Die ursprünglich Baumsteppen bewohnende Schleiereule (Tyto alba) ist in Mitteleuropa als Kulturfolger den Menschen in die Siedlungen gefolgt und bevorzugt, ziemlich ortstreu, offene Agrarlandschaften mit dörflichen Siedlungen. Im Naturpark Westhavelland schuf der NABU-Regionalverband in den letzten 17 Jahren für Schleiereulen insgesamt 109 Brutmöglichkeiten in 43 Trafotürmen, 43 Scheunen und 23 Kirchtürmen, die heute sieben Enthusiasten regelmäßig betreuen.

Rund 4,5 Jungtiere pro Brutpaar

In der diesjährigen Saison zogen 39 Brutpaare insgesamt 182 Jungtiere auf, die in den letzten Wochen beringt wurden. „Im Altkreis Rathenow, mit Friesack, brüteten elf Paare in Türmen, fünf in Scheunen und drei in den Kirchen Buschow, Göttlin und Landin. Im Bereich des Landkreises Ostprignitz-Ruppin hatten 18 Brutpaare in Türmen und zwei in Scheunen Nachwuchs. Das sind durchschnittlich rund 4,5 Junge pro Brutpaar“, sagt René Riep vom NABU Westhavelland. „Damit ist die Schleiereulen-Population immer noch auf hohem Niveau. Den Rückgang um ein Drittel Jungtiere gegenüber 2019, dem Jahr mit der bisher größten Anzahl Nachwuchs mit 299 von 54 Brutpaaren kann man noch nicht erklären. Der schwankende Zyklus des Angebots an Mäusen, der Hauptnahrung der Tiere, ist schwer bezifferbar.“

1993 nur 18 Jungtiere gezählt

Im ersten Jahr (1993) wurden im Altkreis Rathenow vier Brutpaare mit 18 Jungtieren gezählt. Seitdem wurde die Zahl der Brutkästen stetig erhöht. Und so stieg auch die Zahl der Brutpaare und Jungtiere nahezu jährlich an. 1999 wurden 33 Brutpaare gezählt, die 199 Jungtiere aufzogen. In den Folgejahren schwankte die Population bis zum Jahr 2005, als  69 Brutpaare und 289 Jungtieren gezählt wurden.
„Dieser Anstieg ist auch mit der Erhöhung der Zahl der Brutkästen auf rund 80 erklärbar“, so Riep. „Im Jahr 2010 brach der Bestand an Schleiereulen nahezu komplett ein. Nur in Bahnitz hatte in Brutpaar fünf Junge. Grund für diesen Einbruch war der Winter 2009/2010 mit starken Schneefällen.“ Grund ist die vergleichsweise schlechte Nahrungsverwertung im Zusammenhang mit der geringen Fettspeicherung durch die Eulen.

Rekordjahr 2019

Seitdem stieg die Schleiereulen-Population wieder an. Ein sprunghafter Anstieg von 18 Brutpaaren mit 84 Jungtieren im Jahr 2018 auf das Rekordjahr 2019 mit einer Verdreifachung der Zahl der Brutpaare und Jungtiere ist unter anderem dadurch zu erklären, dass sich seit 2018 der Rathenower Christoph Prochotta im Artenschutzprogramm für die Schleiereule engagiert und zudem die Zahl der Brutkästen von 84 auf 109 erhöht werden konnte.
„Die Trafotürme wurden von der e.dis übernommen. Deren Anzahl wird sich kaum noch erhöhen, da alte Türme abgerissen wurden und keine weiteren mehr zur Ausmusterung zur Verfügung stehen“, so Riep. „Vor zirka drei Wochen wurde ein Turm in Paulinenaue an das Amt Friesack übergeben, der demnächst als Brutturm vorbereitet wird. In den kommenden Wochen werden die über die Saison durch die Altvögel stark verdreckten Brutkästen wieder gereinigt.“