Bis Mitte der 1990er Jahre konnte der Chorraum zumindest nutzbar gemacht werden. 2001 wurde der Turm wieder aufgebaut. Weitere Teilprojekte folgten. Seit seiner Gründung im September 1996 sammelte der Förderkreis zum Wiederaufbau der Kirche insgesamt mehr als eine Million Euro Spendengelder, um Eigenanteile an Finanzierungen stemmen zu können.

Stagnation seit 2011

Nach den ersten Sanierungsvorhaben bis 2011 stagnierte der weitere Wiederaufbau, so der Gründungsvorsitzende des Förderkreises, Dr. Heinz-Walter Knackmuß. Etwa die Wiederherstellung der Kreuzgewölbe im Chorraum und der Emporen im Kirchenschiff steht noch aus.
Auch die Wiederherstellung einer barocken Kanzel war geplant, was zu Gunsten der Errichtung eines Gemeindezentrums auf dem Kirchberg nun gestrichen ist. Derweil gilt eine Orgelsanierung als nicht förderfähig. Zumindest soll aber eine Heizungsanlage installiert werden.

Projektende wohl nicht vor 2023/2024

Die geschätzten Gesamtkosten beliefen sich vor zwei Jahren auf etwa 7,5 Millionen Euro. Erst wenn die Fördergelder von Bund und Land fließen, kann das Projekt fortgesetzt und zum Abschluss gebracht werden. Knackmuß schätzt, dass das Ende der Arbeiten nicht vor 2023/2024 erreicht werde.
Viele Informationen zum Wiederaufbau, zu Förderern, zur Geschichte der Kirche und zu Mitgliedern des Förderkreises gibt es online auf www.rathenow-kirchen.de. Wie aus der Auflistung der Vereinsmitglieder hervor geht, war auch Brandenburgs Ministerpräsident a.D. Manfred Stolpe am Rathenower Projekt gelegen. Sein Nachfolger Matthias Platzeck gehört dem Förderkreis ebenso an wie der amtierende Regierungschef, Dietmar Woidke (SPD). Sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zählt zu den Mitgliedern, aber nicht Dagmar Ziegler.