Der in Milow geborene Carl Bolle (1832-1910) ist zweifellos der prominenteste Sohn des Dorfs im Havelland. Doch macht ihm ein Herr aus der Jungsteinzeit den Status streitig. Denn der „Mann von Milow“ kommt im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel sowie im Naturparkzentrum in Milow groß raus.
Vor etwa 55 Jahren wurden die Skelettreste des in Hockstellung bestatteten Mannes in der damaligen Ernst-Thälmann-Straße 5 (heute Stremmestraße) bei Schachtarbeiten ausgegraben. Der Fund in nur zirka 50 Zentimeter Tiefe wurde dem DDR-Museum für Ur- und Frühgeschichte gemeldet und „notgeborgen“, wie es fachmännisch heißt.

Bis 1999 in Potsdam ausgestellt

Bis 1999 wurden die Gebeine in Potsdam ausgestellt, danach eingelagert. Seit Eröffnung des Archäologischen Landesmuseums im September 2008 wird der Schädel in Brandenburg an der Havel gezeigt.

40 bis 50 Jahre alter Mann

Anhand der Zahnuntersuchung und der Schädelnähte wurde das erreichte Lebensalter des rund 1,65 Meter großen Mannes auf 40 bis 50 Jahre geschätzt. Das Alter des Fundes von etwa 5.300 Jahren konnte durch Datierung der Grabbeigabe bestimmt werden. Bei dieser handelt es sich um eine 11,5 Zentimeter hohe Keramiktasse.

Vertreter der Walternienburger Kultur

Offenbar war dieser Vertreter der Jungsteinzeit (Neolithikum) ein zugezogener Bewohner der Havelregion. Die  Tasse weist den wissenschaftlichen Blick hin zur sogenannten „Walternienburger Kultur“, deren Hauptverbreitungsgebiet eigentlich Mitteldeutschland war. Die Verbindung könnte durch die Elbe erfolgt sein,  deren Wasser nachweislich einst auch dort flossen, wo seit dem Mittelalter Milow ist.

Gesicht 2006 zurückerhalten

Beim „Mann von Milow“ handelt es sich um einen Neolithiker, dem Museumsbesucher sozusagen ins Gesicht blicken können. Das ist der Clou sowohl im Archäologischen Landesmuseum als auch im Naturparkzentrum. Das Gesicht war im Jahr 2006 von Wissenschaftlern der Charité und des Landeskriminalamts rekonstruiert worden. Wie das vonstatten ging,  zeigt ein vierminütiges Video in den Ausstellungen, die aber wegen der Corona-Pandemie gegenwärtig nicht besucht werden können.

Video-Workshop ab 6. Februar

Derweil wird der „Mann von Milow“ ab 6. Februar zum Thema eines virtuellen Video-Workshops. Der Kölner Medienkünstler Jens Standke zeigt, wie sich eine audiovisuelle Animation aus dem mehr als 5.000 Jahre alten archäologischen Fund gestalten lässt. „Eine künstlerische, inspirative Anleitung, mit Tutorials, Live-Video-Konferenzen und individueller virtueller Betreuung“, wie es in der Ankündigung heißt. Die Live-Events finden am 6. Februar sowie am 6. und 27. März statt.

Anmeldungen bis 1. Februar

Maximal 15 Leute können mitmachen, die sich bis 1. Februar per E-Mail an info@jaetenimparadies.de anmelden müssen. Veranstalter sind Annette und Gerhard Göschel aus dem Milower Land sowie die Kölnerin Rosi Ulrich. Gemeinsam haben sie 2019 das Kulturprojekt „Jäten im Paradies“ begründet.

„Jäten im Paradies“

Das Projekt war ursprünglich auf zwei Jahre ausgelegt. Wegen der Veranstaltungsabsagen 2020 ist das es ins Jahr 2021 hinein verlängert. Erste Veranstaltung ist nun die Verlagerung des Video-Workshops von Jens Standke auf eine Online-Plattform.