Landwirtin Simone Jürgens aus Wustermark ist sauer. Genau während der Erntezeit wurde der Wirtschaftsweg, der parallel zur Bundesstraße 5 (B5) verläuft, gesperrt. Der Grund ist die Verlegung einer Gasleitung. Das Problem: Die B5 ist eine Kraftfahrstraße, auch Schnellstraße genannt. Eine Straße für schnelle Fahrzeuge, die mindestens 60 Klinometer die Stunde fahren. Das schaffen landwirtschaftliche Fahrzeuge meist nicht. Für diese gibt es den Straßenbegleitweg neben der B5.
Durch die Sperrung müssen Landwirte nun zum Teil deutliche Umwege in Kauf nehmen. Die Umleitung führt über Wernitz, das Dorf gehört zu Wustermark und ist ohnehin schon sehr LKW-Verkehr belastet. In der Umgebung haben sich Logistik-Unternehmen angesiedelt. Neben einem höheren Kraftstoffverbrauch ist es die Zeit, die für die Landwirte ins Gewicht fällt. Wenige Kilometer mehr machen Zeitverluste von 20 bis 30 Minuten aus. In der Erntezeit sei das eine Menge, sagt Johannes Funke, Geschäftsführer im Kreisbauernverband Havelland und Landtagsabgeordneter der SPD. Dazu der höhere Kraftstoffverbrauch. „Die Landwirte haben auch so schon Energiepreissorgen“, sagt Funke.

Mehrere Landwirte von Sperrung an B5 betroffen

Jürgen Schöttler von der Marktfrucht GmbH in Ketzin/Havel hat dafür nur zwei Worte: „Eine Katastrophe.“ Auch er versteht nicht, warum die Arbeiten ausgerechnet während der Erntezeit stattfinden müssen. Etwa zehn bis zwölf landwirtschaftliche Betriebe könnten von den Bauarbeiten betroffen sein, schätzt Funke. Er habe versucht, der Straßenverkehrsbehörde die Wichtigkeit dieses Wirtschaftsweges für diesen Zeitraum zu vermitteln, sagt er. Passiert ist danach nichts. Eine Erleichterung, die weder Umweg noch mehr Betriebskosten bedeutet, wäre eine Freigabe der B5 für den landwirtschaftlichen Verkehr. Das ging schon mal, als die B 273 gesperrt war, sagt Funke.
Der Landkreis verweist indes auf die Ausweichroute. Die Bundesstraße 5 können nur dann als Ausweichroute zur Verfügung stehen, wenn es keine Umleitungsstrecke gäbe, heißt es hier weiter auf Anfrage. Und: „Durch die Zulassung von landwirtschaftlichen Fahrzeugen auf einer autobahnähnlichen Straße wird eine konkrete Gefahrenlage geschaffen. Die hier vorzunehmende Abwägung zwischen den Gefahren für Leib und Leben überwiegen die wirtschaftlichen Interessen. Der Sicherheit des Verkehrs ist hier der Vorrang einzuräumen.“
In diesem Zusammenhang erinnert der Sprecher des Landkreises an einen schweren Unfall, der sich vor gut einem halben Jahr auf der B5 ereignet hatte. Ein 40-Tonner war aufgrund fehlender Beachtung des Spurwechselschildes auf einen Absicherungshänger aufgefahren. Die Wucht des Aufpralls schob den Anhänger auf einen weiteren LKW und eine Hebebühne. Damals mussten drei Schwerverletzte mit einem Rettungshubschrauber zur medizinischen Versorgung abtransportiert werden.
Die Landwirte werden also weiterhin die Umleitung fahren müssen. „Mit dieser Baumaßnahme und der Umleitung fühlen sich die Landwirte von der Verkehrsbehörde übergangen“, sagt Funke und würde es begrüßen, wenn die Belange der Landwirte/innen bei zukünftigen Bauvorhaben Gehör finden würden.