Rathenow, so wie es einst mal war: Am ehesten ist das noch auf dem Kirchberg nachzuempfinden. Schützenhilfe kann nun eine historische Bilderreise bieten, die Bettina Götze und Sylvia Wetzel in den Buchhandel gebracht haben.
Es gibt immer weniger Leute wie den 1928 geborenen Ehrenbürger Günther Thonke, die das ursprüngliche Stadtbild noch aus eigenem Erleben her kennen. Rathenower jenseits der 80 sahen all die Postkartenidyllen, die prächtigen und weniger protzigen Bauten. Bis zu den verheerenden Zerstörungen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs war Rathenow optisch eine überaus reizvolle Kommune. Insbesondere an der Ost-West-Achse durch Neu- und Altstadt blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Das Wiederaufbauwerk nach 1945 prägte das Stadtbild nachhaltig.

Bildband als Einladung zum Neu- und Wiederentdecken

„Rathenow. Eine historische Bilderreise“ ist ein Bildband, der zum Neu- und Wiederentdecken einlädt. Mit dem Buch in der Hand kann man sich etwa an die neustädtische Ecke Berliner /Friedrich-Engels-Straße stellen, Seite 56 aufschlagen und über den oberen Bildrand geblickt den Vergleich wagen. Heute steht dort ein einfaches und eher flaches Haus.

Einst Prinzenvilla, heute schlichtes Haus

1913 hatten an der Stelle kurzzeitig die einzige Tochter des Kaisers und ihr hochadeliger Gatte, ein Husaren-Offizier, gewohnt. Das Paar war unter internationaler Anteilnahme am 24. Mai des Jahres getraut worden. Ihre Villa verfügte über zwölf Zimmer und einen Garten, so geht es aus der Bildbeschreibung auf Seite 56 hervor. Wegen des Prinzenpaars war fortan von Prinzenvilla die Rede, die nach 1945 verfiel.
Die Bilderreise lässt sich von Ost nach West bis hin zum Kirchberg fortsetzen. Auf diesem gibt es eine handvoll liebevoll restaurierter Fachwerk-Wohnhäuser, die den Krieg überstanden hatten. Wie es früher dort aussah, zeigt das Buch.

200 teils bislang unveröffentlichte Fotografien

Die meisten der rund 200 Fotos im Bildband waren bislang unveröffentlicht. Der Bilderbogen spannt sich von 1868 bis in die 1980er Jahre. Bettina Götze, Leiterin des Optik-Industrie-Museums und Geschäftsführerin der Kulturzentrum Rathenow GmbH, sowie ihre Pressesprecherin Sylvia Wetzel konnten aus dem Vollen schöpfen. Viele der Fotografien stammen aus dem Archiv des Hauses.