Infrastrukturell sind die Bundesstraßen 102 und 188, die sich in Rathenow kreuzen, die Hauptverkehrswege. Einst war auch die Nähe zur Havel bedeutend für die Stadtentwicklung. Entsprechend groß ist das Geschichtskapitel von Schifffahrt und Schiffbau, das Werner Coch in Form einer Broschüre veröffentlicht hat.

„Schifffahrt und Schiffsbau in Rathenow“

Nach dem Landmaschinenbau (2018), der Möbelbauindustrie (2019) und der Kraftfahrzeugbranche (2020) hat Heimatforscher Coch hat das Ergebnis seiner neuesten Recherchen in den Handel gebracht. Als Sonderausgabe des durch den Rathenower Heimatbund e.V. herausgegebenen Heimatkalenders ist die neue Broschüre unter dem Titel „Schifffahrt und Schiffsbau in Rathenow“ erschienen. Sie ist in der Buchhandlung Tieke, Berliner Straße, sowie in der  Touristinformation am Freien Hof, erhältlich.

Gudrun Meetz, Nachfahrin einer Schiffswerft-Familie

„Der Schiffsbau, dessen Entwicklung im 19. Jahrhundert eng mit dem Höhepunkt der Ziegeleiindustrie in Rathenow verbunden ist, gehörte zu den Industriezweigen, die Rathenow früher prägten“, so der in Premnitz wohnhafte Werner Coch. „Bereits während Recherchen zu den vorherigen Broschüren habe ich deshalb in den letzten Jahren zu diesem Thema recherchiert. Mit Gudrun Meetz lebt in Rathenow noch eine Nachfahrin der Schiffswerft-Familie Dröscher, die mich bei diesem Thema sehr unterstützte.“

Einst Werften am Stadtkanal

Die Vorfahren von Gudrun Meetz gründeten bereits 1793 eine Werft am Stadtkanal. Die bedeutendste Rathenower Werft existierte, zuletzt als Teilbetrieb des VEB Schiffsreparaturwerft Rathenow, bis1965. Nach Verfall wurde das Gelände 1985 bis 1992 vom Agrochemischen Zentrum Nennhausen wieder in Betrieb genommen. Eine Teilfläche wurde ab 1972 von der Wasserschutzpolizei genutzt. Weitere größere Werften waren die von Adolf Todt am Stadtkanal, Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts, sowie die der Gebrüder Weiss an einem Seitenarm des Stadtkanals, 1865 bis Anfang der 1920-er Jahre.

Schleuse auf Initiative von Kurfürst Joachim II.

Auf 132 Seiten beschreibt Werner Coch weitere kleinere Schiffswerften in Rathenow sowie je eine, die in Premnitz und Milow existierten, und stellt auch den gewerblichen und privaten Bootsbau bis nach 1990 vor. Einleitend schildert der Autor die guten Bedingungen Rathenows als Stadt an der Unteren Havel für Schiffsverkehr und -bau. Schon zwischen 1548 und 1559 entstand auf Initiative des Kurfürsten Joachim II. östlich der Kleinen Archen eine erste Schleuse in Rathenow.

Keine Fahrgastschifffahrt mehr

Alt- und Neustadt Rathenow trennt der Stadtkanal. Dort wurde die heute existente Stadtschleuse 1739 in Betrieb genommen, 1836 erneuert und 1884 umgebaut. Dort lassen sich vornehmlich Wassertouristen schleusen. Mit der Aufgabe der Fahrgastschifffahrt durch die Stechower Reederei Bolz endete 2016 ein weiteres Kapitel Schifffahrtsgeschichte in Rathenow.