Gäbe es im havelländischen Garlitz noch die Volksschule, wäre diese wohl nach Günter de Bruyn benannt, der am 4. Oktober starb. Der bekannte und mehrfach ausgezeichnete märkische Schriftsteller war zwischen 1946 und 1949 als Neulehrer im Dorf tätig. Da war längst noch nicht klar, wohin seine berufliche Reise führen würde.
Der 1926 in Berlin geborene de Bruyn erlebte den Zweiten Weltkrieg von 1943 bis 1945 als Angehöriger der Wehrmacht. Er geriet in amerikanische Gefangenschaft. 1946 war er nach Berlin zurückgekehrt, ließ sich in Potsdam zum Neulehrer schulen und gelangte sodann nach Garlitz. Nach seiner Lehrertätigkeit wurde er Bibliothekar. Eines seiner frühen Bücher erschien 1960 unter dem Titel „Hochzeit in Weltzow“. 1978 wurde es von der DEFA verfilmt und ist daher wohl am populärsten.

Erste Ehefrau war eine Garlitzerin

Günter de Bruyn wurde freier Schriftsteller. Sein letztes Buch erschien 2018. Als Markenzeichen gelten autobiografische Färbungen in einigen seiner Werke. Etwa in „Hochzeit in Weltzow“ trifft ein früherer Frontsoldat aus Berlin im fiktiven havelländischen Dorf auf einen Lehrer, beide freunden sich an.  Für den Neuankömmling interessieren sich einige Frauen in Weltzow. Tatsächlich hat Günter de Bruyn in Garlitz seine erste Gattin kennengelernt.
Ein Wiedersehen mit Garlitz gab es 2005. Auf Einladung des Heimatkulturvereins um Ortsvorsteherin Gudrun Lewwe las der Gast in der Kirche aus einer 1992 erschienenen Autobiografie.  Eine Lesung in der früheren Volksschule, Dorfstraße 55, war nicht möglich. Die einstige Bildungseinrichtung dient schon lange als Wohnhaus. Allerdings erinnert via-à-vis eine Tafel an de Bruyns einstigen Arbeitsort.

„Hochzeit in Weltzow“ als Schwank auf dem Dorfanger

Die Erinnerungskultur im Dorf kann mitunter auch sehr lebendig sein. Im September 2019 wurde „Hochzeit in Weltzow“ als amüsanter Open-Air-Schwank auf den Anger gebracht. Der dazu eingeladene Günter de Bruyn konnte aus gesundheitlichen Gründen leider nicht anwesend sein, dafür aber sein 1951 in Berlin geborener Sohn Wolfgang, der ebenso Schriftsteller ist und von 2007 bis bis 2016 Direktor des Kleist-Museums in Frankfurt (Oder) war.